Durch Vulkanasche und eine Bankenpleite hat Island international Schlagzeilen gemacht. Jetzt findet die Insel, die knapp südlich des nördlichen Polarkreises liegt, als Gastland der morgen beginnenden Frankfurter Buchmesse Beachtung. Literatur in einem Land, in dem gerade mal 320 000 Menschen, weniger als in Großstädten wie Nürnberg oder Dresden, leben? Nun, immerhin hat schon einmal, 1955, ein isländischer Schriftsteller den Nobelpreis erhalten: - Er hieß Halldór Laxness und verfasste viel gelesene Romane. Heute gibt es auf der Insel etwa 70 Autorinnen und Autoren, denen es gelingt, vom Schreiben zu leben. Laut Statistik kauft jeder Einwohner jährlich acht Bücher. Es liegt wohl am kühlen Klima und der ländlichen Prägung Islands, dass Literatur hier einen besonderen Stellenwert hat. Über die Qualität dessen, was die Autoren von der Insel schreiben, können sich deutsche Leser derzeit so umfassend wie noch nie informieren. In diesem Herbst erscheinen, begünstigt durch den Buchmessen-Auftritt, 200 frisch übersetzte Werke aus Island. Einen der Autoren, Kristof Magnusson, der soeben eine "Gebrauchsanweisung" für das "unmögliche Land" vorgelegt hat, stellte Denis Scheck in der jüngsten Ausgabe seiner ARD-Literatursendung "Druckfrisch" vor. Auch der im Frühjahr für seine Entdeckerfreude mit dem Kurt-Wolff-Preis geehrte Transit-Verlag, der in Berlin und Förbau bei Schwarzenbach/Saale ansässig ist, hat Isländisches im Programm. Von der Kritik hoch gelobt wurde I. G. Thorsteinssons Roman "Taxi 79 ab Station", der eine fast unmögliche Liebesgeschichte aus den 50er-Jahren erzählt. Außerdem erschien bei Transit unter dem Titel "Das Glitzern der Heringsschuppe in der Stirnlocke" das Ergebnis einer Reise durch das Island der letzten 100 Jahre. Den Spuren seiner Familie folgend, gelingt dem Autor O. A. Oskarsson ein isländisches Mosaik, das zu einem Lieblingsbuch der einheimischen Leserschaft wurde.
Kunst und Kultur Ein Literaturland
Von Ralf Sziegoleit 11.10.2011 - 00:00 Uhr