Die Abwärme des Rechenzentrums soll in das Fernwärmenetz des regionalen Energieversorgers Süll eingespeist werden, mit dem sich der Campus quasi einen Gartenzaun teilen wird. So gelangt die Abwärme an die Fernwärmekunden in Lübbenau und Umgebung.
Alles in der Cloud
Die Schwarz-Gruppe verfolgt mit seinen Rechenzentren eine ähnliche Strategie wie der weltweit größte Online-Händler Amazon. Mitte der 2000er-Jahre begann Amazon damit, eigene IT-Infrastruktur auch extern als Service anzubieten. Heute sind die Amazon Web Services (AWS) weltweit führend im Bereich Cloud-Infrastruktur - noch vor Microsoft Azure und Google Cloud.
Cloud bedeutet, dass Speicherplatz, Datenbanken und verschiedenste Rechenleistungen aus vernetzten Rechenzentren über das Internet angeboten werden. Cloud-Anwender müssen sich dabei nicht selbst um die Wartung der Hard- und Software kümmern.
"Ich versuche, den Menschen klarzumachen, dass sie gar nicht merken, wie viel sie schon in der Cloud arbeiten", sagt Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits. "Wenn sie mit künstlicher Intelligenz arbeiten und damit ein Gedicht schreiben, dann kommt das aus dem Rechenzentrum – mit einem KI-Algorithmus, der dort ausgeführt wird."
Erst "Hoppla", dann handeln
Rechenzentren auf deutschen Böden seien wichtig für die Unabhängigkeit: "Bei uns in Deutschland gehören die Daten nach der freiheitlichen Grundordnung dem Menschen, beziehungsweise dem Unternehmen", sagte Schumann. In China sei es so, dass der Staat entscheidet, was mit Daten passiert, in den USA die Tech Companies.
"Dann hat man gemerkt: Hoppla, wir haben ein unterschiedliches Verständnis, wie man mit Daten anderer umgeht", führte der Co-CEO aus. "Durch die geopolitischen Verschiebungen in den letzten Jahren ist das nochmal sehr offensichtlich geworden, dass wir uns als Staat in Abhängigkeiten von digitalen Dienstleistungen nicht mehr souverän aufstellen."
Der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen zufolge ist Deutschland der führende Rechenzentrumsstandort in Europa, bleibt aber deutlich hinter USA und China zurück. Die zentrale Lage in Europa, die Nähe zum Internetknoten in Frankfurt am Main und die stabilen Netze mit geringer Ausfallgefahr machten Deutschland attraktiv. Ein Minus sind laut der Allianz die hohen Stromkosten und die langen Genehmigungsverfahren.
Wer das Datacenter nutzt
Als Muttergesellschaft von Kaufland und Lidl ist die Schwarz-Gruppe selbst ein großer IT-Anwender. Die beiden Supermarktketten haben in den vergangenen Jahren ihr Filialnetz stetig ausgebaut. Insgesamt betreiben sie nun rund 14.200 Geschäfte in 32 Ländern. Die Gruppe beschäftigt inzwischen etwa 595.000 Mitarbeiter.
Die Speicher und Rechenleistung sollen auch externen Kunden angeboten werden. Die Kunden sind laut Schumann größtenteils deutsche Unternehmen aus dem Mittelstand, aber auch Softwareunternehmen wie zum Beispiel ServiceNow oder SAP.
Mehr Arbeitsplätze "drumherum"
Von dem Großprojekt erhofft sich die Stadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz neben der Nutzung der industriellen Abwärme auch Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Dabei werden im Datacenter mehr Computer als Menschen arbeiten: "Im Rechenzentrum konkret entstehen wenige Hundert Arbeitsplätze", sagte Schumann. "Aber drumherum werden weitere Arbeitsplätze entstehen, weil solche digitalen Initiativen ein neues Geschäft generieren."