Landesliga-Derby Nur der Torinstinkt fehlt Röslau noch

Der FC Vorwärts schlägt Münchberg in einem einseitigen Landesliga-Derby 2:1. Die Gäste haben nur einen lichten Moment, die Hausherren dagegen vergeben­ viele Chancen.

Röslau - Die wichtigste Mitteilung vorweg, für alle, die beim Verlassen des Röslauer Sportgeländes schockartig aus ihrer inneren Ruhe gerissen wurden: das Vereinsheim auf der „Hut“ steht noch! Man musste schon Schlimmes befürchten angesichts erdbebenartiger Erschütterungen und undefinierbarem lautstarken Gegröle, das nur mit viel Wohlwollen als Gesang bezeichnet werden darf und dessen Ursprung eindeutig der Röslauer Mannschaftskabine zuzuordnen war. Der ungefährdete Sieg im Landesliga-Nachbarduell zur Frühschoppenzeit wirkte offenbar befreiend für die blau-weiße Seele. Berechtigte Hoffnungen auf mehr als nur eine sorgenfreie Saison könnten sich konkretisieren, wenn sich der üppige Chancenwucher auch demnächst mal im Ergebnis niederschlägt.

2:1, das klingt nach einem engen und knappen Verlauf. Der war es aber beileibe nicht. „Wir haben den Gegner viel zu lange im Spiel gehalten und hätten frühzeitig für klare Verhältnisse sorgen müssen“, ärgerte sich Trainer Andreas Lang angesichts einer unterirdischen Chancenverwertung. Ansonsten fiel es ihm schwer, belastendes Material für die nächste Teamsitzung zu suchen. Glücklich sei er und „stolz auf meine Mannschaft“, die sowohl spielerisch wie auch kämpferisch all das umgesetzt habe, „was gefordert wurde“ – und das trotz des Mankos einer komplett ausgefallenen Innenverteidigung.

Für seinen Münchberger Trainerkollegen dürfte sich allenfalls die erste halbe Stunde halbwegs erträglich angefühlt haben. Doch nach der Röslauer Führung schienen den Jungs von Markus Bächer die Felle davonzuschwimmen. Ein satter Ball des sträflich vernachlässigten Ponader von der Strafraumgrenze im Anschluss an eine Ecke hatte sich hinter dem verdutzten Möschwitzer ins Netz gesenkt. Das Führungstor entpuppte sich in der anfangs eher faden, langweiligen und mit Fehlpässen durchsetzen Partie als Tür- und Toröffner. Die Hausherren agierten nun giftig und bissig, attackierten alle Münchberger Aufbauversuche früh und leidenschaftlich, erspielten sich über die bärenstarken Julian Ponader und Mustafa Onarici Chance auf Chance. Ob der sehenswerte Slalomtanz von Julian Ponader, der die gesamte Eintracht-Abwehr schwindlig spielte und aus spitzem Winkel erst an Möschwitzer scheiterte, oder der auf links frei durchgebrochene Hofweller, dessen Schlenzer etwas zu wenig Effet hatte – es fehlte eigentlich nur das i-Tüpfelchen. Für die weitgehend mut- und chancenlosen Münchberger sah es wahrlich schlimm aus, da Röslau im Zentrum mit Kaan Gezer, Benker und Brunner immer einen Mann mehr zu haben schien.

„Wir wollten Nadelstiche setzen, aber das ist uns überhaupt nicht gelungen“, bedauerte Bächer, sprach von viel zu vielen individuellen Fehlern, die Röslau in die Karten spielten. Eigentlich schien zu dem Zeitpunkt alles hoffnungslos. Doch irgendwo kommt bekanntlich oft ein Lichtlein her. Just mitten in die Drangperiode seines FC Vorwärts hinein fabrizierte Kapitän Benker einen folgenschweren Fehlpass. Auf einmal ging alles ganz schnell: Strößner schickte Thorsten Lang auf die Reise, der trocken und humorlos zum Ausgleich vollstreckte. Dieser schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel oder wie es Eintracht-Trainer Bächer formulierte, „aus dem Nichts“. Hier ließen die Münchberger aufblitzen, wozu sie eigentlich in der Lage wären. Eine Zugabe, wie sie sich Bächer gerne gewünscht hätte blieb aus. „Wir hatten uns zur Pause so viel vorgenommen, konnten aber nichts davon umsetzen.“ Es spielte nur noch Röslau, und das kombinationssicher und weiter „voll drauf“, wie es der Trainer vor der Partie angekündigt hatte. Allerdings mit dem Makel von wenig Effektivität. Da aber Münchberg weiter wenig Geistreiches auf den Rasen brachte und mehr oder minder in der eigenen Hälfte verharrte, gelang den Hausherren doch noch das längst überfällige und alle Fesseln lösende 2:1 durch Kaan Gezer. „Wir haben drum gebettelt“, sah Markus Bächer das Unheil längst nahen.

Ein Münchberger Aufbäumen oder gar Chancen? Fehlanzeige. Den Gästecoach wurmte weniger die Niederlage, sondern viel mehr „die Art und Weise“ des Zustandekommens. „Jetzt kommt Vach, und der Druck auf uns wird langsam enorm“, befürchtet er. Vorrangig sei es jetzt, den Abwärtstrend zu stoppen und die Jungs wieder aufzurichten. Deutlich gelassener kann da Andreas Lang die nächsten Wochen angehen, der besonders seine neuformierte Defensivreihe lobte. Der Puffer auf Platz fünf beträgt nun fünf Punkte, und selbst bis zur Spitze ist es nicht mehr allzu weit...

FC Vorwärts Röslau: Blechschmidt, B. Gezer, Knoblauch, Benker, Lima, Hofweller (65. Kubinec), Kurdoglu, Brunner, Ponader (81. Grießhammer), Onarici, K. Gezer.

FC Eintracht Münchberg: Möschwitzer, Richter, Schuberth, Ott, Strößner, Köhler, T. Lang, F. Lang (75. Stumpf), Frank (86. Schrepfer), Rietsch, Keilwerth.

Schiedsrichter: Voll (Kleukheim). – Zuschauer: 330. – Tore: 28. Min. Ponader 1:0, 38. Min. T. Lang 1:1, 67. Min. K. Gezer 2:1.

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