Fritz Hornschuch als Filmfigur Kulmbacher Unternehmer kommt ins Kino

Gabriele Fölsche

Der Kulmbacher Fritz Hornschuch hat die Geschichte der Stadt maßgeblich beeinflusst. Bis heute. In einem Film soll aber auch seine Rolle in der NS-Zeit aufgearbeitet werden.

Kulmbach/Mainleus - Der Kulmbacher Axel Klawuhn hat sich mit seinem Team Großes vorgenommen. Mit einem dokumentarischen Film über Fritz Hornschuch lassen sie den Geheimen Kommerzienrat im Kino wieder auferstehen.

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Die Hornschuchhöhe ist ein wunderbares Anwesen. Eine Allee führt hoch zur Villa, wohin der Geschäftsführer des Filmwerk Bayern Medienproduktion, Axel Klawuhn, am Donnerstagnachmittag zur Pressekonferenz eingeladen hatte. Die Räume der Villa sind noch heute so eingerichtet, als hätte der Kommerzienrat diese eben erst verlassen.

„Eine Location, wie man sie sonst gar nicht oder nur sehr mühsam findet. Und die für Filmproduzenten traumhafte Bedingungen bietet, denn nichts muss gestellt oder mühsam beschafft werden“, sagte Klawuhn in Beisein von Produktionsleiter Wolfgang Krebs, Drehbuch-Coautor Kay-Uwe Rott und Kameramann Florian Reuner sowie einigen Gästen.

Klawuhn will in einem 110-minütigen dokumentarischen Spielfilm vom Leben und Wirken Hornschuchs erzählen. Dabei geht es auch um seine Verbindungen zum Nationalsozialismus, um seine Freundschaft zu Erich Ludendorff und um ein Stück Zeitgeschichte, das 1900 seinen Anfang in Kulmbach nahm.

Erzählt wird die Geschichte Hornschuchs über das Verhör, dass Perry B. Lamson, Major der 71. US-Infanteriedivision, mit dem damals unter Hausarrest stehenden Hornschuch in dessen Villa auf der Hornschuchhöhe geführt hat.

Lamson ist keine Kunstfigur. Als Kommandeur der 11. US-Panzerdivision stand er am 12. April 1945 mit seiner Kampfeinheit oberhalb der Blaich bereit, um die Stadt bei Widerstand seitens der Nazis in Schutt und Asche zu legen.

„Es sind die vielen Sidekicks, teilweise fiktional, teilweise dokumentiert, die diesen Film so spannend machen“, sagt Klawuhn. Der Filmemacher erläutert, dass er sich etwa drei Jahre mit der Vita von Fritz Hornschuch beschäftigt hat. „Es ist eine Person, die mich überzeugt hat.“

Er erzählt von einem außergewöhnlichen Menschen, dessen Wirken in Kulmbach und Mainleus noch heute präsent ist. Schon durch die Industriebauten. Aber auch durch die Schaffung von mehr als 3000 Arbeitsplätzen. Seinen Sinn für die sozialen Belange seiner Mitarbeiter und ihrer Familien.

Hornschuch sorgte für die Entstehung der ersten Selbstbedienungsläden in der Region, der Kindergärten und Wohnhäuser, der Schaffung eines firmeninternen Gesundheitssystems sowie Freizeitangebote, durch den Bau der Gaststätte Spinnstube und eines Freibades in Mainleus.

Klawuhn spricht von einer einflussreichen und mitunter etwas seltsamen Persönlichkeit. „Denn in seiner Villa ließ er sich Abhörstationen einbauen.“ Hornschuch hatte, zumindest für die Zeit des NS-Regimes, häufig flammende Reden im Sinne der NSDAP gehalten, so zur Eröffnung der ursprünglich von ihm in Auftrag gegebenen Jugendbegegnungsstätte, die unter Einfluss der Nationalsozialisten in die Hans-Schemm-Gebietsführerschule umbenannt wurde.

„Diese Reden stehen eigentlich im Widerspruch zum sonst so besonnen wirkenden Unternehmer. Im Film sorgen diese Reden für dramaturgische Wendepunkte im Leben Hornschuchs“, sagt Klawuhn. Hierfür hat das Team von Filmwerk Einsicht in die 488 Seiten umfassenden Spruchkammerakten aus dem Prozess gegen Hornschuch genommen. „Durch das Studieren der Akten liegen uns originale Dialoge zwischen dem damaligen Richter und der Aussage Hornschuchs vor“, erläutert Produktionsleiter Wolfgang Krebs.

Die Dreharbeiten sollen schon Mitte des Jahres beginnen. Drehorte sind Kulmbach, Mainleus, Münchberg, Euskirchen und Prag.

Der Dank Klawuhns galt all denjenigen, die ihn bei seinen Recherchen unterstützten und der Firma Wisser, in deren Besitz die Hornschuchshöhe ist und den Dreharbeiten zustimmten. Bezirkstagspräsident Henry Schramm und der Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch lobten gleichermaßen das Vorhaben der Filmemacher.

Aktuell ist das Team von Filmwerk mit Agenturen namhafter Schauspieler der ersten TV- und Filmgarde in Verhandlung. Für ein bildgewaltiges Motiv in Mainleus, mit bis zu 300 Darstellern, wird das Team zu einem Casting einladen. Auch ist geplant, Szenen in einem Selbstbedienungsladen zu drehen, den Hornschuch bereits 1936 eröffnet hatte.

Um dieses Motiv umzusetzen, sucht das Filmteam eine Location und hofft auf die Unterstützung der Bevölkerung.