Markt in Thiersheim VR-Bank geht – „Tante M“ kommt

Ende des Jahres räumt die VR-Bank das Gebäude in der Thiersheimer Hauptstraße. Im Februar soll hier ein Nahversorger eröffnen. Foto: Florian Miedl

Thiersheim bekommt wieder einen Nahversorger. Das ist Thema der Bürgerversammlung, die mal wieder „zum letzten Mal“ in „Kastaniengarten“ stattfindet.

Paukenschlag in Thiersheim: Die VR-Bank Fichtelgebirge-Frankenwald wird die Marktgemeinde zum Ende des Jahres verlassen. Davon betroffen ist zunächst die Geschäftsstelle in der Hauptstraße. Im Laufe des nächsten Jahres sei zudem geplant, auch den Kundenservice zu verlegen. Das gab Bürgermeister Werner Frohmader bei der Bürgerversammlung am Donnerstag bekannt.

Café als Treffpunkt schaffen

Doch kein Schaden ohne Nutzen. Frohmader geht nur von einem sehr kurzen Leerstand aus: „In die Räume kommt ab Februar ein Tante-M-Laden.“ Damit schließt sich die Lücke in der Thiersheimer Nahversorgung, nachdem der Nah-und Gut-Markt vor ziemlich genau einem Jahr geschlossen hatte. „Es gibt nichts mehr“, brachte es Frohmader auf den Punkt. Zwar habe sich ein Eiswagen in der Vorstadt zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, Familie Hendel habe einen Bio-Hofladen eröffnet und immer mittwochs biete eine Metzgerei auf dem Marktplatz frische Wurst an, aber die Waren des täglichen Bedarfs seien im Ort nicht mehr erhältlich. Rolf Küstner, der die Verbindung zu Tante-M-Gründer Christian Maresch hergestellt hatte, wird als Vermieter auftreten. Die Verhandlungen mit anderen Leerstandsbesitzern im Ort hätten sich als wenig aussichtsreich erwiesen, sodass er sich entschlossen habe, das VR-Bank-Gebäude zu kaufen. „Wir wollen auch eine Café-Ecke einrichten und einen sozialen Treffpunkt schaffen“, sagte er. Geldautomat und Kontoauszugsdrucker der VR-Bank blieben erhalten und würden in das Geschäft integriert.

Seniorenbeauftragte helfen

Das Tante-M-Konzept sieht Öffnungszeiten von 5 bis 23 Uhr an sieben Tagen die Woche, wenig Personal und Kunden, die ihre Waren an der Kasse selbst scannen und bezahlen, vor. „Das funktioniert“, sagte der Bürgermeister und verwies auf einen Tante-M-Laden, der kürzlich in Pechbrunn eröffnet wurde. Seniorenbeauftragte Uschi Schricker bot allen, die mit dem Konzept fremdelten, an, beim Einkauf zu helfen.

Die Thiersheimer Bürgerversammlung fand – die Corona-Pause nicht mit eingerechnet – bereits zum vierten Mal „zum letzten Mal“ in der Gaststätte „Kastaniengarten“ statt. Der Abriss könne noch bis zum 31. Dezember 2023 hinausgezögert werden, sagte Werner Frohmader, dann aber müsse der Komplex weichen. „Der Termin ist in Stein gemeißelt!“ Der Sportplatz vor der Gaststätte sei schon lange an das Sozialteam aus Regensburg verkauft, das an der Stelle ein Seniorenheim bauen möchte. Die Pläne lägen vor und seien genehmigt; wann die Bagger rollen, wisse noch niemand.

Gemeinschaftshaus im nächsten Jahr

„Kommt’s noch?“ ist auch die Frage, die sich viele Thiersheimer in Bezug auf das Dorfgemeinschaftshaus und das neue TSV-Heim stellen. „Nächstes Jahr“, versicherte der Bürgermeister. Die Gemeinde habe ihre Hausaufgaben für das 2,8-Millionen-Euro-Projekt erledigt, der TSV habe noch ein paar Dinge zu klären. In der Grundschule wurde bereits eine neue Pellets-Heizanlage installiert die künftig neben Schulhaus, Turnhalle und Hausmeisterwohnung eben auch das Dorfgemeinschaftshaus und das TSV-Heim mit Wärme beliefern soll. „Wir sind stolz, dass wir die Schule haben“, sagte Frohmader. 45 Kinder werden in zwei Kombiklassen der Grundschule Thiersheim unterrichtet.

„Die Dorferneuerung ist ein Glücksfall für Thiersheim“, sagte der Bürgermeister. Derzeit laufen die Arbeiten in der Heide. Dort werden alle Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert, die Straßenführung wird sich etwas ändern und ein neuer Platz entsteht. Im nächsten Jahr können die Arbeiten in der Burgstraße beginnen. Auch für die Brandruine zeichne sich eine Lösung ab, sagte Frohmader auf Nachfrage. Der Eigentümer hatte das nahezu vollständig zerstörte Anwesen abreißen lassen wollen, scheiterte jedoch am Veto des Denkmalschutzes. „Vom Hörensagen weiß ich, dass es wohl einen Interessenten gibt, der die Ruine dem Denkmalschutz entsprechend aufbauen möchte“, so der Rathauschef.

Bewerbungen für VG-Posten

Was den Ausbau des Glasfasernetzes betrifft, so sei die Marktgemeinde in Verhandlungen mit der Firma „Unsere Grüne Glasfaser“, die andernorts bereits eigenwirtschaftlich ausbaut. Gleichzeitig aber wird laut Bürgermeister Frohmader eine Markterkundung für ein Förderverfahren angestoßen.

Für den Posten des scheidenden Verwaltungschefs Martin Rogler gebe es zwei Bewerbungen. Über den Nachfolger hat laut Frohmader der Rat der Verwaltungsgemeinschaft zu entscheiden.

Aus den Reihen der Zuhörer – der „Kastaniengarten“ war wieder einmal voll besetzt, einige Thiersheimer mussten im Vorraum Platz nehmen – kam die Frage nach dem interkommunalen Gewerbegebiet. Dem Bürgermeister zufolge haben einige Firmen bereits Interesse angemeldet, derzeit würden aber noch die Einsprüche aus der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans abgearbeitet.

Was war sonst noch? Stolz zeigte sich der Bürgermeister über die schnell angelaufene Ukraine-Hilfe aus Thiersheim. Zahlreiche Bürger hatten sich zusammengetan, um Drogerieartikel, Kleider und Lebensmittel in das vom Krieg gebeutelte Land zu bringen. Am Ende verließen vier 20-Tonner Thiersheim in Richtung Ukraine.

Ausrichter der Deutschen Meisterschaft

Verlass sei auf Feuerwehren und Bauhof sowie die Faustball-Damen, deren Erfolgen es zu verdanken sei, dass 2024 Thiersheim der Austragungsort für die Deutsche Meisterschaft ist.

Ministerpräsident Markus Söder eröffnete die Karpfensaison in einem Thiersheimer Teich. Dass dem Landesvater Schäufele statt Fisch serviert worden war, sei dem Hunger des Fischotters geschuldet gewesen, so Frohmader. „Aber wir haben ein Zeichen gesetzt.“ Nicht das einzige „tierische Problem“: Auch ein anderer Gast macht den Thiersheimern zu schaffen: Biber sorgen in schöner Regelmäßigkeit für verstopfte Durchlässe und überschwemmte Wiesen. „Wir sind deswegen mit dem Landratsamt in Verbindung.“

Ein Heimspiel hatte der Vertreter des Landratsamts. Zu Gast bei der Bürgerversammlung war Johannes Hofmann, Leiter der Rechtsaufsicht, Thiersheimer und Sohn von Frohmaders Amtsvorgänger Bernd Hofmann. Der zeigte sich begeistert vom Zuspruch aus der Bevölkerung an der Versammlung. „Es ist wichtig, dass wir im Ort zusammenhalten und miteinander arbeiten“, sagte Johannes Hofmann. Große Hoffnung legte er in den interkommunalen Gewerbepark. „Daraus wird sich viel Positives entwickeln.“

Zahlen und Fakten

Bevölkerung
Um vier Einwohner ist die Marktgemeinde Thiersheim gewachsen. Aktuell leben 1758 Menschen im Ort. 56 Zuzügen standen 53 Wegzüge gegenüber. Das Standesamt zählte 19 Geburten und 22 Sterbefälle.

Finanzen
Der Haushalt ist genehmigt. „Das ist wichtig, weil wir über unsere Investitionen selbst entscheiden können“, sagte Frohmader. Der Schuldenstand sank von knapp 3,03 auf rund 2,79 Millionen Euro, was einer Pro-Lopf-Verschuldung von 1727 Euro (Vorjahr 1590 Euro) entspricht.

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