Landkreis Kulmbach Leichte Entspannung über Ostern

Auch wenn die Inzidenzwerte derzeit sinken, ist an eine Aufhebung des Maskengebots in der Innenstadt derzeit nicht zu denken. Foto: /Gabriele Fölsche

Die Inzidenz m Kulmbacher Land sinkt auf knapp 260. Das ist aber immer noch weit über dem bayerischen und dem deutschen Durchschnitt.

Kulmbach - Das Ausbruchsgeschehen im Landkreis Kulmbach ist und bleibt hoch, aber leider auch diffus, sagen Landrat Klaus Peter Söllner und die Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamts, Dr. Camelia Fiedler. „Leider ist es so, dass wir nicht auf bestimmte Räume oder bestimmte Personengruppen losgehen können, wie das zum Beispiel auf der Baustelle in Mainleus gewesen ist“, erklärt Landrat Söllner. Auch in den Gemeinden des Landkreises sei das Geschehen ungleich verteilt. „Kulmbach ist und bleibt der Schwerpunkt. Darüber hinaus haben wir im südlichen Landkreis leicht höhere Werte als im nördlichen.“ Über Ostern ist dennoch mindestens vorübergehend eine leichte Entspannung eingetreten. Die Inzidenz ist auf 259,90 gesunken, berichtet das Landratsamt.

Dr. Camelia Fiedler macht deutlich: „Wir haben keine Hotspots. Das Virus ist im ganzen Landkreis verbreitet, aber nicht in Form von größeren Ausbrüchen.“ Einige kleinere Ausbruchsgeschehen seien in den Tagen vor Ostern in Kitas und Horte im Landkreis Kulmbach entdeckt worden. 14 positive Fälle seien in neun Einrichtungen bestätigt worden. 164 Menschen mussten deshalb in Quarantäne geschickt werden.

„Die Positiven bringen das Virus in ihre Familie. Das ist das Verteilungsmuster, das wir zurzeit sehr häufig erleben. Im Bereich der Einrichtungen und auch der Betriebe greifen die Hygienekonzepte sehr gut. Wir merken, dass diese Konzepte zunehmend in Betrieben gelebt werden. Genau deswegen kommt es nicht zur Entwicklung von Hotspots.“ In den Familien komme es derzeit vermehrt zu Fällen, weil dort einfach die normale Nähe eines Haushalts dazu führe, dass sich mehr Personen anstecken. „Zurzeit erleben wir, dass sich, wenn ein Familienmitglied positiv ist, in der Regel alle Haushaltsmitglieder anstecken“, sagt Dr. Fiedler.

Grund für diese deutlich höhere Ansteckungsquote ist laut Dr. Fiedler die britische Mutante des Coronavirus. Sie dominiere inzwischen im Landkreis Kulmbach mit rund 90 Prozent das Infektionsgeschehen. Die Gefahr, die von dem Virus mit dem Fachbegriff „B.1.1.7“ ausgeht, sei deutlich höher. Deswegen werde in diesen Fällen auch das Vorgehen im Bereich der Kontaktnachverfolgung und des Kontaktpersonen-Managements gemäß den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) strikter gehandhabt.

Die RKI-Richtlinien wurden mittlerweile verschärft. Es genügt ein zehnminütiger Kontakt im Nahbereich oder ein Gespräch – unabhängig von dessen Dauer - mit einem Infizierten, um als enge Kontaktperson zu gelten. Dies kann nur dann vermieden werden, wenn sowohl der Positivfall, als auch die Kontaktperson durchgehend und korrekt einen Mund-Nasen-Schutz oder eine FFP2-Maske getragen haben. Bei einem gemeinsamen Aufenthalt in einem Raum von mindestens zehn Minuten verhindert allerdings auch die Maske nicht die Einstufung als Kontaktperson.

Camelia Fiedler hofft daher auf einen schnellen Ausbau der Impfquote. „Bis zur Zulassung und Auslieferung der Impfstoffe, gab es in der Pandemiebewältigung nur die Instrumente des Abstands, der Hygiene, der Masken und des Lüftens. Mit der Impfung kommt nun ein sehr wichtiges Instrument hinzu.“

Landrat Klaus Peter Söllner sieht mit Sorge, wie die Ansteckungen sich weiterverbreiten. Inzwischen, sagt er, gebe schon längst nicht mehr ein Infizierter das Virus an einen anderen weiter. Die Reproduktionszahl liege jetzt bei mindestens drei, wenn es um die britische Variante geht. „Das war bei der Urvariante des Coronavirus noch ganz anders. Wir haben eine exponentielle Ausbreitung. “

Immer wieder geht auch im Gesundheitsamt Kritik ein. Vor allem dann, wenn Menschen in Quarantäne müssen, wird mittlerweile oft mit Unverständnis reagiert. „Die Kontaktpersonen werden aber nicht durch das Gesundheitsamt produziert. Sie werden durch uns nur ermittelt“, betont Dr. Fiedler.

Pandemie-Eindämmung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagt der Leiter des Krisenstabs am Kulmbacher Landratsamt, Oliver Hempfling. „Nur aufs Gesundheitsamt zu verweisen, genügt nicht. Erst wenn sich alle aktiv daran beteiligen, Corona zu besiegen, Hygienevorschriften beachten, aber auch die Quarantänevorgaben befolgen und die Kontakte minimieren, werden unsere Infektionszahlen wieder sinken“, macht Hempfling deutlich.

Am Ostermontag meldete das Landratsamt 16 weitere Coronafälle. 366 Menschen gelten im Kreis derzeit als infiziert. 186 Fälle wurden in den vergangenen sieben Tagen entdeckt. Daraus errechnet sich die Inzidenz. Am Klinikum Kulmbach werden derzeit 28 Corona-Patienten behandelt. Neun Menschen sind auf intensivmedizinische Betreuung angewiesen, heißt es in der Mitteilung der Behörden. red

 

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