Länderspiegel Neuer Streit um Impfungen gegen Corona

Im Dezember soll der erste Corona-Impfstoff zugelassen werden. Der Städtetag will, dass genügend Personal bereitgestellt wird. Foto: Carsten Rehder/dpa

Während die Landkreise der Region generalstabsmäßig die Einrichtung von Impfzentren vorbereiten, flammt eine Debatte wieder auf: Wer soll als Erstes geimpft werden? Bis es aber so weit ist, könnten noch Monate vergehen.

Hof/Coburg/Bayreuth/München - Die Landkreise der Region haben ihre Vorarbeit geleistet und festgelegt, wo ihre Corona-Impfzentren untergebracht werden sollen - ehemalige Schülerheime, Lagerhallen oder Sportstätten wie in Bamberg die Brose-Arena sollen dafür verwendet werden. In den meisten oberfränkischen Landkreisen sind die Standorte fix. In Bayreuth wird das Landratsamt an diesem Mittwoch über seine Pläne informieren. In Wunsiedel soll die Entscheidung ebenfalls in dieser Woche fallen.

Impfzentren in der Region

Folgende Impfzentren sind in der Region vorgesehen:

Bamberg, Stadt und Landkreis: Brose-Arena in Bamberg

Bayreuth: wird am Mittwoch bekannt gegeben

Coburg, Stadt und Landkreis: Freizeitzentrum Witzmannsberg

Forchheim: ehemaliges Don-Bosco-Wohnheim

Hof, Stadt und Landkreis: ehemaliges Gebäude von MAN Robert Tröger in Hof

Kulmbach: Fritz-Einkaufszentrum

Kronach: ehemaliges Loewe-Areal in der Industriestraße

Lichtenfels: Landkreiseigenes Gebäude in der Gabelsberger Straße

Wunsiedel: Entscheidung fällt demnächst

Haßberge: Rot-Kreuz-Haus in Hofheim

Auch bayernweit laufen die Vorbereitungen: Mit Rechenmodellen und viel Logistikarbeit rüstet sich der Freistaat für die große Impfaktion gegen das Coronavirus. "Sobald ein Impfstoff zugelassen ist, wollen wir so schnell wie möglich mit dem Impfen beginnen", betonte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Wie lange es allerdings dauern werde, alle Impfwilligen zu impfen, sei derzeit nicht seriös abschätzbar.

Für die geplanten Impfzentren in allen bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten geht das Gesundheitsministerium davon aus, dass zwei jeweils fünfköpfige Teams binnen vier Stunden 100 Menschen impfen können. "Pro solchem Team ist ein Arzt notwendig", sagte Huml der Deutschen Presse-Agentur. Die übrigen Teammitglieder seien medizinisches Fachpersonal sowie Verwaltungskräfte.

Für die mobilen Impfteams, die direkt zu Risikogruppen etwa in Pflegeheimen fahren sollen, sind mindestens jeweils ein Arzt oder eine Ärztin, eine Verwaltungskraft und eine medizinische Assistenz vorgesehen. "Pro Impfzentrum gibt es mindestens ein mobiles Impfteam", erläuterte Huml. Sie gehe aber davon aus, dass letztlich noch weitere mobile Teams zum Einsatz kommen. "Die genauen Planungen laufen noch."

Inzwischen haben sich rund 2500 Vertragsärztinnen und -ärzte bereit erklärt, sich an den Impfungen zu beteiligen. Weitere werden gesucht - doch die Tendenz ist steigend. Vor knapp drei Wochen waren es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns noch 1850.

In Bayern gibt es 96 Landkreise und kreisfreie Städte, die gehalten sind, bis Mitte Dezember jeweils ein Impfzentrum einzurichten. "Zu berücksichtigen sind unter anderem eine verkehrsgünstige Lage, das Vorhandensein ausreichender Parkmöglichkeiten, ein barrierefreier Zugang sowie ausreichend Lagermöglichkeiten für Impfmaterialien", erläuterte Huml. Gerade auch um das Lagern der Impfstoffe kümmern sich die Logistiker mit Vorrang, muss doch einer der Kandidaten mit minus 70 Grad extrem gekühlt werden. Der Freistaat hat daher schon Dutzende spezieller Tiefkühlschränke bestellt - und 13 Millionen Spritzen und 58 Millionen Kanülen geordert.

Unterdessen ist am Wochenende die Diskussion über die Reihenfolge der Impfung neu aufgeflammt: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz pocht darauf, dass Ältere und Vorerkrankte in die "vorrangig zu priorisierende" Personengruppe gehören sollen. Vorsitzender Eugen Brysch zeigte sich über Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) irritiert, wonach die geplante Reihenfolge geändert würde und das medizinische Personal den ersten Zugriff hätte. Geht es nach dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Limburger Bischof Georg Bätzing, dann müssten auch die Seelsorger frühzeitig geimpft werden. Kommentar Seite 4

 
 

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