Hof/Kulmbach/Coburg - "Flöhe eines erhitzten Geistes" sah Heinrich Heine wild durch die literarischen Labyrinthe des Jean Paul hüpfen. Vernichtend geriet ihm auch das Urteil über die Romanfiguren seines fabulierwütigen Kollegen: "Alle diese Gestalten schleppen eine närrisch lange Nabelschnur mit sich herum und verwickeln und würgen sich damit". Mancher, der sich im Sog des Jean-Paul-Jahres 2013 redlich, aber erfolglos bemühte, Zugang zum skurrilen und sprachmächtigen Werk des notorischen Abschweifers zu finden, mag Trost bei Heines Generalverriss finden. Der schrullige Spätromantiker aus dem Fichtelgebirge, der einige Zeit in Joditz, Schwarzenbach an der Saale, Coburg und Bayreuth lebte, schrieb und trank, er polarisiert die Szene nach wie vor, womöglich mehr denn je. Sein Werk zeugt Schmäher und Verehrer.
Kunst und Kultur Neues über einen schrägen Typen
Von Dieter Ungelenk 23.03.2016 - 00:00 Uhr