Mammut-Projekt Werktags läuft der Betrieb bei Edeka rund um die Uhr

In vier Abschnitte gliedert sich der Bau des Logistikzentrums, das von Norden über die WUN 14 erschlossen wird. Der erste Bauabschnitt ist der linke Teil des rot schraffierten Trakts, der zweite orientiert sich nach Süden, Abschnitt drei ist rechts im Bild, während der kleine gebogene Part zum Schluss realisiert werden soll. Zwischen Edeka und Erschließungsstraße (rechts im Bild) befindet sich das Bauunternehmen Rupprecht. Foto:  

Das höchste Gebäude des Logistikzentrums ragt 36 Meter nach oben. Das Unternehmen schafft insgesamt 100 Lkw-Stellplätze.

Marktredwitz - Knapp zwei Millionen Kubikmeter und 103 000 Quadratmeter Nutzfläche – es sind schon Dimensionen, um die es beim Bau des neuen Logistikzentrums der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen in Marktredwitz geht. Unter der Woche wird hier rund um die Uhr gearbeitet. Das teilte Sachbearbeiter Harald Fleck am Dienstagabend in der Bauausschusssitzung mit, wo die Räte den Startschuss für die Mammut-Investition von 310 Millionen Euro gegeben haben (wir berichteten).

Fleck stellte die Pläne detailliert vor. Demzufolge wird das höchste Gebäude des hufeisenförmigen Logistikzentrums 36 Meter nach oben ragen. Dabei handelt es sich um das Hochregallager mit Trockensortiment, Verwaltung, Sozialräumen und Technik.

Längstes Gebäude misst 326 Meter

Der erste Bauabschnitt im Westen des Areals umfasst ein Gebäude von 300 Metern Länge und 124 Metern Breite. In dem 13 Meter hohen Gebäude befindet sich laut Fleck neben dem Warenein- und -ausgang der Bereich für Obst und Gemüse, für Verwaltung, Sozialräume und Technik. Leergut und Tiefkühllager werden im zweiten Bauabschnitt im Süden untergebracht. „Das Gebäude ist 253 Meter lang, 91 breit und 20 Meter hoch.“

Das Hochregallager, das im Osten des Trakts angelegt wird, misst eine Länge von 326 Metern und eine Breite von 163 Metern. Der 36 Meter hohe Teil ist allerdings nur ein kleinerer Part dieses längsten Abschnitts, wie die Pläne erkennen lassen. Der vierte Bauabschnitt sieht nach dem Vortrag von Sachbearbeiter Fleck die Unterbringung von Sozial-, Büro- und Verwaltungs- wie Schulungsräumen vor. Auch eine Kantine findet hier Platz. Auf einer Länge von 223 Metern erstreckt sich das 17,5 Meter breite Gebäude, das 11,4 Meter hoch wird.

500 Beschäftigte

„Das künftige Logistikzentrum der Edeka wird über die Staatsstraße WUN 14 erschlossen“, brachte Harald Fleck in Erinnerung. Entlang dieser Erschließungsstraße sollen 26 Lkw-Stellplätze und vier für Autos angelegt werden. „Über eine Pforte und einen internen Kreisverkehr gelangen die Lkw auf das Gelände“, kündigt der Sachbearbeiter an.

Auf dem Areal selbst sollen dann 68 Lkw-Stellplätze zum Schrägparken und sechs weitere zum Längsparken entstehen. „Es werden überdachte Tank-Flächen geschaffen sowie 426 Autostellplätze.“

Künftig sollen in dem Logistikzentrum der Edeka 500 Beschäftigte arbeiten. Die Pausenräume bieten laut Harald Fleck Platz für 515 Menschen. An Werktagen wird im Logistikzentrum von 0 bis 24 Uhr – also rund um die Uhr – in zwei bis drei Schichten gearbeitet, wie Harald Fleck mitteilte. An Sonn- und Feiertagen werde von 14 bis 0 Uhr gearbeitet. „Für die Gestaltung der Fassade ist ein Fachplanungsbüro beauftragt. Insbesondere sollen vor Ort Feldmessungen der Umgebung durchgeführt werden zur Ermittlung der vorherrschenden Farbtöne“, so Sachbearbeiter Fleck.

Erweiterungen möglich

Ehe die Räte grünes Licht für das gigantische Bauwerk gaben, signalisierte der Sachbearbeiter, „dass Edeka bereits in die Zukunft denkt und Erweiterungen bis 2040 auf dem Areal anvisiert“.

Der Thölauer Ortssprecher Stefan Purucker erkundigte sich in der Bauausschusssitzung danach, ob Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern des Edeka-Logistikzentrums möglich wären. „Das wäre gut, um den landwirtschaftlichen Grund herum zu schonen und man diese Flächen nicht dafür hergeben müsste.“ Günter Fröber, der Regionalleiter Expansion bei der Edeka, meinte: „Da müssen wir uns das Gesamtkonzept anschauen, aber Überlegungen dazu gab es bereits.“

Einen „wesentlichen Schritt vor dem offiziellen Baubeginn Anfang Juli“ nannte Oberbürgermeister Oliver Weigel die Genehmigung des Bauantrags. Dass die in so relativ kurzer Zeit über die Bühne gehen könne, sei der „hervorragenden Zusammenarbeit von Edeka, Landratsamt und der Regierung von Oberfranken zu verdanken“. Hier hätten alle an einem Strang gezogen. Edeka sei ein unglaublich wichtiger Arbeitgeber in der Region, weshalb er sich schon sehr auf den Spatenstich freue, meinte Weigel. „Angesichts dieses großen Vorhabens bräuchte man statt Spaten eigentlich schon den größten Bagger“, scherzte er.

„Vollständig und detailliert“

Im Vorfeld der Sitzung bescheinigte Stadtbauamtsleiter Stefan Büttner, „dass wir so etwas in der Vergangenheit bisher noch nie hatten“. Dass die Planung dieses riesigen Projekts mit nur zwei Auslegungen im Regelverfahren auf den Weg gebracht wurde, hätte er selbst nicht glauben können. „Doch wenn man die Menschen von Anfang an mit einbindet, wird es auch eine runde Sache“, so Büttner.

Das bestätigte Sachbearbeiter Fleck: „Es ist schon ein Kunstwerk, dass alles vollständig und detailliert vorgelegt wird.“ Und er hatte in seinen Plänen eine Hufeisenform der Edeka-Gebäude ausgemacht. „Da steckt mehr dahinter als ein reines Bauvorhaben“, sinnierte er. „Das unterstreicht, wie verwurzelt die Edeka in der Region ist.“

Der Sachbearbeiter teilte vor der Abstimmung noch mit, „dass die Edeka die Erschließung des gesamten Areals in die Hand nimmt“. Für die Baufirma Rupprecht, die von dem Vorhaben regelrecht eingekesselt werde, sei die Situation sicherlich nicht einfach, meinte Fleck. „Es ist bestimmt nicht selbstverständlich, dass diese Beeinträchtigungen hingenommen werden.“ Nichtsdestotrotz stimmte auch Ernst Rupprecht, der Chef des später benachbarten Unternehmens, der für die CSU im Stadtrat sitzt, ebenfalls für das 310-Millionen-Projekt in Marktredwitz, das 2024 bezogen werden soll.

Zufahrt in Gefahr
Gleich zwischen dem neuen Edeka-Logistikzentrum und der geplanten Erschließungsstraße von der WUN 14 befindet sich das Bauunternehmen Rupprecht. Chef Ernst Rupprecht sieht anhand der Pläne, die ihm erst seit Sonntag vorlägen, einige Probleme durch den Bau auf sich und seine Firma zukommen, wie er auf Nachfrage der Frankenpost sagt. „Weil für die Longliner und die Lkw der Edeka die bisherige Zufahrt zu steil ist, soll das Gefälle von 7,5 auf sechs Prozent gesenkt werden. Das bedeute für ihn, dass seine Einfahrt 1,5 Meter höher liegen werde. Obendrein werde seine Zufahrt um 15 Meter versetzt. Sein Gelände müsse aufgeschüttet werden. Damit die WUN 14 für 1000 Lkw am Tag tragfähig werde, müsse auch diese „gewaltig verbreitert werden“. Ob er beim Umbau eine Zufahrt habe, scheint ihm fraglich, so Rupprecht, der auf eine schnelle Lösung drängt. „Mein Betrieb muss weiterlaufen“, betont der Unternehmer, der ursprünglich die Zusage von Stadt und Edeka bekommen habe, dass alles geregelt werde. „Mir dürfen keine Kosten entstehen“, unterstreicht Rupprecht.

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