Markus Merk im Interview „Dass ich in Weißenstadt dabei bin, ist kurios“

Sascha Fuchs

Der ehemalige Schiedsrichter Markus Merk kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Bei „Kicken um zu helfen“ in Weißenstadt greift er noch einmal zur Pfeife – für ihn eine Herzensangelegenheit.

In seiner aktiven Schiedsrichter-Laufbahn leitete Markus Merk weit über 500 Partien (das Foto stammt aus dem Jahr 2006). Nun leitet er das Legendenspiel in Weißenstadt. Foto: dpa/Matthias Schrader

Als Markus Merk im Jahr 2008 seine Schiedsrichterkarriere beendete, hatte er beinahe alles gesehen und erlebt, was man als Schiedsrichter sehen und erleben kann. In weit über 300 Bundesligaspielen, 50 Länderspielen und einigen großen Finalspielen übernahm er die Leitung. Siebenmal wurde der Zahnmediziner zum DFB-Schiedsrichter des Jahres gewählt, dreimal zum Weltschiedsrichter. Überall auf der Erde war Merk schon unterwegs. Zumindest fast, denn im beschaulichen Weißenstadt pfiff er nie ein Spiel.

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Bis jetzt. Denn für die Benefizaktion „Kicken um zu helfen“ am 1. Juli nimmt er die Schiedsrichterpfeife noch einmal in die Hand. Wir haben ihn im Interview befragt, wie es dazu kam und warum es auch für ihn etwas Besonderes sein wird.

Herr Merk, Sie hatten in ihrer Karriere schon mit vielen Weltstars zu tun, leiteten viele bedeutsame Fußballspiele. Wo ordnet sich da das Legendenspiel in Weißenstadt ein?

Für mich ist es eine große Ehre, Teil dieses Teams sein zu dürfen, das an der Aktion beteiligt ist. Der gute Zweck steht klar im Vordergrund, da ist es gar nicht entscheidend, in welchem Rahmen das Spiel stattfindet. Dass ich in Weißenstadt dabei bin, ist schon fast kurios.

Wie meinen Sie das?

Eigentlich bin ich als Schiedsrichter gar nicht mehr aktiv, nur noch ganz selten und wenn, dann für den guten Zweck, so wie in diesem Fall. In diesem Jahr ist das Spiel in Weißenstadt glaube ich mein einziger Einsatz. Die Zeit gibt einfach nicht mehr her. Andererseits hat eben auch alles seine Zeit und ich war ja für viele Jahre auf hohem Leistungsniveau aktiv.

Warum haben Sie sich dann ausgerechnet für das Benefizspiel in Weißenstadt entschieden?

Bevor man mich kontaktierte, hatte ich noch nichts von dieser Aktion gehört – dafür ist Weißenstadt dann doch zu weit weg von meiner Heimat. Der Kontakt zu Wolfgang Heß (Mitorganisator von „Kicken um zu helfen“, Anm. d. Red.) war aber von Beginn an ganz wunderbar. Er hat eine unheimlich nette und charmante Art und ich habe eine große, gegenseitige Wertschätzung gespürt. Dass man mir auf so eine freundliche Art begegnet, ist nicht selbstverständlich und war für mich dann auch der Grund, warum ich zugesagt habe.

Hatten sie eigentlich schon einmal Berührungspunkte mit dem Fichtelgebirge?

Ich war in meiner Karriere zwar schon auf der ganzen Welt unterwegs, aber im Fichtelgebirge und speziell in Weißenstadt war ich bisher nicht, das wird eine Premiere.

Werden sie denn ein paar Tage hier verbringen?

Dafür reicht die Zeit leider nicht, der Terminkalender ist zu voll. Ich werde erst am Samstagmorgen in Weißenstadt ankommen und am Sonntagmorgen auch schon wieder weiterziehen müssen. Mir war es aber sehr wichtig, diesen Termin wahrzunehmen.

Es spielen ja bekanntlich viele große Namen beim Spiel der Legenden mit. Treffen Sie dabei auch auf ein paar alte Bekannte?

Das weiß ich noch nicht (lacht). Ich habe es auch zu meiner aktiven Zeit immer so gehandhabt, dass ich mir erst kurz vor Spielbeginn angeschaut habe, wer überhaupt mitspielt. Da war es mir egal, ob ein Superstar oder ein unbekannter Spieler auf dem Platz steht, als Schiedsrichter nimmt man die neutrale Position ein. Dieses Vorgehen werde ich auch bei „Kicken um zu helfen“ nicht ändern, ich habe also momentan noch gar keine Übersicht darüber, wer überhaupt mit von der Partie ist.

Sie erwähnten bereits, dass Sie nur noch sehr selten als Schiedsrichter im Einsatz sind. Wie haben Sie sich denn auf „Kicken um zu helfen“ vorbereitet?

Nun, ich habe mir vor so einem großen Match natürlich im Vorfeld extra noch einmal alle aktuellen Regelbücher durchgelesen und mir strittige Spielsituationen aus einigen Champions-League-Spielen aus der Vergangenheit angesehen (lacht). Nein im Ernst, ich freue mich sehr auf das Legendenspiel und ich denke, nach so unzähligen Spielen, die ich in meiner aktiven Zeit leiten durfte, werde ich das schon noch hinkriegen (lacht).

Zur Person

Markus Merk
ist ein ehemaliger Fußballschiedsrichter, der 20 Jahre lang in der Bundesliga im Einsatz war. Auch als Fifa-Schiedsrichter war Merk zwischen 1992 und 2007 im Einsatz. Er leitete unter anderem das Finale der Uefa Champions League im Jahr 2003 sowie das Fußball EM-Finale in Portugal im Jahr 2004. Der gebürtige Kaiserslauterer war beruflich eigentlich Zahnmediziner und betrieb bis 2005 auch eine Praxis. In den Jahren 2004, 2005 und 2007 wurde er zum Weltschiedsrichter der Jahres gewählt.