Er legte sich wegen eines Mädchens mit John Lennon an, wagte es, dem großen Sam Peckinpah in seinen Film reinzureden und lebte in seiner Jugend als Clochard in Paris: Vadim Glowna ein buntes, abwechslungs- und anekdotenreiches Leben zu bescheinigen, ist keine Übertreibung. Heute wird der Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent siebzig Jahre alt. 1941 in Eutin geboren, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen im zerbombten Hamburg auf. Der Vater war Seemann, was den Studenten Glowna dazu animierte, selbst zur See zu fahren: als "Idiot für alles auf einem Fischdampfer", wie er in einem Interview sagte; die Mutter bewirtschaftete einen Blumenladen und überließ den Sohn sich selbst. Der lernte, sich in St. Pauli zwischen Ganoven und Prostituierten zu behaupten und flog von sämtlichen Schulen - sogar noch vor dem Abitur, als er, der Junge vom Kiez, von seinem Schulleiter geohrfeigt wurde und instinktiv zurückschlug. Nach einem halben Jahr in einer Kaufmannslehre ging er nach Frankreich, um Pantomime zu werden; doch er lernte den Theaterregisseur Jean-Louis Barrault kennen, sah ihm bei der Arbeit zu und wollte Schauspieler werden. Gustav Gründgens war es, der den jungen Mann am Hamburger Schauspielhaus aus einer Gruppe Statisten auswählte und ihm eine Rolle gab. Danach arbeitete Glowna mit Peter Zadek, Wilfried Minks und Claus Peymann. Bald galt der Mann mit der enormen physischen Präsenz nicht nur am Theater, sondern auch im Fernsehen und im Kino als herausragende Besetzung. 1977 wirkte er in Sam Peckinpahs "Steiner - Das Eiserne Kreuz" mit; da ihm seine Rolle zu klein schien, schrieb er sie einfach um. Peckinpah hielt den 35-Jährigen zwar für verrückt, übernahm aber die Änderungen. Glownas erster eigener Film "Desperado City" wurde in Cannes mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Trotz seiner Regie- und Autoren- und Produzententätigkeit stand und steht Vadim Glowna immer wieder vor der Kamera; so in jüngster Zeit in Oskar Roehlers "Agnes und seine Brüder" (2004) oder in Chris Kraus' "Vier Minuten" (2006). Vom 17. Oktober an ist er als Kardinal Da Costa in der aufwendigen sechsteiligen Historienserie "Borgia" im ZDF zu sehen.