Mehr Kinder Selb braucht mehr Kita-Plätze

Im Nikolaus-Kindergarten entstehen zurzeit zwei zusätzliche Krippengruppen mit zusammen 24 Plätzen. Aber auch das reicht noch nicht, um allen Kindern passende Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Foto: /Florian Miedel

Der Stadtrat erkennt 1163 Betreuungsplätze an. Deswegen müssen über die geplanten Neubauten und Erweiterungen hinaus noch302 geschaffen werden.

Die Zahl der Kinder in Selb nimmt zu – und damit auch die Notwendigkeit, weitere Betreuungsplätze zu schaffen. Der Stadtrat hat jetzt einen Bedarf von 1163 Plätzen anerkannt. Zwar gibt es schon konkrete Planungen – nämlich die bereits laufende Erweiterung des Nikolauskindergartens und den Neubau des Awo-Kindergartens –, aber auch das reicht nicht aus. Selbst diese zusätzlichen Plätze eingerechnet, fehlen noch immer 302 dauerhafte Betreuungsplätze. Die könnten an den Standorten Jahnstadion, in der Oberen Bergstraße und in der Hanns-Braun-Straße entstehen.

Kämmerer Heinrich Moser stellte im Stadtrat die aktuellen Zahlen und die Planungen vor. Nach seinen Worten hatte der Stadtrat erst im April 980 Betreuungsplätze anerkannt. Diese Anerkennung ist wichtig für die weitere Planung und Umsetzung. Nach neuesten Erkenntnissen und der Überarbeitung der Bedarfsplanung vor dem Hintergrund des gesetzlichen Anspruches auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder haben sich demnach die Zahlen geändert. Der aktuell geschätzte Bedarf steigt nach Auswertungen des Einwohnermeldeamtes und einer Elternbefragung von 194 auf 377 Plätze für Schulkinder. Daher steigt der Gesamtbedarf eben auf 1163 Plätze. Das sind 183 mehr als im April anerkannt.

365 neue Plätze

Aus den vorliegenden Zahlen ergibt sich laut Moser, dass 365 dauerhafte Betreuungsplätze neu geschaffen werden müssen. Dafür gebe es bereits zwei konkrete Maßnahmen: Erstens würden im Anbau an den Nikolaus-Kindergarten zwei zusätzliche Krippengruppen mit 24 Plätzen zu Verfügung stehen. Nach erheblichen Verzögerungen wegen Corona, Ukraine-Krieg, Rohstoffmangel und Finanzierung hätten die Bauarbeiten nun begonnen. Fertig werden soll der Anbau im August 2023. Der Termin sei allerdings nur zu halten, wenn es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt.

Zweitens werden im Neubau des Awo-Kindergartens 39 Plätze zur Verfügung stehen. Mit dem Bau soll voraussichtlich im Frühjahr 2023 begonnen werden. Zurzeit sei man noch in der Planungsphase, ein Vorentwurf werde bis Mitte November erwartet und soll dann mit dem Landratsamt abgestimmt werden.

Fahrplan der Verwaltung

Nichtsdestotrotz fehlen dann nach Mosers Rechnung immer noch 302 dauerhafte Betreuungsplätze. Deswegen habe die Verwaltung folgenden Fahrplan ausgearbeitet: So soll zum einen im Jahnstadion ein Kinderhaus mit vier Kindergartengruppen und zwei Krippengruppen, insgesamt 124 Plätze, entstehen. Angestrebt werde eine Fertigstellung im Jahr 2024. Für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern, die ab 2026 eingeführt wird, biete sich demnach zwei weitere Standorte an, nämlich in der Oberen Bergstraße auf dem Areal der ehemaligen Brauerei und in der Hanns-Braun-Straße.

Der Standort Obere Bergstraße sei ideal, da er nahe an der Luitpoldschule liege. Allerdings befinden sich Grundstück und Gebäude noch nicht im Besitz der Stadt. Erst nach dem Abriss könnte eine Kindertagesstätte gebaut werden. Geld für den Kauf sei im Haushaltsentwurf 2023 vorgesehen. Insgesamt sollen letztlich für die Luitpoldschule 157 Plätze für die Ganztagsbetreuung von Grundschülern zur Verfügung stehen.

Im Vorwerk habe die Stadt ihr Vorkaufsrecht für die Häuser Hanns-Braun-Straße 1, 3 und 5 wahrgenommen. Aktuell seien die Gebäude 1 und 3 noch bewohnt, Haus Nummer 5 stehe bereits leer. Die Gebäude könnten abgerissen werden, um auf dieser Fläche ein dreigruppigen Kinderhort mit 75 Plätzen zu bauen. Insgesamt sind für die Bogner-Grundschule 150 Plätze für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern vorgesehen. Moser machte aber deutlich, dass sich die tatsächliche Entwicklung des Bedarfs nicht exakt vorhersehen lasse: „Das ist ja ein fließender Prozess.“ Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe jedoch gezeigt, dass der Bedarf konstant angestiegen ist. „Diese Planung ist wichtig für den Familienstandort Selb“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. Zunehmend würden Familien neu oder zurück nach Selb ziehen. Mit dem vorliegenden Vorschlag definiere man einen Fahrplan für die Zukunft.

Der Stadtrat zeigte sich mit dem Vorgehen einverstanden.

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