Mammut-Projekt Jetzt zählt der Bürger-Wunsch

Projektleiterin Daniela Pöhlmann und Bauamtsleiter Stefan Büttner (mit Hund Alf) freuen sich am kommenden Samstag auf zahlreiche Bürger, die mitreden sollen, wenn ihr Quartier fit für die Zukunft gemacht wird. Treffpunkt ist der Spielplatz am Kreisverkehr Egerlandplatz. Foto: /Peggy Biczysko

Die Marktredwitzer sind am Samstag zu einem Rundgang eingeladen. Ihre Ideen für die Zukunft des Großraums Schulzentrum sollen bei der Sanierung des Stadtteils einfließen.

Marktredwitz - „MAK was draus!“ Wenn jemand weiß, was ein Stadtteil braucht, um lebens- und liebenswert zu sein, dann sind das die Menschen, die dort wohnen. Deswegen möchte die Stadt die Bürger, die im Osten von Marktredwitz leben, mitnehmen, wenn das Quartier fit für die Zukunft gemacht wird. Bei einem Rundgang durch den Großraum Schulzentrum können die Anwohner am kommenden Samstag ihre Ideen für den Stadtteil vorbringen. Auch die Meinung der Kinder zählt: Die dürfen bei einem Malwettbewerb auf dem Spielplatz beim Egerlandplatz ihre Wünsche für ihren Spielplatz zu Papier bringen.

45 Nationalitäten

Das hat es in dieser Form nie zuvor in Marktredwitz gegeben: Zum einen, dass ein gesamter Stadtteil auf einer Fläche von 55 Hektar saniert und neu gestaltet werden soll (wir berichteten). Zum anderen, dass die Bevölkerung, die hier lebt, lernt und arbeitet, auch ein gewichtiges Wörtchen mitreden darf. Immerhin wohnen im Großraum Schulzentrum 13 Prozent der Marktredwitzer. Das sind 2350 Personen. Und täglich pendeln etwa 2460 Schüler, 250 Lehrer sowie 200 Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder in das Gebiet ein. Also noch mehr Menschen als hier leben. Und es gibt eine weitere Besonderheit in diesem Quartier zwischen Schulen und Friedhof: Hier wohnen 500 Menschen mit 45 verschiedenen Nationalitäten. Damit liegt der Ausländeranteil bei 21,2 Prozent. In der gesamten Stadt sind es nur 11,5 Prozent.

400 Rückmeldungen

Damit sich auch wirklich alle Bürger bei der geplanten Sanierung, die sich über etliche Jahre erstrecken wird, einbringen können, hat die Stadt in der vorbereitenden Untersuchung bereits Flyer in fünf Sprachen drucken lassen. „Wir haben 400 Rückmeldungen bekommen“, erzählt Bauamtsleiter Stefan Büttner in einem Pressegespräch auf dem Spielplatz beim Kreisverkehr am Egerlandplatz. „Dabei hat sich als größter Mangel in dem Quartier die Verkehrs- und Parksituation herauskristallisiert“, fügt Projektleiterin Daniela Pöhlmann hinzu. Bei dem Rundgang stellen die Planer, die die Umfrage ausgewertet haben, schon einige Maßnahmen, die sie im Fokus haben, vor. „Zu jedem Projekt bekommen die Teilnehmer ein Blatt, auf dem sie sich während des Spaziergangs äußern können.“ Natürlich auch mündlich. Nach der Rückkehr zum Spielplatz seien die Bürger dazu eingeladen, die Pläne zu diskutieren und Ideen vorzutragen.

Mensch im Mittelpunkt

Stefan Büttner unterstreicht: „Hier steht wirklich der Mensch im Mittelpunkt.“ Daher sei auch Integrationsbeauftragter Walied Youssef mit im Boot, der bei sprachlichen Hürden übersetze. „Was dieses Gebiet von klassischen Sanierungsgebieten unterscheidet, ist, dass nicht die Beseitigung baulicher Mängel im Vordergrund steht, sondern die Vielfalt an gesellschaftlichen, demografischen, ökologischen und räumlichen Prozessen das Wesentliche dieser Analyse darstellen“, so Büttner.

Viele Grünflächen

Es gebe in diesem Quartier auch unglaublich viele Grünflächen, die momentan eher ein trauriges Dasein fristen. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Menschen hier Gärten anlegen und bewirtschaften“, meint der Chef des Bauamts. Und natürlich müssten auch Häuser saniert werden, zumal viele Bauten in die Jahre gekommen sind.

Ostern tut sich was

Alles, was bei dem Rundgang am Samstag zur Sprache kommt, soll noch einmal ausgewertet werden, wie Projektleiterin Pöhlmann ankündigt. „Wenn alles zusammengefasst ist, werden die Wünsche und Planungen dem Stadtrat präsentiert. Das wird wohl gegen Ende des Jahres der Fall sein.“ Dann erst könne man die Sanierungsgebiete ausweisen und dafür die passenden Fördergelder beantragen. Dann folge noch die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, was Daniela Pöhlmann für das Frühjahr voraussagt. Das Quartier wird begrenzt von der Dürnbergstraße über die Fritz-Thomas-Straße, die Bahnanlage und den Galgenberg bis über die Egerstraße zurück zur Dürnbergstraße. „Ich schätze, Ostern tut sich schon was“, zeigt sich Stefan Büttner zuversichtlich, dass man erste Sanierungsschritte angehen könne.

Neue Wohnungen

Im Herzen des Sanierungsgebiets befinden sich neben dem Schulzen-trum große Wohnanlagen der Stewog und auch der Allgemeinen Baugenossenschaft. Während die Stewog derzeit einen Komplex nach dem anderen in der Franzensbader und der Breslauer Straße saniert, realisiert die Baugenossenschaft momentan neben der Sanierung alter Wohnungen auch den Bau von neuen Wohnungen an der Marienstraße, der schon ziemlich weit fortgeschritten ist. Somit gibt es in diesem großen Stadtteil, wo auch zahlreiche Privathäuser stehen, einen Mix aus Wohnen und Arbeiten.

Und natürlich ist dieser Bereich ein Ort des Lernens. Da laufen derzeit noch die restlichen Arbeiten an der Generalsanierung der Fichtelgebirgsrealschule. Und demnächst beginnt die komplette Sanierung des Otto-Hahn-Gymnasiums.

Damit auch alle Menschen in dem Untersuchungsgebiet – „es ist das größte, das die Stadt je bearbeitet hat“ – von dem Termin am Samstag erfahren, verteilt das Team um Daniela Pöhlmann noch einmal Flyer in den Briefkästen. „Wir wollen wissen, wo der Schuh drückt“, betont Stefan Büttner.

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