Medizinische Versorgung Rehauer Hausarztpraxis wird zum MVZ

red
Die Praxis Ott in Rehau ist nun ein MVZ der Unternehmung Gesundheit Hochfranken. Unser Bild zeigt (von links) Alexandra Eichner (Geschäftsführerin MVZ), Dr. Gerd Ott, Dr. Nadja Ott und das medizinische Personal, Nadja Voit und Dagmar Kampmann. Foto: UGHO

Der Trend zu größeren Einheiten in der ärztlichen Versorgung setzt sich fort. Nun ist auch die Praxis von Gerd und Nadja Ott in Rehau ein Versorgungszentrum.

Das Arztnetzwerk UGHO (Unternehmung Gesundheit Hochfranken) hat in Rehau sein erstes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) gegründet. Gründungspraxis ist die Praxis Gerd und Nadja Ott, die seit dem 1. Januar als MVZ firmiert. UGHO-Geschäftsführerin Alexandra Eichner ist sich sicher: „Wir gehen mit der Gründung des MVZ einen wichtigen Schritt, um die ärztliche Versorgung in der Region zu sichern. Wir können dem Ärztemangel nicht tatenlos zusehen.“ Ziel sei, dass die Patienten weiter gut versorgt seien.

In den nächsten Jahren wird es immer weniger Ärzte geben und immer mehr Patienten. Bis 2035 – so prognostiziert die Robert-Bosch-Stiftung – wird die Hälfte aller Allgemeinmediziner in Rente gehen; vier von zehn Landkreisen in Deutschland werden dann zu wenige Hausärzte haben. „Das betrifft natürlich auch das Hofer Land und den Landkreis Wunsiedel“, sagt Alexandra Eichner. „Die Ärzteschaft ist auch bei uns überaltert. Den Hausärzten fehlen Nachfolger, immer mehr Praxen werden geschlossen.“ Gleichzeitig gebe es immer weniger medizinisches Fachpersonal – das verschärfe die Lage. Viele Praxen arbeiten bereits jetzt unterbesetzt. Was hingegen dauernd mehr werde, sei die Bürokratie, sagt Alexandra Eichner. Der immer größere Verwaltungsaufwand halte gerade junge Ärzte davon ab, sich überhaupt noch niederzulassen. „Die UGHO will aber nicht nur auf diese Missstände aufmerksam machen, sondern mit der Gründung eines MVZ aktiv etwas dagegen unternehmen.“

Ein MVZ ist eine ärztlich geleitete Einrichtung zur ambulanten medizinischen Versorgung, in der Vertragsärzte, aber auch angestellte Ärzte, unter einem Dach arbeiten. Im Gegensatz zur Einzelpraxis sind Inhaberschaft und ärztliche Tätigkeit organisatorisch voneinander getrennt. „Natürlich löst unser MVZ nicht alle Probleme auf einmal“, sagt Alexandra Eichner. „Aber es ist ein wichtiger Startpunkt.“

Für die Patienten der Praxis Ott in Rehau ändere sich gar nichts. Sie werden genauso wie bisher allgemein- und sportmedizinisch zu den gewohnten Sprechzeiten behandelt. Was sich ändert, ist die Organisationsform – Dr. Gerd Ott und Dr. Nadja Ott sind ab Januar Angestellte des neuen MVZ. Vor allem aber ändern sich die Handlungsspielräume: Das MVZ kann in Zukunft Ärzte anstellen. „Wir können Ärztinnen und Ärzten feste Arbeitszeiten, auch Teilzeit, anbieten“, sagt Alexandra Eichner. „Diese Möglichkeit suchen viele Mediziner, weil sich Familie und Beruf so besser vereinbaren lassen. Aber auch für ältere Ärzte ist das ein Anreiz: Sie können in Altersteilzeit weiterpraktizieren.“

Bereits jetzt sind in Deutschland 23 Prozent der niedergelassenen Hausärzte angestellt, Tendenz steigend. Der größte Vorteil des MVZ liegt laut UGHO-Mitteilung in der gemeinsamen Praxisorganisation und Verwaltung. „Wenn sich das MVZ um die Verwaltung kümmert, hat der Arzt mehr Zeit für seine Patienten“, betont Alexandra Eichner. In Rehau habe die UGHO mit der Eröffnung des MVZ eine weitere medizinische Fachangestellte eingestellt. Langfristig sollen die Praxisräume in Rehau außerdem barrierefrei werden.

Aus Dr. Gerd Otts Sicht sind Medizinische Versorgungszentren eine Chance für einen Richtungswechsel im Gesundheitswesen. Für die Arbeit mit den Patienten und speziell für die Aufgaben der vorbeugenden Medizin bleibe immer weniger Zeit, obwohl deren Bedeutung wachse, um den Anstieg chronischer Erkrankungen zu bremsen. „Drei Jahre Corona sind Beweis genug, dass das ambulante Gesundheitswesen an Grenzen stößt“, sagt Ott. Eine Konkurrenz zu den bisherigen niedergelassenen Ärzten ist das MVZ ausdrücklich nicht, sagt Alexandra Eichner. „Das MVZ wird selbstverständlichen mit vorhandenen Praxen zusammenarbeiten.“

Auf Nachfrage teilt Eichner mit, dass es weitere MVZ-Filialen geben soll. Rehau sei die erste. Welche Praxen und welche Ärzte sich noch anschließen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

 

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