Über kurz oder lang werden die Winzer wohl nicht daran vorbeikommen, wärmeliebendere Reben wie den Chardonnay oder Burgunder-Sorten zu pflanzen, sagt Heßdörfer. "Das muss natürlich dann auch marktangepasst vonstattengehen."
Hitzewellen, Dürrephasen – was macht das mit dem Wein?
"Je nach Lage befinden sich teils Junganlagen und nachgepflanzte Reben trotz Bewässerung in kritischem Zustand", berichtet Verbandssprecher Zehnder. Ältere Reben wurzelten tiefer und kämen mit Dürre daher besser zurecht.
Die warme und trockene Witterung habe auch positive Seiten, erzählt Heßdörfer, der sich mit nachhaltigem Weinbau, Bewässerungsmanagement und Anpassungsstrategien an den Klimawandel befasst. Seinen Angaben nach sind Pilzerkrankungen in vielen Beständen bislang gering. Die Trauben sind deshalb häufig gesund.
Die Beeren seien zwar klein, aber hätten im Verhältnis zum Saft einen höheren Anteil an Schale. Das könne zu einer höheren Konzentration von Aromen und anderen Inhaltsstoffen beitragen.
Liegen so viele Flächen brach, weil die Zukunft so unsicher ist?
Jein. "Wir haben in den letzten Jahren über 30 Prozent mehr an Produktionskosten", sagt Heßdörfer – der Weinpreis sei aber nahezu konstant geblieben. Daher stießen einige Winzer ihre unproduktiven Flächen ab. Mit der Konsequenz: viele hellbraune Areale zwischen saftig-grünen Reben - eine touristisch attraktive Landschaft sieht anders aus.
"Das ist auch das große Problem, denn wir verdienen mit dem Weintourismus rund das 15-Fache wie mit dem Weinverkauf", berichtet Heßdörfer. "Und da gilt es natürlich jetzt aufzupassen, dass wir einen strukturierten, marktangepassten Rückzug des Weinbaus haben, nicht Wildwest."
Derzeit sind laut Verband 5.924 Hektar im Ertrag, 176 Hektar weniger als 2025. "Insbesondere Steillagen, die mit vielen Stunden Handarbeit bewirtschaftet werden, sind für Weinbaubetriebe oftmals nicht mehr wirtschaftlich und werden gegen Flächen, die mit vermehrtem Maschineneinsatz bewirtschaftet werden können, eingetauscht", erläutert Zehnder.
Neue Ideen müssen her – wie könnten die aussehen?
An der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim bei Würzburg machen sich seit Jahren Experten Gedanken darüber, was auf den brachliegenden Flächen angebaut werden könnte. Eine Idee: Oliven- und Mandelbäume. Heßdörfer: "Es gibt frosttolerantere Oliven-Sorten." Bis der ein oder andere Winzer allerdings Bäume statt Reben pflanzen wird, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Denkbar sei auch, in Australien wachsende Silvaner-Reben, die trockenheits- und hitzeresistenter seien, nach Franken zu holen.