Corona-Pandemie Bayern verzichtet auf 2G plus in Gastronomie

dpa , aktualisiert am 11.01.2022 - 14:51 Uhr
Hubert Aiwanger (l-r, Freie Wähler), Wirtschaftsminister in Bayern, Florian Herrmann (CSU), Leiter der Staatskanzlei in Bayern, und Klaus Holetschek (CSU), Gesundheitsminister in Bayern, geben an diesem Dienstag eine Pressekonferenz nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts. Foto: picture alliance/dpa | Tobias Hase

Bayern verzichtet anders als fast alle anderen Bundesländer auf schärfere Corona-Regeln für Gaststätten. Im Freistaat bleibt es dabei, dass Geimpfte und Genesene ohne zusätzlichen Test beziehungsweise ohne Auffrischungsimpfung in Restaurants gehen dürfen. Es gilt also weiterhin die 2G-Regel und nicht 2G plus, wie Bund und Länder vergangenen Freitag mehrheitlich vereinbart hatten.

München - Die bayerische Corona-Verordnung - dort ist für Gaststätten 2G vorgeschrieben - werde ohne besondere inhaltliche Änderungen verlängert, teile Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München mit. Jedenfalls „Stand heute“ bleibe man in der Gastronomie bei der 2G-Regel.

Bayern weicht hier neben Sachsen-Anhalt als einziges Bundesland von der Bund-Länder-Linie ab. Dafür bleiben - anders als in anderen Ländern - in Bayern Kneipen, Bars und Discos weiter ganz geschlossen.

Booster-Impfung gilt für 2G plus künftig sofort
Für Menschen mit Corona-Auffrischungsimpfung entfällt die zusätzliche Testpflicht in 2G-plus-Bereichen künftig unmittelbar nach der Booster-Impfung und nicht erst nach zwei Wochen. Auch das hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. Zudem gibt es eine entsprechende Erleichterung für Menschen mit vollständiger Grundimmunisierung, die anschließend eine Corona-Infektion überstanden haben, also für Menschen mit einem sogenannten Impfdurchbruch. Auch für diese entfällt in 2G-plus-Bereichen (etwa Theatern, Kinos) die Pflicht zur Vorlage eines zusätzlichen Tests.

Wann gilt man genau als vollständig geimpft oder genesen? >>>

Bayern hält 2-G-Nachweisbefreiung für Schüler aufrecht
Schülerinnen und Schüler im Alter von über 14 Jahren, die in der Schule regelmäßig auf eine Corona-Infektion getestet werden, bleiben in Bayern auch weiter von der Nachweispflicht bei 2G-Regelungen befreit. Dies ist ein weiterer Beschluss der bayerischen Staatsregierung vom Dienstag.

Die Ausnahme gelte in Hotels und in der Gastronomie, aber auch bei sportlichen, musikalischen oder schauspielerischen Betätigungen, sagte Florian Herrmann am Dienstag weiter in München. Schülerinnen und Schüler im Alter von unter 14 Jahren sind ohnehin von der Nachweispflicht befreit.

Kabinett beschließt Verkürzung von Corona-Quarantäne und -Isolation
Bayern setzt die von Bund und Ländern vereinbarte Verkürzung von Corona-Quarantäne und -Isolation um: Künftig beträgt die Dauer der Isolation für Infizierte und der Quarantäne für enge Kontaktpersonen in der Regel zehn Tage. Bereits nach sieben Tagen ist eine Freitestung mit einem negativen PCR- oder Antigen-Schnelltest möglich - wobei man nach einer Infektion zusätzlich mindestens 48 Stunden symptomfrei sein muss. Die verkürzten Fristen treten noch am Dienstag in Kraft, wie Staatskanzleichef Herrmann weiter sagte.

Für Beschäftigte etwa in Kliniken und Altenheimen ist zur Beendigung von Quarantäne und Isolation ein PCR-Test verpflichtend, oder es müssen fünf Tage lang täglich negative Schnelltests vorgelegt werden. Schülerinnen und Schüler sowie Kita- und Kindergarten-Kinder, die als Kontaktpersonen in Quarantäne müssen, können sich künftig bereits nach fünf Tagen freitesten, per PCR- oder Antigen-Schnelltest.

Die Regeln für Kontaktpersonen, die eine Auffrischungsimpfung haben, frisch doppelt geimpft sind, geimpft und genesen oder frisch genesen sind, werden geändert, sobald der Bund dafür nötige Rechtsänderungen umgesetzt hat. Herrmann nannte dafür voraussichtlich Freitag oder Samstag. Diese müssen dann gar nicht mehr in Quarantäne. Bisher galt für Kontaktpersonen einer mit der Omikron-Variante infizierten Person eine Quarantäne von 14 Tagen, ohne die Chance zum Freitesten.

Omikron sorgt für Trendwende bei Corona-Infektionen
Die hoch ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus setzt sich auch in Bayern immer mehr durch. „Omikron wächst. Derzeit erleben wir eine Trendwende nicht zum Guten“, sagte Florian Herrmann nach der Sitzung des Kabinetts weiter. Es sei eine „stärkere Dynamik des Infektionsgeschehens“ erkennbar. Die Entwicklung im Freistaat sei damit ähnlich der in ganz Deutschland.

Bis Ende des Jahres 2021 sei eine sinkende Inzidenz in Bayern erkennbar gewesen, nunmehr gebe es einen stark ansteigenden Trend, betonte er. Stand diesen Dienstag liege sie landesweit bei 339,5 - in drei Landkreisen in Bayern liege sie sogar schon über 500 (Stadt Würzburg, Landkreis Starnberg und die Stadt München). Auch die Zahl der Todesfälle nehme wieder zu, von Montag auf Dienstag seien es in Bayern 65 gewesen.

„Omikron setzt sich durch als Variante“, sagte Herrmann. Landesweit seien etwa 43 Prozent der nachgewiesenen Infektionen Omikron-Verdachtsfälle oder bestätigte Omikron-Fälle. In manchen Laboren sei der Anteil schon höher. Herrmann betonte, dass erfreulicherweise die Entwicklung in den Krankenhäusern noch sinkend sei. Der Rückgang gebe eine „gewisse Entlastung an der entscheidenden Front“. Es sei aber keine Entwarnung, da die Zahlen noch immer sehr hoch seien.

Herrmann appellierte an alle noch Ungeimpften, sich schnell den Pieks verabreichen zu lassen. 41,6 Prozent in Bayern seien aktuell geboostert, 72,3 hätten eine Erstimpfung und 70,7 eine Zweitimpfung erhalten. „Die Impflücke ist nach wie vor zu groß“, sagte er. Mit Blick auf die anrollende Omikron-Welle bereite dies weiterhin „große Sorge“.

Freistaat will Maßnahmenkatalog stärker auf Omikron ausrichten
Bayern will seine Corona-Schutzmaßnahmen in naher Zukunft stärker den Notwendigkeiten der hoch ansteckenden Omikron-Variante anpassen. Das kündigte Florian Herrmann am Dienstag an. Beispielsweise solle überlegt werden, ob ein regionaler Voll-Lockdown bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 1000 bei der neuen Variante noch zeitgemäß sei.„Passt die Delta-Logik auch auf Omikron? Das ist die Kernfrage, die sich stellt“, sagte Herrmann. Auf die Omikron-Variante gehen derzeit nach Herrmann Angaben mehr als 40 Prozent der Neuinfektionen in Bayern zurück - Tendenz deutlich steigend.

Die Staatsregierung habe dazu bereits Überlegungen angestellt, die nun wissenschaftlich unterlegt werden sollen und in der nächsten Ministerratssitzung kommende Woche beschlossen werden könnten. Es gebe bei der Omikron-Variante Hinweise auf eine sehr hohe Infektiösität, andererseits aber auch auf geringe Symptome bei Vollgeimpften und eine niedrigere Hospitalisierung. „Man muss diese beiden Dinge übereinanderlegen, um dann zu entscheiden: Was die die richtige Antwort bei Omikron? Es kann nicht dieselbe sei wie bei Delta.“

Eine mögliche Antwort sei, dass in der Gastronomie von der bisherigen 2-G-Regelung auf 2 G plus zu wechseln - also nur noch Geboosterte oder damit Gleichgestellte einzulassen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz über 1000 geht. Ein erhöhter Schwellenwert für einen kompletten Landkreis-Lockdown sei ebenfalls denkbar - bisher liegt dieser Schwellenwert bei 1000.

Gedanken müsse man sich auch weiterhin über den Umgang mit dem Bereich der Jugendarbeit machen und mit Kunst und Kultur. Hier werde es in den nächsten Tage Gespräche mit den zuständigen Fachministern geben. Beispielsweise solle die Kapazitäts-Grenze von 25 Prozent in Kinos und bei anderen Kulturveranstaltungen diskutiert werden.

Wie steht es um den Fasching?

Wegen der unsicheren Lage durch die Omikron-Variante kann sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) derzeit keine Faschingsveranstaltungen vorstellen. Er würde „momentan keine größere Summe darauf verwetten“, dass die Feiern stattfinden, „sondern eher das Gegenteil“, sagte er. Aktuell werde niemand eine Faschingsparty abhalten „können und wollen und dürfen“. Er sehe dabei aber auch die große Betroffenheit der Vereine und Verbände und die Gefahr, dass die Geselligkeit weiter verloren gehe, sagte Aiwanger. Niemand könne heute sagen, wie die Lage im Februar sein werde. Gegebenenfalls wäre es eine Lösung, den Sommer für solche geselligen Veranstaltungen - auch Volksfeste - zu nutzen, wenn die Situation deutlich entspanne.

Sehen Sie hier noch einmal die Pressekonferenz mit dem Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Staatsminister Florian Herrmann, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Gesundheitsminister Klaus Holetschek:

 

Bilder