Marktredwitz Als eigener Chef nach Hause

Nach vielen beruflichen "Wanderjahren" ist Sebastian Kunz nun wieder in seiner Heimat. Er und Ehefrau Romy haben in dieser Woche das Lokal "Baros" in Marktredwitz eröffnet. Foto: Florian Miedl

Sebastian Kunz war lange in Deutschland unterwegs. Jetzt ist er wieder in seiner alten Heimat. Im Gepäck hat er eine Geschäftsidee.

Marktredwitz - Sebastian Kunz ist wieder da. Aufgewachsen ist er in Waldershof, gelebt hat er lange in München, gearbeitet hat er in halb Deutschland, ehe er wieder nach Hause kam. Die Wanderjahre haben sich gelohnt: Mitgebracht hat er Romy, seine Ehefrau, jede Menge Berufserfahrung als Koch und eine Geschäftsidee.

"Baros" heißt sein neues Lokal in Marktredwitz. Hier, an der Ecke Dammstraße und Markt, arbeiten seit Wochen Sebastian und Romy Kunz an ihrem Traum von der Selbstständigkeit. "Baros", das steht für "Bastis und Romys". "Burgerkunzt" wollen sie hier anbieten, in diesem Wort schwingt sowohl der Nachname Kunz mit, als auch die Philosophie, dass gute Küche sich nicht auf komplizierte Gerichte beschränken muss. Hamburger soll es hier geben, Kuchen und Kaffee und hausgemachte Limonaden. Alles auf gehobenem Niveau, fast alles selbs tgemacht, fast alles aus der Region. Das Fleisch kommt aus der Metzgerei Wunderlich in Kirchenlamitz; Gemüse beziehen die beiden aus ökologischem Anbau aus der Region über den Ökoring. Und die Brötchen für die Burger backt die Bäckerei Bauer in Wunsiedel extra für das "Baros".

Geboren wurde Sebastian Kunz 1983 eigentlich in München. Weil sein Vater aber in seine Heimat Waldershof zurückwollte, zog die junge Familie 1990 ins Fichtelgebirge um. "Ich bin also in Waldershof groß geworden", erinnert sich Sebastian Kunz. 1998 folgte der Umzug nach Schönlind.

Die erste berufliche Station brachte Sebastian Kunz in den Nachbarlandkreis: "Gelernt habe ich bei Alexander Herrmann in Wirsberg." Von 2003 bis 2005 ließ sich der junge Mann im "Romantik Posthotel" des bekannten Fernsehkochs ausbilden. "Die Ausbildung war anfangs hart", sagt Sebastian Kunz und lacht heute drüber, "du kommst als junger Bursche da hin, denkst du kannst alles, und dann lernst du, dass du gar nix kannst." 2005, als frischgebackener Jungkoch, zog es Sebastian Kunz nach Berlin ins "Ritz-Carlton", wo er mit dem Sternekoch Thomas Kellermann in der Küche stand.

Ein gutes Jahr verging, ehe Sebastian Kunz wieder in München landete. "Ich wollte mich weiterbilden und habe dort eine Schule für Ernährungsmedizin besucht." Immer wieder war Sebastian Kunz nämlich Gästen begegnet, die Unverträglichkeiten hatten - gegen Gluten, Milchzucker und so fort. "In der Ausbildung lernst du nicht, mit so etwas umzugehen." In München begegnete er dann Steffen Sonnenwald, einem der Mitbegründer der legendären "Jungen Wilden". Der suchte Unterstützung für eine Kochshow im Auftrag eines Küchenherstellers - und Sebastian Kunz begleitete ihn die nächsten zwei Jahre auf Touren durch Deutschland. "Drei bis vier Tage in der Woche waren wir unterwegs, ansonsten habe ich als Alleinkoch im Münchner ,Rigoletto' gearbeitet." Die Kochshows seien ein Zubrot gewesen. "Sie haben mir meine Harley finanziert", erinnert sich Sebastian Kunz schmunzelnd.

2009 unternahm Sebastian Kunz dann einen ersten Ausflug in die Selbstständigkeit. Er verkaufte die Harley und eröffnete das "Deutsche Haus" in Weißenstadt - nach zehn Monaten sperrte er wieder zu. "Damals dachte ich, ich kann kochen und das reicht", sagt er. Heute weiß er, dass ohne Werbung und kompetente Mitarbeiter Gastronomie kaum funktioniert.

Er verließ Weißenstadt und zog wieder nach München, um in der Kantine einer Werbeagentur zu arbeiten. 2011 trat dann Romy in sein Leben. "Freunde haben uns einander beim Oktoberfest vorgestellt", erinnert sich Romy Kunz. Die Leidenschaft für die Küche teilen beide, die gebürtige Freibergerin backt für ihr Leben gern. Ende 2015 wussten beide, dass sie miteinander ein Lokal eröffnen wollen. Nur wo? "In München haben wir uns umgesehen", berichtet Romy Kunz, "allerdings hätten wir dort sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen."

Sebastian Kunz schlug vor, es im Fichtelgebirge zu versuchen. München sei schön, aber inzwischen zu laut, zu schnell, zu voll. Und teuer. Wenn man eine Familie gründen möchte, macht man sich auch Gedanken über Kindergartenplätze und Mieten. Von Innenstadtkoordinator Dominik Hartmann bekam das Paar eine Liste mit leeren Läden. Das Eckhaus am Markt ist es geworden. "Die Lage ist super", schwärmt Sebastian Kunz. "Wir sind nicht mit der Idee vom Burgerladen hergekommen", sagt Romy Kunz, "wir haben uns umgesehen, was es in der Stadt noch nicht gibt." Deshalb wird auch ein ausgebildeter Barista an der Kaffeemaschine stehen. "Und wer hat schon so 'ne Auswahl an Gin?", fragt Sebastian Kunz lachend.

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