Kulturwelten 2022 „Hälmbräckts – you rock!“

Chris Thompson ist mit der Mads Eriksen Band kein Unbekannter in Helmbrechts. Der ehemalige Leadsänger der Manfred Mann’s Earth Band spielte schon mehrmals bei den Kulturwelten und sorgte auch an diesem Wochenende für beste Stimmung mit Hits wie „Blinded by the light“, „Mighty Quinn“ oder „Davy’s on the road again“.

Er kam, sah und siegte. Okay, das klingt jetzt etwas nach Allgemeinplatz und Kalenderspruch – wahr ist’s trotzdem. Denn das muss man sich erst mal trauen: Ein Set, beim dem alle auf die Radio-Hits von Manfred Mann warten, deren Frontmann Chris Thompson bekanntlich in der absoluten Hoch-Zeit der Earthband war, doch frecherweise mit einem Instrumental-Stück zu beginnen: Da kann „Waiter, there’s a Yawn in my Ear“ dreimal aus der Feder von Manfred Mann höchst selbst stammen... Oder aber, man muss bereits erahnen – nein, wissen – was hier gleich losbrechen wird. Chris Thompson und seine exzellente Begleitband mischen schließlich die Kulturwelten nicht zum ersten Mal auf. Thompson lag richtig: Mit Verstummen des letzten Tons brach sich die angestaute Energie des Publikums Bahn – tosender Applaus, ekstatische Pfiffe, Jubelrufe. Ein Tollhaus, von Beginn an.

Da scheint es nicht mal zu stören, dass Thompsons markante Stimme nicht mehr den Umfang und das Volumen früherer Jahre besitzt – was er auch selbst zugibt. „Singt mal bitte den Refrain mit, der ist für mich (mittlerweile) zu hoch.“ Schließlich befindet sich der 74-jährige Thompson nicht ohne Grund auf Abschiedstour.

Doch der dahinter steckende Schmerz wird natürlich bei dem Konzert am Sonntagabend in Helmbrechts verdrängt. Da geht’s einfach nur rund. Zwar ist der ausverkaufte Bürgersaal bestuhlt, die Band macht zwischendurch sogar einen Break, eine für sie unübliche Pause – und dennoch schaukelt sich die Stimmung von Minute zu Minute höher. In der Mitte des zweiten Sets steht dann der komplette Saal – bis zum Schluss. In Helmbrechts gelten halt andere Regeln. Und vielleicht machen diese ja sogar die „Kulturwelten“ so erfolgreich ...

Sei es, wie es sei: Chris Thompson und die ihn seit Jahren begleitende „Mads Eriksen Band“ lassen nichts anbrennen: Der Sound ist – wie immer in Helmbrechts – glasklar. Und das Konzert hat Rockclub-Lautstärke. Der routiniert-professionell agierenden Band ist die Freude über das verrückte Publikum dennoch deutlich anzumerken. Das quittiert Thompson auch zwischenzeitlich mit dem Ruf „Hälmbräckts – you rock!“. Wobei „Hälmbräckts“ natürlich für die oberfränkische Region und sogar darüber hinaus steht. Sind die „Kulturwelten“ doch schon lange auch überregional ein Markenname.

Kein Halten mehr gibt’s bei all den Songs, die Manfred Mann berühmt gemacht hat, obwohl sie sinnigerweise gar nicht aus seiner Feder stammen, sondern von ihm „nur“ arrangiert wurden. Aber ganz klar: Manfred Manns Covers sind besser als die Originale selbst: „For You“ (Bruce Springsteen), „You Angel you“, „Quinn the Eskimo (The mighty Quinn)“, „Father of Day, Father of Night“ (alle von Bob Dylan) und „Blinded by the Light“ (nochmals Bruce Springsteen). Oder auch die omnipräsenten Evergreens „Don’t kill it, Carol“ und „Davy’s on the Road again“ von den eher nur Fans bekannten Songwritern Mike Heron (The Incredible String Band) und John Simon. Als Zugabe gibt’s dann unter anderem Bob Marleys „Redemption Song“, John Farnhams 80er-Jahre-Mega-Hit „You’re the Voice“ , an dem Chris Thompson mitgeschrieben hat, und die ruhige Manfred-Mann-Ballade „Questions“ – ein Stück, das auf Thompsons „Finally“-Tour entweder äußerst selten oder sogar noch gar nicht gespielt wurde! Eine klare Reverenz an das Publikum der „Kulturwelten“.

Apropos Abschiedstour: Der seit Langem gepostete letzte Termin europaweit ist das natürlich längst ausverkaufte nochmalige Thompson-Konzert in Helmbrechts am 20. November. Selbst, wenn Thompson danach noch irgendwas in England planen sollte – eine bessere Werbung für das Team des Textilmuseums Helmbrechts und die von ihm veranstalteten „Kulturwelten“ kann es gar nicht geben. Glücklich, wer Karten besitzt!

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