Mit der Zeit sei er "aus dem Blickfeld geraten", gibt Gunilla Budde zu. Als Vizepräsidentin gehört sie zur Führungsspitze der Oldenburger Universität und weiß, dass der Name Carl von Ossietzkys, des Hochschul-Patrons, keineswegs jedem geläufig ist - und das, obwohl der Journalist zu den wenigen deutschen Trägern des Friedensnobelpreises zählt. Den "während der NS-Diktatur zu bekommen, war eine ganz besondere Auszeichnung und verweist auf den unglaublichen Mut dieses Menschen", sagt Gunilla Budde in einem Interview mit der Nordwest-Zeitung und bekräftigt darum, wie richtig es war, "dass unsere Universität für diesen Namen gekämpft hat". Schon mit 22, ab 1911, schrieb Ossietzky für pazifistische Zeitschriften. 1919 ernannte ihn die Deutsche Friedensgesellschaft zu ihrem Sekretär. Der (später so genannten) Deutschen Liga für Menschenrechte trat er 1921 bei. Sechs Jahre später übernahm er die Chefredaktion der radikal demokratischen Weltbühne. Weil er auf ihren Seiten enthüllte, dass die Reichswehr insgeheim aufrüste - eine eklatante Missachtung des Versailler Friedensvertrags, der den Ersten Weltkrieg beendet hatte -, verurteilte ihn ein Gericht 1931 wegen Geheimnisverrats zu achtzehn Monaten Haft. Nachdem die Deutschen die Staatsmacht den Nationalsozialisten überlassen hatten, kam er im Februar 1933 neuerlich hinter Gitter und nahm, indem er sich weigerte, seinen ketzerischen Meinungen abzuschwören, sogar das Konzentrationslager in Kauf. Die Nobel-Jury in Norwegen würdigte die erbitterte Ausdauer des Publizisten in seinem Kampf gegen Vaterlandswahn und Kriegstreiberei. 1936 aus dem KZ Esterwegen entlassen, starb der tapfere Dissident am morgigen Samstag vor 75 Jahren an Tuberkulose, einer Spätfolge der Lagerqual. In der Bibliothek der Carl-von-Ossietzky-Universität halten ihn eine Dauerausstellung und vor dem Hörsaalzentrum ein Denkmal im Blickfeld. In Oldenburg kommt buchstäblich kein Student an ihm vorbei.