Von Sigi Hirsch erhalte ich immer mal wieder freundliche Nachricht. Der Mann, jetzt 63 Jahre alt und in Bamberg sowie in Helmbrechts-Eppenreuth lebend, ist staatlich geprüfter Betriebswirt, war Verlags- und Werbeleiter, Antiquar und Buchhändler und hat darüber hinaus, nach eigener Auskunft, den „Jerry Cotton“-Autor Heinz Werner Höber gemanagt. Neuerdings ist er als Maler, Dichter und Kabarettist aktiv, und kürzlich hat er ein Buch veröffentlicht, das unter der Überschrift „Slamschlachtereien“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorgestellt wurde: „Die Klischees laufen Amok, der Sprachwitz sticht zu.“ Tatsächlich geht es in dem Büchlein ums Hauen und Stechen, präsentiert es doch, auf 70 Seiten, „kriminelle Gedichte und Geschichten“, denen der Autor im Titel das Bekenntnis voranstellt: „Ich hab so Sehnsucht nach Gewalt“. Dass er dies ernst meint, ist freilich kaum anzunehmen. Ein WDR-Video (3:16 Minuten), zu dem man auf der Google-Suche nach Sigi Hirsch geleitet wird, weist ihn als älteren Herrn von heiterster Gemütsart aus. Die Aufzeichnung war Bestandteil einer Poetry-Slam-Sendung, die im vergangenen Jahr vom Westdeutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde und lebhaftes Zuschauer-Echo auslöste. Für Hirsch reichte es von „Sigi, du bist super“ bis zu „Reim dich oder ich schlag dich“, und einer kommentierte: „Schön, dass nicht nur die jungen Hüpfer mitmachen.“ Die nämlich haben die moderne Form des Dichterwettstreits erfunden und bleiben meist auch unter sich, wenn die Sieger gekürt werden. Sigi Hirsch allerdings hat schon einmal den ersten Preis errungen: Beim Münchner Krimifestival im Jahr 2004 gewann er mit surrealistischen Nonsens-Mord-Geschichten den Krimi-Slam. Jene Texte kann man nun in seinem Büchlein nachlesen. Zitat: „Zwei spitze Schreie / und ein: Jetzt gib du endlich Ruhe! / Sie war sowieso an der Reihe. / Jetzt liegt sie in der Truhe.“ (Buchverlag Hellmund, 8,90 Euro, ISBN 978-3-939103-12-7).