Kulmbacher Land Hier wächst der Wald der Zukunft

Nicht nur der Borkenkäfer setzt dem Wald zu. Auch der Klimawandel verändert die Bedingungen rasant. Monokulturen sind da wenig hilfreich. Eine Waldbesitzerin aus der Region zeigt, wie man es besser macht.

Lebendige Mischwälder sollen dazu beitragen, den Wald zukunftsfähig zu machen. Foto: Michael Krahn

Der Klimawandel und die damit zusammenhängende Borkenkäfer-Plage haben die Wälder im Kulmbacher Land fest im Griff. Dem kann nur begegnet werden, idem der Wald schnell und wirksam an die Folgen des Klimawandels angepasst wird, sind sich Experten sicher. Im Waldpakt Bayern heißt es: Übergeordnetes gemeinsames Ziel ist der Aufbau und Erhalt gesunder, zukunftsfähiger Wälder als Voraussetzung für alle Leistungen, die Wälder erbringen – von Holznutzung über Klimaschutz und Biodiversität bis hin zur Erholung.

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Ein Paradebeispiel, wie man von anfälligen Fichten-Monokulturen hin zu einem klimastabileren Mischwald kommt, steht im Rugendorfer Ortsteil Poppenholz. Dort hat Dr. Gudrun Kubelik in Kooperation mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg-Kulmbach ihre Waldflächen umgebaut. Dafür ist sie nun im Rahmen der „Initiative Zukunftswald für Bayern“ vom kommissarischen Abteilungsleiter Forsten Simon Stölzel und Revierleiterin Anja Mörtlbauer ausgezeichnet worden. „Gerade bei großen Flächen ist es wichtig, mehrere Baumarten zu mischen. Sie bewirtschaften Ihren Wald in vorbildhafter Art und Weise, und das darf auch publik gemacht werden“, betont Stölzel.

Gudrun Kubelik (Mitte) liegt ihr Wald am Herzen. Beinahe täglich ist sie darin unterwegs und sieht nach dem Rechten. Foto: privat/

Schon seit Jahrzehnten betreibt Gudrun Kubelik aktiven Waldumbau: „Ich führe fort, was meine Eltern begonnen haben.“ Dabei hatte die Stadtsteinacherin mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Fast jedes Problem, das es in den vergangenen Jahrzehnten gab, hat auch ihre Flächen betroffen. Davon hat sie sich aber nicht entmutigen lassen. „Immer wieder gab es Windwurf, Schneebruch und natürlich den Borkenkäfer. Aber inzwischen haben wir mehr als 30 000 Bäume gepflanzt“, erzählt Kubelik. Wegen ihrer beruflichen Situation hat sie die Aufarbeitung der Schäden zwischenzeitlich sogar von Berlin aus organisieren müssen.

Kulmbacher Ahornsirup?

Im engen Austausch mit den Förstern des AELF hat die Waldbesitzerin Mischbestände mit insgesamt rund 30 verschiedenen Baumarten gepflanzt. Ihr Motto dabei: Global denken, regional handeln. So ist auf ihren Flächen unter anderem auch der Zuckerahorn zu finden. Försterin Anja Mörtlbauer: „Gudrun Kubelik war trotz der vielen Probleme, die der Wald hat, immer vorbildlich engagiert. Und wer weiß – vielleicht gibt es ja irgendwann Ahornsirup aus dem Kulmbacher Land?“ Neben dieser eher exotischen Baumart stehen auf den Flächen nun auch stattliche Zukunftsbäume wie Eiche, Weißtanne oder Spitzahorn. Sie verhindern Erosion, regulieren das Klima und sorgen vor allen Dingen für einen klimastabilen Waldbesitz. Durch die Produktion von wertvollen Laubholz bleibe der Wald auch zukünftig finanziell attraktiv. Die Flächen zeigen schon jetzt, wie unsere Wälder künftig aussehen könnten.

Gudrun Kubelik hat an ihrem Beispiel gezeigt, wie man den mit den Schäden durch den Borkenkäfer umgehen kann: Bestand überprüfen, befallene Bäume schnellst mög-lich aus dem Wald bringen – und danach Mischwald anpflanzen. Dabei hatte sie die tatkräftige Unterstützung vom pensionierten Förster Frank Hömberg und der Bayerischen Forstverwaltung. Die jungen Bäume schützt Kubelik mit Zäunen oder Wuchshüllen vor Wildverbiss, denn „der Wilddruck hier bei uns ist enorm.“ Beinahe täglich ist sie in ihren Wäldern unterwegs, es gibt immer was zu tun – ob Gräser in Jungbeständen abmähen oder Zäune reparieren. Oft hat sie die jungen Pflanzen auch bewässert, um ihnen eine Starthilfe zu geben.