In den letzten 20 Jahren seines Lebens war der deutsch-russische Maler Alexej von Jawlensky (1864 bis 1941), der dem Blauen Reiter nahe stand, in Wiesbaden zu Hause. Nach ihm benannte die Stadt darum ihren Kunstpreis, der im März zum vierten Mal vergeben wurde. Die Empfängerin, Rebecca Horn, bestreitet aus diesem Anlass eine noch bis zum 2. September laufende Ausstellung im Museum Wiesbaden. Ein eigens dafür angefertigtes Werk wird sogar auf Dauer am Ort der Schau bleiben. Es trägt den Titel Jupiter im Oktogon und verwandelt den achteckigen (oktogonalen) Eingangsbereich des Museums durch ein verwirrendes, kaleidoskopartiges Vexierspiel von Spiegeln in völlig neue, energetisch aufgeladene Bilder. Die Künstlerin, 1944 geboren, gehört zu den Berühmtheiten der Szene; keine andere aus Deutschland, schrieb kürzlich die Wochenzeitung Die Zeit, sei international so bekannt wie sie. Ab 1972 trat sie mit Performances auf, bei denen sie in choreografischen Ritualen die Identität menschlicher Existenz mit naturhaften und mythologischen Vorgängen demonstrierte. Den eigenen Körper erweiterte sie durch selbst gebaute Requisiten aus kostbar und exotisch wirkenden Materialien (Federfächer, Schmetterlingsflügel, Masken). Außerdem schuf Horn Rauminstallationen, Filme und Zeichnungen. Auf der documenta in Kassel, an der sie vier Mal teilnahm, erregte sie Aufsehen mit einer Pfauenmaschine, die, in einem weißen Tempelchen untergebracht, obsessiv die eitle Geste des Pfaus, der sein werbendes Rad schlägt, wiederholte. Nach Ansicht der Kunsthistorikerin Karin Thomas sind in das Werk der in Berlin und Paris lebenden Künstlerin gleichermaßen Begierde und Schmerz, Erotik und Folter eingeschrieben. Horn selbst sagte in einem Interview, sie erlebe bei der Arbeit ein großes Glücksgefühl. Zu ihrer Wiesbadener Ausstellung ist im Verlag für moderne Kunst Nürnberg ein informativer Katalog mit vielen Abbildungen erschienen (172 Seiten, 28 Euro).
Kunst und Kultur Ein Glücksgefühl
VON RALF SZIEGOLEIT 14.06.2007 - 00:00 Uhr