Landkreis Kulmbach Impfzentrum erweitert seine Kapazitäten

Jetzt ist wieder Anstehen angesagt vor dem Impfzentrum. Wegen der steigenden Nachfrage wurde das Zentrum des Landkreises jetzt nochmals erweitert. Foto: /Gabriele Fölsche

Wochenlang gab es vor dem Impfzentrum keinerlei Warteschlangen. Das hat sich jetzt auch in Kulmbach geändert. Im Zentrum wurde deswegen jetzt die Kapazität erweitert.

Kulmbach - Lange Schlangen, wie man sie vor Impfzentren in anderen Regionen erlebt, gibt es derzeit in Kulmbach nicht. Aber die Impfzahlen steigen auch im Kulmbacher Land derzeit deutlich an, freut sich der Leiter des Impfzentrums, Marcel Hocquel. Um der vermehrten Nachfrage gerecht werden zu können, wurde am vergangenen Wochenende das erst im September verkleinerte Impfzentrum im Kulmbacher Einkaufszentrum „Fritz“ schon wieder umgebaut. Mit mehr Impfkabinen und auch mit mehr ärztlichem Personal will die Behörde „Staus“ vermeiden. Bis zu 250 Impfungen pro Tag seien nun im Impfzentrum wieder möglich, informiert Hocquel. Diese Erweiterung der Kapazität sei auch nötig gewesen. In den vergangenen Tagen hatten jeweils zwischen 150 und 200 Menschen das Impfzentrum aufgesucht.

Es habe in den vergangenen Tagen mit steigender Nachfrage nach dem Corona-Schutz auch Staus und Wartezeiten gegeben, erklärt der Impfzentrumsleiter. Deswegen habe man sich spontan zu einem Umbau des Zentrums entschlossen, das gegenüber dem Edeka-Markt im Einkaufszentrum angesiedelt ist. „Ich denke, jetzt sind wir entsprechend der Nachfrage wieder gerüstet“, sagt Hocquel. Sehr viele Kulmbacher Bürger fragen nach Boosterimpfungen. „Aber auch die Zahl der Erstimpfungen zieht wieder spürbar an.“ Wer nicht einfach auf gut Glück kommen und Wartezeiten in Kauf nehmen möchte, könne sich auch einen Termin geben lassen. Etwa eine Woche vorher sollte er vereinbart werden. „Aber selbstverständlich geht das auch weiterhin ohne Termin. Wer einfach kommt, kriegt bei uns seine Impfung ebenfalls.“ Ein wenig Zeit sollte man allerdings in diesem Fall mitbringen.

Sechs Impfkabinen sind jetzt in den beiden ehemaligen Ladengeschäften verfügbar. Das Personal wurde wiederaufgestockt. Und weil es im Impfzentrum wieder mehr Frequenz gibt, wurde die bauliche Veränderung so getroffen, dass der Betrieb im „Einbahnverkehr“ funktioniert, um bessere Abläufe, aber auch mehr Sicherheit gewährleisten zu können.

Oliver Hempfling ist als Leiter des Krisenstabs am Kulmbacher Landratsamt nun wieder täglich in dieser Eigenschaft gefragt, seit in Bayern wegen der Pandemie erneut der Katastrophenfall ausgerufen worden ist. Das Impfzentrum hat er trotzdem weiter fest im Blick. Als der steigende Andrang sich abzeichnete, habe man noch am Wochenende reagiert. „Aus vier Kabinen, die wir bisher hatten, haben wir jetzt sechs gemacht und auch die Anordnung geändert. Auf der Fläche ist jetzt ein Gang geschaffen worden. Der soll Platz für Wartende bieten, damit es nicht auf der Einkaufsmall zu Warteschlangen kommt. „Wir haben den Platz ausgeschöpft und damit die Kapazitäten erweitert.“

Treibt die Angst vor einem möglichen Lockdown für Ungeimpfte die Menschen nun doch wieder verstärkt in die Impfzentren? „Das weiß ich nicht“, sagt Hempfling, räumt aber durchaus ein, dass die drohenden Verschärfungen der Regeln in Bayern eine Motivation für bisherige Impfzauderer sein könnte. „Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass die Leute sehen, die Fallzahlen gehen weiter nach oben. Es vergeht ja inzwischen kein Tag mehr, an dem ich nicht morgens als erstes in den Nachrichten von einem erneuten Rekordwert höre.“

Die Frage, ob man sich impfen lässt, sollte aber nicht über mögliche Freiheiten oder Vorzüge entschieden werden, sagt Hempfling. „Die jetzige Situation führt uns vor Augen, dass die Impfung zuvorderst vor einem schweren Verlauf schützt. Sie schützt mich in der Regel davor, im Fall einer Covid-Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen. Wenn es uns gelingt, dass das die Leute sehen, die noch zweifeln, aber geimpft werden könnten, hätten wir einen großen Schritt gemacht.“ Man sehe, dass die meisten Geimpften im Fall einer Corona-Infektion meist milde bis gar nicht spürbare Verläufe haben. „Das ist doch das Ziel, um das es geht: Unsere Kliniken vor Überlastungen zu schützen.“ Hempfling wird nachdenklich, als er sagt: „Wer hätte gedacht, dass Deutschland mal in die Situation kommen könnte, Covid-Patienten nach Italien ausfliegen müssen? Inzwischen ist das so.“ Dass es so weit kommen musste, stimme ihn nachdenklich, betont der Leiter des Krisenstabs.

Deswegen dürfe die Impfung auch kein Lockmittel für mögliche Lockerungen sein. Natürlich sei jeder Einzelne, der sich jetzt impfen lässt, ein Gewinn. „Das nutzt ihm und der Allgemeinheit. Aber wir müssen sehen und begreifen, dass die Impfung der Weg aus der Pandemie ist und wir mit genügend Geimpften die Gefahr der Überlastung unseres Gesundheitssystems nicht mehr haben.“

Ins Impfzentrum könne auch jeder kommen, der sich erst einmal aufklären lassen möchte, der Fragen hat, macht Oliver Hempfling deutlich. „Auch die Informationsmöglichkeit haben wir mit dem erneuten umbau unseres Impfzentrums erweitert. Man kann sich darüber letztlich nur mit einem Arzt austauschen, nicht über soziale Medien und sonstige Kanäle. Wer sich ernsthaft mit dem Thema befassen will, sollte zu einem Arzt gehen und mit ihm darüber reden. Auch diese Möglichkeit bieten wir mit unserem Impfzentrum.“

Die aktuellen Zahlen zu den Impfquoten im Kulmbacher Land: 70,85 Prozent der Landkreisbürger sind inzwischen einmal geimpft. Ihre Zweitimpfung haben jetzt 67,13 Prozent der Bürgerinnen und Bürger hinter sich. Während diese Zahlen zwar steigen, aber doch recht langsam vorankommen, sieht es bei den Booster-Impfungen anders aus. Stand Montagmittag haben schon 3287 Menschen aus dem Kreis ihre dritte Spritze erhalten.

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