Messer-Mord in Bayreuth 40 Hinweise auf möglichen Täter eingegangen

An der Stelle, an der Daniel W. ermordet wurde, steht ein Kreuz.Foto:Eric Waha Foto:  

Der Fall erschütterte die Nachbar-Region Oberfranken: Der brutale Mord an einem 24-Jährigen in Bayreuth. Nach der Veröffentlichung zweier Täterprofile schöpfen die Ermittler Hoffnung. Die ersten Hinweise sind da. Aber noch gibt es keine Spur nach dem Mord am Computerfachmann Daniel W.

Bayreuth - Nach dem Aufruf der Polizei, verdächtiges Verhalten im eigenen Umkreis nach dem Mord an Daniel W. (24) zu melden, sind etwa 40 Hinweise eingegangen. Diese Zahl nannte Alexander Czech, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken auf Anfrage des Kuriers. „Zum Teil sind gute Hinweise“ dabei, sagte er, einige seien schon bekannt gewesen. „Dennoch sind die Ermittler für jeden noch so kleinen Hinweis dankbar bei einem Tötungsdelikt“, sagte Czech.

Fünf Monate sind seit dem Mord in Oberkonnersreuth vergangen, die Polizei hat immer noch keine heiße Spur. Aber vergangene Woche hat Profiler Alexander Horn zwei mögliche Täterprofile erstellt. Er geht entweder von einem psychisch kranken Täter aus oder von einem Menschen, der von Mordlust getrieben war. In beiden Fällen, so der Profiler, müssten im Freundes-, Familien- oder Kollegenkreis des Täters Veränderungen bei diesem aufgefallen sein – nach oder sogar schon vor der Tat.

Horn geht davon aus, dass der Computer-Fachmann Daniel W. (24) „zur falschen Zeit am falschen Ort“ war. Dies lege vor allem der Ort nahe: abgelegen, absolut dunkel und gute Fluchtwege. Der Täter habe diesen Ort nicht zufällig gewählt, sondern kannte ihn. „Er muss einen Bezug zu Bayreuth haben“, sagte Horn. Die Ermittler gehen von einem Mann aus, der vermutlich über Ortskenntnisse verfügt“. Außerdem könnte er im Vorfeld der Tat „öfters ohne spezifischen Anlass in den Nachtstunden im Stadtgebiet unterwegs gewesen sein“. Wie alt er sein könnte, wollen sich die Ermittler nicht festlegen.

Sie gehen aber davon aus, dass „eine sofortige Gewaltanwendung erfolgte, ohne dass es zu einem Kampf kam. Offenbar führte der Täter, schon für eine denkbare Tatbegehung vorbereitet, ein Messer mit“, wie Horn sagte. Bei solchen Taten seien „Gefühle, wie irrationale Angst und die Abwehr subjektiv empfundener Bedrohungen handlungsleitend“. Es wäre denkbar, dass es zu einem gesteigerten Empfinden von Angst oder Verfolgungsideen oder einem Bedrohungserleben kam und dies dem sozialen Umfeld möglicherweise auch mitgeteilt wird. Der Täter könnte also über sein Tat gesprochen haben. Oder er hat öfter seine Medikamente gar nicht mehr oder nur unregelmäßig genommen. Damit verbunden sind häufig auch Phasen emotionaler Instabilität und Reizbarkeit. Dies kann zu einem erhöhten Ausmaß an Aggression im Umgang mit anderen Personen führen. „Zur Abwehr der gefühlten Bedrohung kommt es dabei häufig zu einer Bewaffnung und dem permanenten Mitführen von Waffen oder waffenähnlichen Gegenständen“, so Horn. Erkennbar wäre dies laut dem Ermittler daran, dass sich der Täter nach dem 19. August „total zurückgezogen“ hat oder seitdem in einer „dauerhaften Isolation“ lebt. Damit einhergehend sei vorstellbar, dass der Täter nicht mehr zu seinem Arzt oder Therapeuten gegangen ist. „Sofern es möglich ist, wäre auch ein überraschendes Verlassen der gewohnten Umgebung denkbar“, so Horn.

Die zweite Möglichkeit, die Horn in Betracht zieht, ist eine Tat aus reiner Mordgier, die der Befriedigung „einer Tötungsfantasie“ gedient hat. Erkennbar wäre dies durch den Konsum von Medien mit Gewaltdarstellungen, beispielsweise Videos, Ego-Shooter-Spiele oder entsprechende. Der Täter könnte sich vorher mit solchen Taten beschäftigt haben oder sogar mit Menschen aus seinem Umfeld vorher darüber gesprochen haben. Eventuell habe er „sogar eigene Ideen zur Nachahmung geäußert“, sagt Horn. „Häufig zeigen solche Täter eine hohe Affinität zu Waffen, haben das Bedürfnis, mit diesen zu hantieren und auch zu posieren.“

Nach der Tat wäre es nach der Einschätzung des Profilers denkbar, dass der Mörder „die Gegend verlassen oder soziales oder geografisches Vermeidungsverhalten gezeigt“ habe. Auf Deutsch: Er wollte nach Mittwoch, 19. August 2020, nicht mehr nach Oberkonnersreuth oder ist plötzlich sogar ganz umgezogen. „Ein auffallendes Interesse oder Desinteresse an der Berichterstattung über das Delikt wäre ebenso als weitere Verhaltensweise vorstellbar“, fügt Horn hinzu.

Zu dem Schritt, mit einem Täterprofil an die Öffentlichkeit zu gehen, entschließen sich Ermittler, wenn sie kein Motiv finden oder die Spuren in keine bestimmte Richtung zeigen. So haben sie auch das Handy des Computerfachmanns ausgewertet. „Es haben sich noch keine Anhaltspunkte ergeben, die im Zusammenhang mit der Tat gebracht werden könnten“, sagt ein Ermittler. Die Daten zu durchsuchen habe „einiges an Kapazitäten gefordert“, die Ermittler seien über „Monate drüber“ gewesen. Allerdings heißt das nicht, dass es gar keine Anhaltspunkte gibt. Die Daten wurden ausgewertet und danach sei man „den Spuren nachgegangen“. Gleiches gilt für die den Computer des Opfers. Dort müssen die Ermittler „mehrere Tera-Byte“ durchsuchten. „Die werden noch überprüft“, sagt Czech.

Die Nummer der eigens eingerichteten Sonderkommission (Soko) „Radweg“ lautet 0921/506-2444. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen, hat die Kriminalpolizei Bayreuth zusammen mit dem Bayerischen Landeskriminalamt eine Auslobung in Höhe von 10.000 Euro erreicht.

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