Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (Biög) in Köln warnt vor einem bedenklichen Schlankheitsideal, das durch soziale Medien gepusht werde. Viele Kinder und Jugendliche folgten täglich Influencerinnen, sie sich mit Filtern und speziellen Programmen künstlich aufhübschten. "Eine Gefahr darin liegt, die digitale Welt als real anzusehen", so das Biög. Soziale Medien könnten aber auch beim Überwinden einer Essstörung helfen - Betroffene könnten sich dort gegenseitig Mut machen und unterstützen.
Steigende Diagnose-Zahlen und mehr Klinik-Behandlungen
Nach DAK-Daten bekamen in Deutschland 2024 rund 23.000 jugendliche Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren die Diagnose Essstörung - das waren 38 Prozent mehr als im Vor-Pandemie-Jahr 2019. Auch bei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren war das Niveau zuletzt erhöht. Nach Barmer-Hochrechnung waren vor der Pandemie 2018 unter den 12- bis 17-Jährigen etwa 7 von 1.000 Mädchen der Altersgruppe erkrankt, 2023 waren es 10 von 1.000. Hinzu kommt eine größere Dunkelziffer.
Bei den Klinikeinweisungen wegen schwerer Essstörungen hat sich die Zahl in der weiblichen Gruppe 10- bis 17-Jähriger binnen 20 Jahren auf 6.000 Patientinnen (2023) verdoppelt. Sie machen laut Statistischem Bundesamt fast die Hälfte aller stationär wegen Essstörungen behandelter Personen aus.
Warnzeichen und was kann das Umfeld tun?
Essstörungen bleiben lange verborgen. Es gibt Warnzeichen, die für das Umfeld oft nur schwer mit einem gestörten Essverhalten in Verbindung zu bringen sind. "Wenn jemand plötzlich ganz auf gesundes Essen umsteigt, viel mehr Sport treibt, dauernd Kalorien zählt oder das Frühstück weglässt, wenn jemand Kontakte vermeidet, sich zurückzieht, traurig oder auch oft gereizt wirkt, können das alles Anzeichen für eine Störung sein", sagt Herpertz-Dahlmann.
Für Marie waren ihre Eltern immer ein Anker, wie sie erzählt. 2022 machte sie Abitur - ein Meilenstein nach einer langen Phase der Ungewissheit. "Ich hatte vom Essen und von der Stimmung her aber immer wieder schwierige Phasen." Ein Rückfall verhinderte den geplanten Studienbeginn 2024. Sie sieht sich nun auf einem guten Weg. Aber: "Ich bin noch nicht über den Berg. Es bleibt ein Restrisiko und viel mentale Arbeit."