ein Spieler, der bei der Ballabgabe mit einem halben Fuß näher zum gegnerischen Tor stand, als der Verteidiger und deshalb "Abseits" gepfiffen wird: Wenn sich die betroffenen Sportkameraden da zwar fluchend, aber doch friedlich in die Entscheidung des Schiedsrichters fügen, kann der froh sein, dass sich die Gewohnheiten im Fußball in den vergangenen 700 Jahren so zivilisiert entwickelt haben. Hätte der Schiri im Jahr 1314 eine Partie zwischen Chelsea und Kensington gepfiffen, hätte er es mit blutenden Spielern und schweren Verletzungen zu tun bekommen. "Ein verabscheuungswürdiger Sport - vulgärer, würdeloser und wertloser als jedes andere Spiel, das nur selten ohne Verlust, Unfall oder Nachteil für die Spieler selbst endet." So zitiert der Historiker Ian Mortimer Kritiker dieses "Handgemenges ohne Waffen" in seinem Buch "Im Mittelalter - Handbuch für Zeitreisende". In diesen Tagen, da sich 32 Teams mit je elf Fußballspielern in Brasilien bereit machen, um die Krone der Fußballwelt zu spielen, kann man es sich gar nicht vorstellen, dass bei den Begegnungen im 14. Jahrhundert manchmal "Dutzende, ja sogar Hunderte an einem Feiertagsspiel zwischen zwei Pfarrsprengeln" teilnahmen; da sollen es schon mal 200 Spieler gewesen sein, die auf Tore zugespielt haben, die wiederum durchaus fünfzig Kilometer auseinander stehen konnten ...
Kunst und Kultur Eintauchen ins Mittelalter - als wär' man ein Teil davon
Redaktion 11.06.2014 - 00:00 Uhr