Länderspiegel Realschule schickt 8. Klasse in Quarantäne

Seit Freitag befindet sich eine der achten Klassen der Kulmbacher Carl-von-Linde-Realschule in Quarantäne. Auch zwei Lehrkräfte müssen in den kommenden Tagen zu Hause bleiben, nachdem bei einem Schüler eine Corona-Infektion festgestellt worden war. Foto: Gabriele Fölsche Quelle: Unbekannt

Das Schuljahr ist noch nicht einmal eine Woche alt, da sind bereits an zwei Schulen in Kulmbach Klassen durch Corona-Fälle betroffen. Die Behörden mahnen zur Vorsicht.

Kulmbach - Anfang dieser Woche war der Landkreis noch die einzige Region in Bayern, die sieben Tage lang keine Neuinfektion mehr zu verzeichnen hatte. "Das war ein schönes Gefühl", kommentiert Landrat Klaus Peter Söllner. Von langer Dauer sei es aber nicht gewesen. "Der Schulbeginn und die Reiserückkehrer haben fast zwingend die Situation verändert", informierte der Landrat am Freitagnachmittag. Der Grund für die kurzfrisitg einberufene Pressekonferenz im Landratsamt: Gerade drei Schultage waren im neuen Schuljahr absolviert, da mussten an zwei Kulmbacher Schulen bereits wegen Corona Klassen nach Hause geschickt werden. Reihentests sollen nun klären, ob weitere Schüler oder Lehrer betroffen sind.

Nach einer 13. Klasse der FOS/BOS, wo (wie ausführlich berichtet) eine Lehrerin positiv auf Covid 19 getestet worden war, hat es am Donnerstag eine der 8. Klassen der Kulmbacher Carl-von-Linde-Realschule erwischt. Dort war ein Schüler positiv getestet worden. Weil engere Kontakte unter den Klassenkameraden nicht ausgeschlossen werden können, befinden sich jetzt seit Donnerstagabend 27 Schülerinnen und Schüler der betroffenen Klasse und auch zwei Lehrer der Realschule in Quarantäne. Alle betroffenen Schüler und Lehrer wurden bereits am Freitag erstmals auf Corona getestet. In der kommenden Woche sollen dann bei allen nochmals Abstriche genommen werden, informierte der Leiter der Kulmbacher Koordinationsgruppe Corona am Landratsamt, Oliver Hempfling.

Dass im Fall der 13. Klasse anders gehandelt wurde als im Fall der 8. Klasse erklären die Behörden damit, dass es sich bei dem positiven Fall an der FOS/BOS um eine Lehrerin handelt. Die habe naturgemäß keinen so engen Kontakt mit den Schülern, dass eine offizielle Quarantäne für alle nötig würde. Weil Ängste unter den Schülern bestehen habe er es der Klasse aber freigestellt, bis zum Vorliegen ihrer endgültigen Testergebnisse zu Hause zu bleiben, informierte der Leiter des Beruflichen Schulzentrums, Alexander Battistella.

Anders gestalte sich der Fall an der Realschule. Klassenkameraden untereinander haben, wie Oliver Hempfling sagt, engere Kontakte untereinander. Deswegen sei die offizielle Quarantäne-Anordnung unerlässlich gewesen. Wenn es um Corona-Fälle an Schulen geht, seien besonders strenge Vorgaben einzuhalten. Alle Betroffenen seien umgehend noch am Donnerstag informiert und auf die Quarantäne hingewiesen worden. Bereits am Freitagmorgen seien alle betroffenen Schüler abgestrichen worden. Das gleiche habe man auch in der FOS/BOS veranlasst, "damit uns keine Infektion durch die Lappen geht."

Hempfling betont: "Ein gutes Hygienekonzept ist Gold wert, vor allem wenn es gelebt wird und nicht nur auf dem Papier besteht." Das habe den Behörden bei dem Fall in der FOS/BOS sehr geholfen, auf eine Quarantäne für alle verzichten zu können. An die gesamte Bevölkerung richtete Hempfling erneut den Appell, sich an die Hygiene-Regeln zu halten und damit dazu beizutragen, das Infektionsgeschehen im Landkreis im Griff zu behalten.

Am Gesundheitsamt in Kulmbach wurde am Donnerstag nach Bekanntwerden der Infektion des Realschülers bin in die Nacht gearbeitet, um möglichst schnell alle Kontaktpersonen ausfindig zu machen, berichtet Amtsärztin Dr. Camelia Fiedler. Dabei gehe es auch darum, eine Einschätzung zu bekommen, ob die Kontaktpersonen in die Kategorie I eingeordnet und damit in Quarantäne geschickt werden müssen. In diese Kategorie fallen alle, die mit einem Infizierten länger als 15 Minuten ungeschützt und möglicherweise auch mit geringem Abstand zusammen waren. Alle Haushaltsangehörigen eines positiv Getesteten müssen generell zu Hause bleiben.

Etliche Anrufe besorgter Eltern seien bei der Schule eingegangen, als von die Infektion des Achtklässlers bekanntgeworden ist, informierte Realschulleiterin Monika Hild. Im Gespräch habe man aber alle beruhigen können. Bei allem Unglück positiv sei es gewesen, dass der betroffene Schüler lediglich am Dienstag im Unterricht gewesen ist und die klasse auch keine weiteren Kontakte zu anderen Schülern hatte.

Generell habe die Realschule Maßnahmen ergriffen, um die Kontakte zwischen Schülern unterschiedlicher Klassen so gering wie möglich zu halten, sagte Monika Hild. So seien beispielsweise für den Unterricht nur noch Doppelstunden geplant worden, um weniger Wechsel zu haben. Am Vormittag gebe es statt zwei nur noch eine Pause an der Realschule. Dabei verteilen sich die Schüler mit einem ihnen fest zugewiesenen Areal auf dem gesamten Schulgelände. Zur Pause und von dort wieder zurück ins Klassenzimmer werden laut der Schulleiterin die Schüler von Lehrern begleitet. Das gelte auch für den Weg vom Schulbus zur Schule und wieder zurück. Während der Pausen werden die Schüler, um das Hygienekonzept zu sichern, dauerhaft von Lehrkräften beaufsichtigt.

Dank sagte Landrat Klaus Peter Söllner den Kulmbacher Lehrerinnen und Lehrern. Sie haben sich freiwillig "in ungewöhnlich hoher Zahl testen lassen". Das sei nicht selbstverständlich und zeuge von hohem Verantwortungsbewusstsein. Allein an den angebotenen Reihentestungen haben sich laut Landratsamt 332 Lehrer, die im Landkreis tätig sind, beteiligt. Dazu kommen diejenigen, die ihre Tests bei ihren Hausärzten gemacht haben. "Nahezu alle Lehrer bei uns im Landkreis haben sich damit vor Schulbeginn einem Test unterzogen", erklärte Hempfling.

Neun aktuelle Fälle, 120 Personen in Quarantäne

Die Zahl der Corona-Fälle im Landkreis Kulmbach steigt weiter an. Mit Stand Freitag, 13 Uhr, meldet das Kulmbacher Landratsamt neun aktive Fälle. 120 Menschen insgesamt sind derzeit in Quarantäne. Die Gesamtfallzahl der bislang im Landkreis festgestellten Infektionen steigt damit auf 266, informierte Oliver Hempfling vom Landratsamt. Bei den fünf neuen Fällen, die allein Donnerstag bekannt geworden waren, handle es sich zum Teil um Kontaktpersonen, deren Tests positiv ausgefallen waren. Zum Teil seien aber auch "Zufallsfunde" darunter, nachdem sich Personen freiwillig testen ließen. "Die Bereiche, aus denen die positiven Fälle stammen, sind sehr vielschichtig", berichtete Oliver Hempfling. Die 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis Kulmbach liegt, Stand Freitagnachmittag, bei 11,1.

Abstrichstelle schränkt Hotline wieder ein

Das Testzentrum, das der Landkreis Anfang September in der Flessastraße 1 eingerichtet hat, muss seine Hotline für eine Terminvereinbarung erneut einschränken. "Wir erleben gerade einen riesigen Testbedarf", informierte Oliver Hempfling vom Landratsamt. An manchen Tagen gehen Anrufe im hohen dreistelligen Bereich bei den Mitarbeitern ein. Deswegen müsse der Landkreis nun reagieren. Terminvereinbarungen für einen kostenlosen Corona-Test unter der Telefonnummer 09221/707-655 sind ab sofort nur noch montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und freitags von 8 bis 11 Uhr möglich. Seit der Öffnung vor zwei Wochen wurden in dem Kulmbacher Testzentrum bis Donnerstag 476 Abstriche vorgenommen. Allein am Freitag sind weitere 100 dazugekommen.

Turnhallen für Vereine nur bedingt verfügbar

Mit der Nutzung der Schulturnhallen im Landkreis Kulmbach wird es in diesem Winter anders laufen als gewohnt. Vorerst, sagt Kathrin Limmer vom Landratsamt, brauchen die Schulen ihre Hallen für Lehrerkonferenzen oder auch Elternabende noch weitgehend selbst. Zu einem späteren Zeitpunkt werde es aber möglich sein, dass Vereine die Hallen nutzen, allerdings nur eingeschränkt. Duschen bleiben definitiv geschlossen, auch die Umkleiden werden größtenteils nicht zur Verfügung stehen, und es werde auch nicht möglich sein, dass beispielsweise in der Dreifachturnhalle in Weiher drei Vereine gleichzeitig trainieren können. Der Landkreis habe die Vereine angeschrieben, um sich wegen der Nutzungsmöglichkeiten abzustimmen.

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