Luisenburg Im Kuss-Modus in die neue Saison

Das Musical „Sister Act“ ist ein Highlight der kommenden Luisenburg-Saison. Die Hauptrolle spielt Zodwa Selele (Mitte). Foto: /Florian Miedl

Die Luisenburg-Festspiele stehen in den nächsten Monaten vor gewaltigen Herausforderungen. Dennoch ist künstlerische Leiterin Birgit Simmler ziemlich optimistisch.

Wunsiedel - Deutschland scheint im Dauer-Corona-Modus – Ende unabsehbar. Immer neue Wellen legen das öffentliche Leben weitgehend lahm. Mit voller Härte trifft dies Birgit Simmler. Das Lachen ist ihr dennoch nicht vergangen. Die künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele ist zumindest im Gespräch mit unserer Zeitung guter Dinge für die kommende Saison. „Ich habe so richtig Lust auf Theater“, sagt sie. Immerhin dürften sich die Fans auf eine Spielzeit unter dem Motto „fremde Welten“ freuen. „Nach so langer Zeit auf dem heimischen Sofa ist es an der Zeit, endlich wieder Neues, Lustvolles zu erleben. Ja, wir werden kommenden Sommer richtig klotzen.“

Bis auf zwei Konzerte, die noch nicht zu 100 Prozent eingetütet sind, steht das Programm fest. Weniger sicher sind andere Fragen: Wo können die Schauspieler proben? Wird Corona eine normale Saison zulassen? Und: Wie wird es am Ende in der Kasse aussehen?

Eine finanzielle Herausforderung

Letztere Frage treibt Birgit Simmler besonders um, obwohl sie sich viel lieber nur auf den künstlerischen Bereich konzentrieren würde. „Die abgelaufene Spielzeit sind wir finanziell gut rausgekommen, nächste wird schon interessanter“, umschreibt sie die besondere Herausforderung. „Ja, Kunstminister Bernd Sibler hat uns wirklich gut unterstützt, da bin ich unheimlich dankbar. Wir sind dadurch mit unserem Betriebshaushalt gut hingekommen.“

2022 muss sich die Luisenburg womöglich wieder weit mehr als dieses Jahr selbst finanzieren. Wie die künstlerische Leiterin erläutert, „verursacht“ die Kunst lediglich 30 Prozent der Unkosten, der Rest sind fixe Ausgaben für Mieten, Unterhalt oder auch die Feuerwehr. Diese finanzieren die Festspiele in der Regel zu einem hohen Anteil über die Einnahmen aus dem Kartenverkauf. „Wir benötigen daher stets viele Zuschauer. In normalen Jahren verkünden wir schon im Winter den Verkauf von 100 .000 Karten.“

Ob diese Zahl in drei Monaten steht, ist fraglich. Schon wieder ist Corona die Unbekannte. Daher sei es gut möglich, dass beim Start des Kartenvorverkaufs am 3. Dezember die üblicherweise legendär lange Schlange der Luisenburgfans wesentlich kürzer sein wird. Noch sind viele Bürger zurückhaltend, wenn es um Kultur geht. Einen Massenandrang am Verkaufstresen wird es zumindest nicht geben. „Niemand muss Bedenken haben: Die Mindestabstände und Hygieneregeln halten wir strikt ein“, sagt Birgit Simmler. Sie verweist zudem auf die weiteren Verkaufskanäle, etwa online oder per Telefon.

Vielmehr steht die Powerfrau aus Wunsiedel vor dem Problem, wie sich die zum Teil wegen Corona verängstigten Theaterfans zurückgewinnen lassen. Hier vertraut sie auf die natürliche Entwicklung. „Im Sommer sind die Inzidenzen wahrscheinlich niedriger. Außerdem sollten bis zum Saisonstart die dann zwei Jahre Pandemiebekämpfung Erfolg zeigen...“

Noch eine Hiobsbotschaft

Ausgerechnet kurz vor dem Verkaufsstart die nächste Hiobsbotschaft: Harald Benz, der kaufmännische Leiter der Festspiele, verlässt auf eigenen Wunsch Wunsiedel. Laut Birgit Simmler wird er das für die Luisenburg so wichtige Weihnachtsgeschäft noch managen und das Theater erst im Frühjahr verlassen. „Nun geht es darum, schnell einen adäquaten Ersatz für ihn zu finden. Dieser muss in der Lage sein, sich schnell einzuarbeiten. Ich gehe davon aus, dass es durchaus coole Leute gibt, die an einer so attraktiven Bühne, wie sie die Luisenburg ist, arbeiten wollen.“

Außer mit einem Kartenverkauf in pandemischer Lage wird sich der neue Luisenburg-Manager mit der Immobilienfrage beschäftigen müssen. Bekanntlich hat die Stadt Wunsiedel die einstigen Proberäume in der „Talstation“ an das Autohaus Lell verkauft. Birgit Simmler musste schon in der zurückliegenden Saison improvisieren. Im „Haus der Energiezukunft“ und in der Fichtelgebirgshalle fanden die Schauspieler vorübergehend großzügige Räume, um auch mal etwas aufwendigere Szenen einstudieren zu können, bevor auf der Bühne der Feinschliff folgte.

Mittlerweile hat die Stadt Wunsiedel auch die Fichtelgebirgshalle veräußert. Sie gehört nun dem Landkreis. „Landrat Peter Berek hat uns vergangenes Jahr super unterstützt, ich hoffe mal, dass er dies auch im kommenden Frühjahr und Sommer tun wird“, sagt Birgit Simmler im Gespräch mit der Frankenpost. Immerhin sei nicht jeder Abstellraum zum Proben geeignet. „Und so viele Hallen gibt es hier ja nicht.“ Zunächst sei es aber die Aufgabe der Stadtverwaltung, adäquate Räume zu suchen.

Regisseure sind irritiert

Bereits in der zurückliegenden Saison erntete Birgit Simmler erstaunte Blicke, als sie den Regie-Teams die Proberäume zeigte. „Sie konnten nicht glauben, dass eine so großartige Bühne improvisieren muss.“ Die künstlerische Leiterin bleibt trotz aller Unannehmlichkeiten locker. „Mir ist bewusst, dass wir erst in vielleicht vier Jahren wieder unter wirklich hervorragenden Bedingungen proben können. Bis dahin sollten wir aber zumindest nicht jedes Jahr in neue Räume ausweichen müssen.“ Wie berichtet, will die Stadt Wunsiedel auf dem Unglaub-Areal in der Hofer Straße ein multifunktionales Gebäude bauen, in dem unter anderem die Luisenburg-Bühne samt Werkstätten ausreichend Platz erhalten soll.

„Eigentlich will sie ja nur spielen“: So in etwa lässt sich die Situation von Birgit Simmler beschreiben. Und auch wenn sie sich noch so viel um Finanzen, Immobilien und Organisation kümmern muss, die Kunst ist ihr „Hauptgeschäft“. „Im Spielplan soll jeder das Passende finden“, sagt sie und nennt ihr Erfolgsrezept, die „Kuss-Dramaturgie“. Es sei ihr ein Anliegen, stets etwas Komisches, also eine Komödie, etwas Unterhaltendes, etwas Seriöses (ein Stück das sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzt) und etwas Sinnliches zu bieten. Bei Letztgenanntem gehe es um die Schönheit der Sprache – etwa die von William Shakespeare in „Der Sturm“ oder um besonderes Spektakel auf der Bühne.

Viel Zeit für Autoren

Nur ein Gutes hatte Corona für die Luisenburg: „Wir haben uns ausreichend Zeit für unsere Entwicklungssparte nehmen können“, sagt die künstlerische Leiterin. Daher seien im kommenden Jahr gleich zwei Stücke zu sehen, die speziell für die Luisenburg geschrieben wurden: das Familienstück „Die Trolle sind unter uns“ des norwegischen Autorenduos Øystein Wiik und Gisle Kverndokk sowie „Zeitelmoos“ von Hartmut H. Forche und Eric Allaman. In „Zeitelmoos“ verarbeitet Forche die bunte Sagenwelt aus dem mystischen Moorgebiet nordwestlich von Wunsiedel in ein Märchen für Erwachsene. „Die Besucher dürfen sich auf ein sinnliches Stück voller Zauber freuen.“

Ob sich die Verantwortlichen der Luisenburg im Herbst 2022 auch über eine gute Kasse freuen dürfen, steht in den Sternen. An der Auswahl der Stücke wird es sicherlich nicht liegen, sollten die Besucherzahlen nicht ausreichen, um die fixen Kosten zu decken.

Birgit Simmler und ihr Team werden alles daran setzen, die Fans zu begeistern. Sollte Corona nach wie vor die Saison trüben, ist es laut der künstlerischen Leiterin wahrscheinlich, dass sie für übernächste Saison den Spagat aus Sparzwang und künstlerischem Anspruch bewältigen muss.

„Klar werden wir auch 2023 ein attraktives Programm auf die Beine stellen, wenn auch vielleicht eine Zwischenlösung notwendig wird.“ Wie diese aussehen könnte: „Ich denke hier an eine Wiederaufnahme eines Stückes aus der vergangenen Saison, etwa die Fortsetzung des ,Brandner Kaspar 2’, der sicherlich noch nicht das Zuschauerpotenzial ausgeschöpft hat. Auch gibt es immer wieder Perlen, die sich mit weniger Aufwand produzieren lassen.“ Doch so weit will die künstlerische Leiterin eigentlich noch gar nicht denken.

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