In seinen größten Rollen hielt es Christopher Lee stets mit der dunklen Seite der Macht: als böser Jedi Count Dooku in zwei "Star Wars"-Episoden, als weißer Zauberer Saruman in der "Herr der Ringe"-Trilogie und schon davor immer wieder: als Dr. Fu Man Chu, als Rasputin, als Luzifer, als Bond-Bösewicht Scaramanga in "Der Mann mit dem goldenen Colt" (1974) ... Sogar in den deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen tauchte er auf - meist als zwielichtige Figur. Seine berühmteste Rolle aber war und ist die des Dracula, den er 1958 zum ersten Mal und bis in die Siebzigerjahre, unter anderem in "Prinz der Dunkelheit", immer wieder spielte. All seinen Rollen verlieh der elegante Mime mit seiner aristokratischen Erscheinung, seinem trockenen Charme, der sonoren Stimme und einem hypnotischen Blick das gewisse Etwas, das gleichermaßen schreckt und fasziniert. Mit einem Gardemaß von 1,96 Meter gab er als junger Mann während des Zweiten Weltkriegs sicher auch in der britischen Luftwaffe und als Nachrichtendienst-Mann eine imposante Erscheinung ab. Der in London geborene Sohn eines englischen Offiziers und einer italienischen Gräfin feiert an diesem Sonntag 90. Geburtstag - und denkt nicht daran, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Er ist, im Gegenteil, auch nach mehr als 270 (!) Film- und Fernsehrollen immer noch absolut präsent im internationalen Kino: 2010 sah man ihn in "Alice im Wunderland" und 2011 in "Hugo Cabret"; aktuell ist er in "Dark Shadow" zu sehen, und 2013 erscheint er noch einmal als Saruman in "Der kleine Hobbit". Auch seine zweite künstlerische Liebe, die Musik, hat der Mann, der einmal - wie seine Großmutter mütterlicherseits - Opernsänger werden wollte, nie ganz aus den Augen verloren. Projekte wie "Peter und der Wolf" oder gar ein Song, den er mit der Heavy-Metal-Band "Rhapsody" aufgenommen hat, zeigen, wie vielseitig interessiert und begabt der Brite ist. Mit der Rolle des weißen Zauberers Saruman, der sich von Sauron auf die dunkle Seite ziehen lässt, aber hat sich für den damals 78-Jährigen Lee ein Traum erfüllt; denn er kannte den Autor J.R.R. Tolkien noch persönlich und liest nach eigenen Angaben das Mammutwerk "Herr der Ringe" mindestens einmal pro Jahr. Ein Traum, übrigens, bleibt Christopher Lee auch noch mit neunzig: Gar zu gerne wäre er einmal Don Quichotte.