Länderspiegel Kulmbach/Wunsiedel: Corona-Zahlen schnellen in die Höhe

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt in Langenhagen für einen Cotrona-Test einen Abstrich von einer Frau. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

In Kulmbach explodieren die Infektions-Zahlen. Übers Wochenende kletterten die Fälle auf 33. Die Realschule schickt weitere zwei Klassen in Quarantäne, und auch die katholische Kirche ist betroffen.

Kulmbach/Wunsiedel/Hof/Lichtenfels – Mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 43,1 hat der Landkreis Kulmbach binnen weniger Tage die erste Warnstufe von 35 deutlich überschritten und steht jetzt kurz davor, dass es amtliche Verfügungen zu Kontakteinschränkungen geben wird, sollte der kritische Wert von 50 erreicht werden. 33 Fälle gab es nach Angaben des Kulmbacher Landratsamts am Montagabend. Mit 36 Fällen wäre die Grenze überschritten. Dabei stehen nach Angaben des Gesundheitsamts noch rund 200 Testergebnisse von Kontaktpersonen aus.


Besonders betroffen ist die Kulmbacher Realschule. Sie musste, nachdem bereits am Freitag eine achte Klasse in Quarantäne geschickt wurde, nun auch zwei zehnte Klassen nach Hause schicken, nachdem drei positive Fälle bekannt geworden waren. Allein aus der Realschule befinden sich nach Angaben von Schulleiterin Monika Hild 91 Schüler und 14 Lehrer in Quarantäne. Insgesamt sind binnen weniger Tage in Kulmbach mehr als 400 Menschen in häusliche Isolation geschickt worden.


Betroffen ist auch die katholische Kirche in der Stadt Kulmbach. Nach einer Pfarrgemeinderatssitzung war ein Mitglied positiv getestet worden. Mehrere Pfarrer und Kirchenmitarbeiter müssen deswegen jetzt zu Hause bleiben. Die Pfarrgemeinderätin singt auch im Kirchenchor. Dort wurden weitere zwei Fälle entdeckt.
In Kulmbach rechnen die Verantwortlichen inzwischen damit, dass die kritische Grenze von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern schon bald geknackt wird. Dann werde aus den am Montag veröffentlichten „dringenden Empfehlungen“, Kontakte einzuschränken, eine für alle Bürger verpflichtende Allgemeinverfügung, kündigten die Behörden an.


Auch im Fichtelgebirge sind die Fallzahlen in die Höhe geschnellt: Im Landkreis Wunsiedel sind seit Sonntag 15 weitere Corona-Infizierte registriert worden. Eine Klasse der Selber Realschule musste in Quarantäne geschickt werden. Im Kreis Wunsiedel liegt damit die Sieben-Tage-Inzidenz bei 24,6. Für den Landkreis Tirschenreuth meldete das dortige Landratsamt am Montag sieben neue Fälle. Ein positiver Fall wurde aus dem städtischen Kinderhaus St. Sebastian in Waldershof gemeldet, die Vorschulkinder aus der „Hummelgruppe“ müssen bis 23. September in häuslicher Quarantäne bleiben.


Im Landkreis Lichtenfels hat das Gesundheitsamt Quarantäne für 148 Schüler (Q11 und Q12) und elf Lehrer des Gymnasiums Burgkunstadt und für 29 Schüler und sechs Lehrer der Realschule Burgkunstadt verfügt. Zuvor waren drei Schülerinnen und Schüler, die an einer Geburtstagsfeier teilgenommen hatten, positiv auf das Coronavirus getestet worden. In Stadt und Landkreis Bamberg sind Schüler des Clavius-Gymnasiums in Bamberg und der Realschule Ebrach in Quarantäne.


Nachdem am Samstag bekannt wurde, dass sich eine Erstklässlerin der Gutenbergschule in Rehau mit Corona angesteckt hat, warten ihre 17 Mitschüler noch auf die Testergebnisse. Das teilte die Pressestelle des Landratsamts Hof am Montag mit. Aufgrund der Vielzahl an Corona-Tests und der damit verbundenen Arbeit in den Laboren könne es zwei Tage dauern, bis die Ergebnisse vorliegen. Das Landratsamt erwartet die Testergebnisse der Erstklässler und der anderweitigen Personen demnach am Dienstag.


In ganz Bayern hat sich die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Schüler übers Wochenende mehr als verdoppelt. Das Kultusministerium in München sprach am Montag von 135 infizierten Kindern und Jugendlichen. „Es wird in diesem Schuljahr leider ein Stück weit Normalität sein, dass Klassen oder Lehrkräfte von den Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt werden“, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Dem Ministerium zufolge sind im Freistaat momentan rund 2490 Schüler sowie knapp 400 Lehrer in Quarantäne. Noch bis Ende der Woche laufen freiwillige Reihentests für Lehrer. Rund 60 Prozent wollen dem Kultusministerium zufolge teilnehmen. Nach den Herbstferien sollen die Tests wiederholt werden.


Unterdessen forderte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach dem heftigen Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen Konsequenzen für die mutmaßliche Verursacherin. „Garmisch-Partenkirchen ist ein Musterfall für Unvernunft“, sagte Söder am Montag nach einer Kabinettssitzung in München.

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