Schuberts verschlungene Wege zum späten Sieg
Nicht immer verläuft der Weg nach Klagenfurt geradlinig. Helga Schubert wurde 1980 zum Wettbewerb eingeladen. Doch sie erhielt keine Ausreisegenehmigung aus der DDR. Denn der damalige Bachmann-Juryvorsitzende Marcel Reich-Ranicki war aus Sicht der herrschenden SED als berüchtigter Antikommunist, wie Schubert schildert. Außerdem galt ihre Einstellung gegenüber der DDR als feindlich. "Durch die Einladung war ich ermutigt", erinnert sie sich. Die Ablehnung der Reise habe sie aber nicht enttäuscht, sondern nur ihre Meinung über diesen Staat bestärkt, so Schubert.
Danach wurde Schubert ab 1987 einige Jahre lang als Jurymitglied nach Klagenfurt eingeladen. Dafür durfte sie ausreisen – unter anderem, weil Reich-Ranicki nicht mehr Teil der Jury war. Im Jahr 2020 erhielt Schubert schließlich erneut eine Einladung, um als Autorin am Wettbewerb teilzunehmen. Zunächst hatte sie Sorge, sich dort als 80-Jährige lächerlich zu machen, doch dann sagte sie zu. Der Mut zahlte sich aus: Für ihren autobiografischen Text "Vom Aufstehen" erhielt Schubert den Bachmann-Preis. Dieses Jahr hält sie in Klagenfurt die Eröffnungsrede.