Luisenburg-Festspiele „Es ist nicht alles Hotzenplotz“

red
Shakespeares „Sturm“ war in diesem Jahr auf der Luisenburg zu sehen, Foto: Florian Miedl

Philipp Riedel, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Luisenburg, versteht die Kritik am Programm nicht. Er meint: „Mehr Klassiker als Goethe und Shakespeare geht nicht.“

Die Diskussion um die Ausrichtung der Luisenburg-Festspiele geht weiter. Nach der durchaus heftigen Kritik des Altlandrats und Wunsiedler Ehrenbürgers Peter Seißer und der Verteidigung der künstlerischen Leiterin Birgit Simmler (wir berichteten darüber in dieser Woche in zwei großen Artikeln) greift nun Philipp Riedel, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel, dieses Thema auf. Eingangs stellt er fest, dass sich natürlich über Geschmack streiten lasse. So schreibt er in einer Stellungnahme: „ Und ja: Jede Intendantin, jeder Intendant und jede künstlerische Leitung bringt eine eigene Handschrift ins Theater. Das ist gut und auch richtig so - zwangsläufig wird es immer Reibung über Auswahl und Interpretation von Stücken geben.“

Kritik an Musicals nicht angebracht

Kritik über das Genre Musical sei aber unangebracht. So waren, wie Riedel betont, für „Sister Act“ in dieser Spielzeit kaum noch Karten zu bekommen. Das Stück sei sei so gut gelaufen, dass „Sister Act“ nächstes Jahr wieder aufgenommen wird. Weiter schreibt der Vorsitzende: „Der ,Faust’ in der vergangenen Saison und heuer Shakespeares ,Sturm’ waren zwei hervorragend inszenierte Bühnenstücke. Mehr Klassiker als Goethe und Shakespeare geht nicht.“

Luisenburg sollte ein Muss sein

Auch auf die Kritik an der Auswahl der Familienstücke und deren Inszenierungen geht Philipp Riedel ein. Er meint, in Zeiten von Klimawandel sei ein Familienstück zu inszenieren, das sich mit dieser Thematik beschäftigt. „Warum nicht, im Gegenteil: Theater spiegelt ja auch Gesellschaft – und bildet. Es ist eben nicht alles Hotzenplotz. Und gerade hiesige Schulen sollten sich „immer“(!) auf den Weg machen, die Stücke der Luisenburg zu besuchen – unabhängig von der persönlichen Meinung einer Lehrkraft.

Diskussionen über Stücke auf der Felsenbühne dürfen natürlich sein. Riedel warnt aber davor, die Themen zu vermischen. So habe die Pandemie in allen deutschen Theater- und Kulturhäusern gewütet und in den letzten Jahren zu großen Veränderungen geführt. Es sei seiner Meinung nach unfair, sinkende Besucherzahlen mit inhaltlicher Kritik zu vermengen.

Falscher Zeitpunkt

Über einen Punkt ärgert sich Philipp Riedel allerdings am meisten: Es ist der Zeitpunkt der Kritik an den Luisenburg-Programmen. Dazu schreibt er in seiner Stellungnahme: „Diese Themenstellung genau jetzt zu platzieren, nicht etwa kurz nach der letzten Spielzeit als Reflexion, sondern in der Woche vor Vorverkaufsstart für 2023 ist in höchstem Maße unfair, unangebracht, ja vielleicht sogar schädlich.“ Sein Schreiben schließt er mit einem Satz, den die allermeisten Wunsiedler und Menschen im Landkreis wohl uneingeschränkt teilen: „Ich wünsche unserer Luisenburg für die nächste Saison viel Erfolg.“

 

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