Kulmbach Konjunktur macht sich auf Arbeitsmarkt bemerkbar

Mehr als 1500 Menschen aus dem Landkreis Kulmbach waren im August auf der Suche nach Arbeit. Foto: dpa/Uwe Anspach

Zeigte sich die Arbeitswelt in den vergangenen Monaten noch robust, macht sich die wirtschaftliche Lage nun allmählich bemerkbar. Die Arbeitslosigkeit im August steigt deutlicher als in den vergangenen Jahren.

 
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Im Landkreis Kulmbach waren im August 1509 Menschen arbeitslos gemeldet, 129 mehr als im Juli und 80 mehr als im August des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent und lag damit 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Das geht aus den jüngsten Zahlen der Arbeitsagentur Bayreuth-Hof hervor.

Im August meldeten sich demnach Absolventen betrieblicher und schulischer Berufsausbildungen arbeitslos, ebenso Handwerksmeister und Techniker, die ihre Fortbildungen abgeschlossen haben. Diese Personengruppe sei in der Regel jedoch nur kurz arbeitslos, weil sie bereits konkrete Pläne habe, wie es ab Herbst weitergehen soll. Auch waren Meldungen von gut qualifizierten Arbeitnehmern zu verzeichnen, die ihren Arbeitsplatz wechseln wollen, was mit einer kurzen Arbeitslosigkeit einhergeht. Häufig sind dabei Berufe aus dem Gesundheitssektor vertreten, heißt es dazu von der Arbeitsagentur.

Daneben erfolgten viele Meldungen von Personen mit zum Teil gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen. Meist sei bei diesen Personen der Anspruch auf Krankengeld erschöpft und über einen bereits gestellten Rentenantrag sei noch nicht oder abschließend entschieden. In diesem Zusammenhang verzeichnet die Agentur eine deutliche Zunahme von psychischen Problemen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates, die die Ausübung der bisherigen Tätigkeit nicht mehr erlauben.

Nachfrage nach Arbeitskräften

Im August zeigte sich die Arbeitskräftenachfrage sommerlich verhalten, schreibt die Arbeitsagentur Bayreuth-Hof. Mit 151 Stellenmeldungen gingen 40 Vermittlungsaufträge weniger ein als im Vormonat. Das verarbeitende Gewerbe fragt aktuell verstärkt nach Fachkräften. Der Bedarf könne aber nicht vollständig gedeckt werden, sodass auch Helfer und Quereinsteiger eingestellt werden. In den kleineren Handwerksbetrieben mache sich die Urlaubszeit bemerkbar.

Die Nachfrage werde erst im Herbst wieder steigen, wenn die vorhandenen Aufträge abgearbeitet werden, so die Prognose. Das Hotel- und Gaststättengewerbe sucht nach Köchen, Servicekräften, Küchenhilfen und Reinigungspersonal. Im medizinischen Bereich sind besonders (Zahn-)Medizinische Fachangestellte gefragt. Der soziale Sektor sucht für die Zeit nach den Sommerferien Erzieher und Kinderpfleger. Der kaufmännische Bereich benötigt Unterstützung für IT, Controlling, Einkauf, Verkauf und allgemeine Bürotätigkeiten.

Gegenüber August 2022 gingen sieben Stellen weniger ein. Im bisherigen Jahresver-lauf waren es mit 1408 eingegangen Stellen 86 weniger als im selben Vorjahreszeitraum. Aktuell sind noch 35 junge Kulmbacher weiter auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle, 323 Stellen sind bisher noch unbesetzt. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt in diesem Jahr stärker aus als in den vergangenen drei Jahren. Ein deutlicher Anstieg im Vormonatsvergleich ist bei Personen zu verzeichnen, die einen Sprachkurse beendet haben. Im Vergleich zum Vorjahr ist allerdings generell eine nachlassende Dynamik auf dem regionalen Arbeitsmarkt zu spüren. Konjunkturelle Einflüsse machen sich immer deutlicher bemerkbar,“ fasst Sebastian Peine, Chef der Arbeitsagentur Bayreuth-Hof, die Entwicklungen im vergangenen Monat zusammen.

Im gesamten Agenturbezirk sind noch 1874 Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Jugendlichen der Region hätten daher auch jetzt noch eine große Auswahl an freien Ausbildungsplätzen, betont der Agentur-Chef. Nicht alle jungen Menschen profitierten allerdings in gleichem Maße von den Chancen am Ausbildungsmarkt. Von den 315 gemeldeten Jugendlichen, die aktuell noch auf der Suche sind, haben fast die Hälfte die Schule bereits im Vorjahr oder früher verlassen.

115 junge Menschen die heuer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, waren bereits in einem der vergangenen fünf Berichtsjahre bei der Arbeitsagentur gemeldet. Gründe dafür könnten unter anderem die falsche Berufs- oder Studienwahl, fehlende Schulabschlüsse oder persönliche Gründe sein, die zu einem vorzeitigen Ende der Ausbildung oder des Studiums geführt haben.

Die Arbeitsagentur Bayreuth-Hof unterstützt junge Menschen und Unternehmen mit unterschiedlichen Förderangeboten, damit ein Berufsabschluss am Ende gelingt,“ erklärt Peine. Seiten 1,2, 7, 12

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