Wie wird der in Dresden geborene Gerhard Richter genannt: Goethe der Zukunft, Platon der Renaissance, Gandhi der 70er-Jahre oder Picasso des 21. Jahrhunderts? So lautete in Günter Jauchs Ratesendung "Wer wird Millionär?" kürzlich die 32 000-Euro-Frage. Die junge Dame, die es auf den heißen Stuhl geschafft hatte, war ratlos und zog den Publikumsjoker in der Hoffnung, einer der rund 200 Zuschauer im Studio werde es wohl wissen. Enttäuscht wurde sie nicht: Immerhin fünf Frauen und Männer erhoben sich von ihren Plätzen, bereit, die richtige Antwort zu geben. Hätten Sie selber es gewusst? Sicher doch. Gerhard Richter, natürlich, ist Maler; der "Kunstkompass", der alljährlich den weltweit gefragtesten bildenden Künstler ermittelt, setzte ihn seit Beginn des neuen Jahrtausends sieben Mal auf Platz eins und vier Mal "nur" auf Platz zwei. Als er im Februar seinen 80. Geburtstag feierte, wurde er in nahezu allen Medien gewürdigt, die Neue Nationalgalerie in Berlin widmete ihm eine umfangreiche, noch bis zum 13. Mai laufende Retrospektive, die den Titel "Panorama" trägt. Auf ebendiese Ausstellung wies Jauch hin, als die Frage dank Joker-Hilfe richtig beantwortet war, und jetzt kommt der Clou der kleinen Geschichte: Die Kandidatin hatte das Richter-"Panorama" gesehen. Vor dem Museum (dessen Namen sie nicht kannte) war ihr eine so lange Schlange von Menschen aufgefallen, dass ihre Neugier geweckt worden war. Also schaute sie, obwohl sie mit Kunst "gar nichts am Hut" hat, die Ausstellung an. Nachhaltige Eindrücke freilich empfing sie nicht. Rasch war der Name des Künstlers, den Kulturbeflissene mit Picasso, dem Malergenie des vergangenen Jahrhunderts, vergleichen, wieder vergessen. Aber: "Namen sind Schall und Rauch", hat schon - ja wer bloß - gesagt. Schiller? Shakespeare? Lessing? Goethe? Bei Jauch wäre die Antwort womöglich 500 000 Euro wert.
Kunst und Kultur Die 32 000-Euro-Frage
Von Ralf Sziegoleit 04.05.2012 - 00:00 Uhr