Marktredwitz Trübe Aussichten

Von Richard Ryba

Professor Lothar Koppers hat berechnet, wie bis 2030 die Schülerzahlen in Waldershof aussehen. Demnach sind es nur mehr etwa 20 Kinder pro Jahrgang.

Dr. Lothar Koppers Quelle: Unbekannt

Waldershof - Die Vorausberechnung der Schülerzahlen in Waldershof bis zum Jahr 2030 lässt nichts Gutes erahnen: Als der Demografieexperte Dr. Lothar Koppers am Donnerstagabend zu Beginn einer dreistündigen Stadtratssitzung seinen Vortrag beendet hatte, gab es betretene Gesichter unter den Stadträten. Bürgermeister Hubert Kellner sprach von "erschütternden" und "aufrüttelnden" Zahlen.

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Dass die Zahlen keine "Schwarzmalerei" sind und auch nicht aus einem "Blick in die Glaskugel" resultieren, versicherte Professor Koppers von "Agira", dem Institut für angewandte Geoinformatik und Raumanalysen aus Waldsassen. Seine Berechnungen fußen auf einem langjährigen Mittelwert der Bevölkerungszahlen und einem langjährigen Trend. Demnach sinkt die Bevölkerungszahl in Waldershof von 4418 Einwohnern im Jahr 2011 auf 3892 im Jahr 2030. Bergab geht es auch mit der Schülerzahl. Derzeit liegt sie in den einzelnen Jahrgängen zwischen 32 (die Sechsjährigen) und 61 (die zehnjährigen Kinder). Bis ins Jahr 2030 werden sich die Zahlen in den einzelnen Jahrgängen auf etwa 20 Kinder einpendeln, "plus-minus fünf - in diesem Korridor wird es sich bewegen", sagte Koppers.

Was man tun könne, um dieser Entwicklung gegenwirken zu können, wollte Bürgermeister Kellner von Koppers wissen. Der nannte drei Möglichkeiten, wie man demografisch aktiv arbeiten könne: Mit einer entsprechenden Familienpolitik dafür sorgen, dass mehr Kinder geboren werden; sich um Zuzug kümmern und den Wegzug von jungen Menschen stoppen. Er empfahl, mit den Firmen am Ort eine enge Kooperation einzugehen, damit man bereits Achtklässlern berufliche Perspektiven aufzeigen könne. Dringend legte er den Stadträten ans Herz, kein Kind aufzugeben: "Kein Kind darf die Schule ohne Abschluss verlassen."

Die Entwicklung in Waldershof sei aber kein Einzelfall, hatte Koppers einen schwachen Trost parat. Die Schülerzahlen seien in den nächsten Jahren bayernweit im Sinkflug, während die Zahl der 80-Jährigen bis zum Jahr 2030 regelrecht "explodieren" werde. Trotzdem: Viel Hoffnung machte Koppers den Waldershofern nicht. "Sie werden sich drehen und wenden müssen, um die genannten Zahlen überhaupt zu erreichen." Unter den Kommunen sei ein Kampf um junge Familien entstanden, aber mit Mitteln wie dem Baukindergeld gewinne man nichts, sondern "kannibalisiert sich nur gegenseitig die Haushaltsgelder weg".

Anlass für die Berechnungen von Professor Koppers war die Frage, was mit dem sanierungsbedürftigen Schulgebäude in Waldershof geschehen soll. Das Ergebnis spricht für Bürgermeister Kellner eine eindeutige Sprache: Eine Generalsanierung eines für 250 Kinder ausgelegten Gebäudes mache keinen Sinn mehr. Umso mehr, da man sich von den jetzigen Schülerzahlen um die 110 auch verabschieden müsse, sagte er am Freitag der Frankenpost. Die beste Lösung sei: das alte Gebäude abreißen und den künftigen Erfordernissen entsprechend neu bauen.