Kulmbach Palisaden, Gräben und Wälle boten Schutz

Im Mittelalter baute sich der niedere Adel Turmhügel. Meist findet man, wie bei der Schwedenschanze, keine Überreste.

Kulmbach - Ein gemütlicher Spaziergang führt in den Wald zwischen Höfstätten, Metzdorf und Burghaig. Der Weg kann als Rundwanderung vom Gründla über den Heidenknock bis zur Abzweigung nach Burghaig gelaufen werden. Von dort geht es nach rechts in den Wald und bis zum Lindigbach, dem man einige Meter aufwärts folgt. Mit dem Erreichen einer großen Felswandist man an der sogenannten "Schwedenschanze" angekommen. Oberhalb von ihr erkennt man noch deutlich den Graben mit dem erhöhten Turmhügel. Es lohnt sich, diese Felsgruppe zu umrunden und vom Bach aus hochzuschauen, auch wenn das Mosaik an der Felswand leider nicht mehr gut erkennbar ist.

Auf dem Rückweg geht es auf der gegenüberliegenden Bachseite den Hügel hoch. Dann kommt man auf dem ausgeschilderten "Frankenweg" wieder ins Gründla.

Die Schwedenschanze wurde von Hans Edelmann folgendermaßen beschrieben: "Kleiner Turmhügel mit einem trockenen runden Graben mit einer Seitenlänge von elf Metern. Der Hügel liegt oberhalb einer hohen Felsformation, neben dem Lindigbach, der auch Linsenbach (Grenzbach) genannt wird". In den 1930er-Jahren hat Edelmann einen "Versuchsschnitt" durch den Graben und den Hügel angelegt, aber keine Fundstücke entdeckt. Trotzdem ist klar, dass es sich ohne Zweifel um eine frühmittelalterliche hölzerne Befestigung handelt, keinesfalls aber um eine den Schweden zurechenbare Schanze. Dieser mittelalterliche Burgentyp, der vorwiegend in Holzbauweise errichtet wurde, wird auch als "Motte" bezeichnet (frz. Motte = Klumpen) oder als Turmhügel- oder Erdhügelburg. Die ersten Turmhügel entstanden zwischen 900 und 1000 nach Christus. Einige Anlagen sind noch im frühen 15. Jahrhundert gebaut worden. Diese Befestigungsarten bestanden in der Regel aus zwei Bereichen. Das Hauptmerkmal ist ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem turmförmigen Gebäude in der Mitte, der Kernburg. Um die gesamte Anlage wurde ein Ringgraben ausgehoben und das Material in der Mitte aufgeschüttet. Die Hügel waren von fünf bis über zehn Meter hoch. Typisch ist ein runder Grundriss mit einem Durchmesser von 20 bis 30 Metern. Die einzelnen Bereiche waren durch Gräben, Wälle und Palisaden geschützt.

Bei der "Schwedenschanze" im Gründla wurden zusätzlich bereits im Gelände vorhandene natürliche Gesteinsformationen zur besseren Verteidigung genutzt. Der Vorteil dieser Befestigungen war die kurze Bauzeit. Holz und Erde waren überall vorhanden, sodass die kleinen Turmhügel oft nach zehn Tagen bezugsfertig waren. Sie waren die Sitze des niederen Adels. Da dieser sich aber größere und massivere Burganlagen baute, wurden die Turmhügel auch schnell wieder aufgegeben.

Die Schweden haben in den Wirren des 30-jährigen Krieges viel Schrecken verbreitet und so werden sie auch oft in die Sagen unserer fränkischen Heimat einbezogen. Aus den bekannten Durchzugsgebieten während des dreißigjährigen Krieges gibt es mehr "Schweden" Sagen als aus den nicht so sehr betroffenen Gebieten. Das Wort "Sage" kommt mutmaßlich vom weitersagen, weitergeben von Ereignissen. Im Laufe der Zeit wurden diese verändert oder manches dazu gedeutet. Dies schränkt den realen Aussagewert von Sagen ein, auch den der meisten nahe am Sagenkern verbliebenen historischen Sagen.

Mitunter finden sogenannte Vor- und Rückübertragungen von Funden und geschichtlichen Begebenheiten statt, für die die zeitliche Fixierung nicht möglich war oder die Weitergabe verloren ging.

Das beste Beispiel sind die sogenannten "Schwedenschanzen", die mitunter auch dort so bezeichnet werden, wo historisch nachweisbar niemals Schweden in dieser Zeit aufgetreten sind. Bei einer Überprüfung handelt es sich dann meist um alte Wallanlagen aus wesentlich früherer Zeit.

 
 

Bilder