Lockdown Den Gastwirten reicht’s

Mit einem gedeckten Tisch vor ihrer Kulmbacher Gaststätte „Zum Seelöwen“ beteiligten sich am Montag Foto:  

Bundesweit haben gestern Gastronomie und Hotellerie still für Lockerungen protestiert. Auch die Kulmbacher Wirtsleute Edeltraud und Werner Glaser waren dabei.

Kulmbach - Ein kleiner gedeckter Tisch vor der Gaststätte, ein Strauß Tulpen darauf, und im Hintergrund Fähnchen an einer Leine, die auf die Situation der Gastronomen und Hoteliers während des Lockdowns aufmerksam machen. Dieses Bild bot sich gestern zwischen 10 und 14 Uhr den Passanten vor dem „Seelöwen“ im Kulmbacher Grünwehr.

Gäste dürfen Edeltraud und Werner Glaser seit vier Monaten nicht mehr bewirten. Also haben sie es sich selbst für ein paar Stunden vor ihrem Wirtshaus gemütlich gemacht. Gemütlich ist freilich übertrieben, nicht nur wegen der nicht ganz frühlingshaften Temperaturen, sondern auch deshalb, weil die beiden sich an dem stillen Protest beteiligten, zu dem Hotellerie und Gastronomie mit Blick auf die nächsten Bund-Länder-Gespräche am Mittwoch aufgerufen hatten.

Bundesweit sollten in möglichst vielen Städten und Gemeinden gedeckte Tische und gemachte Betten auf der Straße stehen, um auf die immer prekärer werdende Lage der Gastronomie aufmerksam zu machen. In Kulmbach waren es die Glasers, deren Aktion auch Landrat Klaus Peter Söllner, Kulmbachs zweiten Bürgermeister Frank Wilzok und den Kreisvorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes, Stephan Ertl, auf den Plan rief.

„Wir brauchen endlich eine klare Ansage, damit wir planen können. Hochfahren geht schnell, aber was ist wenn wir wieder von einem Tag auf den anderen schließen müssen. Sollen wir dann alles in die Tonne werfen?“ Edeltraud Glaser findet deutliche Worte. Und ihr Mann Werner fügt hinzu: „Wenn das noch lange dauert, weiß man gar nicht mehr, ob man es noch schafft.“

Die beiden wollen endlich wieder loslegen. Die Vorhänge sind gewaschen, die Gaststätte ist bereit für Gäste. Aber die Öffnungsperspektive fehlt. Schließlich können die beiden ja nicht so ohne Weiteres ganze Angusrinder oder Strohschweine bestellen, für deren Fleisch und die Gerichte daraus die Familie Glaser weithin bekannt ist. Die Stammkunden und die Stammtische wollen die Glasers schon gar nicht mehr in Urlaub fahren lassen, weil jedes Mal, wenn die Wirte aus dem Urlaub zurückkamen, der Lockdown verhängt wurde. Werner Glaser hatte sich schon im Flugzeug darauf gefreut, endlich wieder Bestellungen aufgeben zu können. Aber es sollte nicht sein.

Die fehlende Perspektive beklagt auch Stephan Ertl, der Kulmbacher Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Das Gastgewerbe darf nicht länger eine Sonderopferolle aufgebürdet bekommen. Maßstäbe, die für andere Branchen gelten, müssen auch für das Gastgewerbe gelten“, sagt er. Wirte und Hoteliers hätten im Sommer bewiesen, dass ihre Hygienekonzepte funktionieren, die so in anderen Branchen gar nicht möglich seien.

Ertl hofft, dass die Lage der Gastronomie Thema sein wird bei der Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin. Bei der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz sei das nicht der Fall gewesen.

Landrat Klaus Peter Söllner gibt auf Anfrage unumwunden zu, dass er die Gaststätten am liebsten morgen öffnen lassen würde, zumal der Landkreis Kulmbach zur Gastronomie eine ganz besondere Beziehung habe. Er verweist aber auch auf die nach wie vor schwierige Corona-Situation in der Region. Ohne anderen eine Schuld zuweisen zu wollen, sagte der Landrat. „In der Gastronomie im Landkreis sind keine Hotspots entstanden.“

Das bekräftigte Kulmbachs zweiter Bürgermeister Frank Wilzok, der sich für Lockerungen, was die Gastronomie angeht, aussprach. So manche Regelung könne er nicht nachvollziehen. Wenn Baumärkte wieder öffnen dürften, sollte das auch für die Gastronomie und den Einzelhandel gelten. „Hauptpunkt ist in Pandemiezeiten die Vernunft jedes Einzelnen. Wer sich ohne Abstand in eine Schlange vor einem Baumarkt oder einer Eisdiele einreiht, der ist nicht vernünftig.“

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