Was die Polizei in diesem Monat an neuen Sondermarken ausgibt, bedeutet, so scheint es dem Laien, nichts Großes. Alle Novitäten zusammen tragen einen Nennwert von gerade mal 3,55 Euro, und das teuerste Wertzeichen davon macht schon 1,45 Euro aus. Unangemessen wenig, könnte man meinen, für das Gebäude, das darauf abgebildet ist: ein wahres Schatzhaus. An die Eröffnung der Alten Pinakothek in München am morgigen Sonntag vor 175 Jahren nämlich erinnert die schmucke Marke, an ein Bauwerk mithin, das gleich durch zwei einzigartige Vorzüge Aufmerksamkeit verdiente und verdient. Zum einen gehörte der Komplex zum klassizistischen Architekturprogramm des in Italien und Hellas vernarrten Bayernkönigs Ludwig I. Seine Residenz München, bisher anheimelnd von eher provinziell-kleinbürgerlicher Anmutung, wollte er als das Athen der Isar strahlen sehen. Leo von Klenze, seit 1816 als Architekt in der Metropole ansässig und von 1830 an Leiter der Obersten Baubehörde, hatte 1822 den Auftrag erhalten, ein angemessenes neues Domizil für die gut 8500 Gemälde der Hofgartengalerie zu errichten. 1826 lag der Grundstein; zehn Jahre und ein halbes später stand das 152 Meter lange, so repräsentative wie zweckgerechte Bauwerk fertig da. Und beeindruckte - zum anderen - die Welt: Denn es gab damals keine größere Gemäldegalerie auf Erden. Auf dass (wie es der König wünschte) alle Schichten seines Volkes Zugang zu den ergötzlichen Exponaten fänden, brauchten bis 2004 Besucher sonntags kein Eintrittsgeld zu zahlen. Zur Feier des Jubiläums öffnete am vergangenen Donnerstag eine Schau mit Werken der italienischen Renaissance die Tore: Gewidmet ist sie "Pietro Perugino - Raffaels Meister". Aus Paris und London, New York, St. Petersburg und Rom kamen dreißig Bilder des Künstlers, der 1523 starb, in München an; die erste Perugino-Schau außerhalb Italiens - also eine, die der Exklusivität des Orts entspricht.
Kunst und Kultur Ein Schatzhaus
Von Michael Thumser 15.10.2011 - 00:00 Uhr