In Halle heißt eine Kindertagesstätte nach ihr, in Bad Oeynhausen gibt es eine "Dorothea C. Erxleben Schule" für Physiotherapie, und Patienten im Harz suchen Hilfe beim Klinikum Dorothea Christiane Erxleben Quedlinburg GmbH. Wenn eine Heilstätte sich mit Vorsatz derart umständlich benennt, muss die Namenspatronin eine Persönlichkeit von Ausnahmeformat gewesen sein. Wirklich schreibt die Bildungsgeschichte der Dame mit dem zungenbrecherischen Namen den Rang einer Pionierin zu. Am 13. Juni 1762, vor 250 Jahren also, gab sie in der Stadt, deren Krankenhaus heute nach ihr heißt, den so erleuchteten wie emsigen Geist auf. Vor 25 Jahren erinnerte eine Briefmarke an sie als die erste Frau in deutschen Landen, die im Fach Medizin promoviert wurde - noch dazu mit allerhöchster, nämlich königlicher Unterstützung. Noch mehr freilich verdankte sie ihren 1754 erworbenen Doktortitel nebst ärztlicher Approbation ihrem unbeugbaren Mut. Denn wer zu jener Zeit - 1715 war sie, gleichfalls in Quedlinburg, zur Welt gekommen und später von ihrem weitsichtigen Vater, einem Arzt, unterrichtet worden - als Frau an die Öffentlichkeit trat und womöglich gar im akademischen Betrieb Ehre einlegen wollte, der musste üblen Spott, Verleumdung, harsche Abwehr der Männer erdulden. Frauen hatten daheim dem geschäftigen Gatten den Rücken frei zu halten und alle bürgerliche Geltung zu überlassen; Nachwuchs sollten sie gebären - pflichtschuldig schenkte die kluge Dorothea vier Kindern das Leben - und, wenn es sich nicht ändern ließ, widerspruchslos dabei zu sterben. Den Umstand, "dass das weibliche Geschlecht vom Studieren abgehalten wird", entlarvte die streitbare Intellektuelle bereits als 27-Jährige in einer "gründlichen Untersuchung" als "Verachtung der Gelehrsamkeit" überhaupt. Der Monarch, der sie förderte, war Preußenkönig Friedrich II. Der schätzte zwar keine Frauen, aber einen hellen Kopf.