Das Finanzministerium plant daneben weitere Maßnahmen. Für die Anschaffung neuer, rein elektrisch betriebener Lieferfahrzeuge soll es von 2020 bis 2030 eine Sonderabschreibung geben. Diese soll einmalig 50 Prozent der Anschaffungskosten betragen und damit die reguläre Abschreibungsmöglichkeit ergänzen.
Ebenfalls verlängert werden sollen Steuervorteile von Diensträdern. Die kostenfreie Überlassung eines Dienstfahrrades auch für private Zwecke ist für den Beschäftigten seit 2019 steuerfrei. Dies ist bisher bis Ende 2021 befristet und soll bis Ende 2030 verlängert werden.
Damit Arbeitnehmer verstärkt öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen nutzen, soll es zudem steuerliche Verbesserungen beim Job-Ticket geben. Geplant ist eine neue Pauschalbesteuerung ohne Anrechnung auf die Entfernungspauschale. Durch die neue Möglichkeit soll dem Arbeitgeber die Möglichkeit gegeben werden, die Akzeptanz von Job-Tickets zu erhöhen.
Kritik an den Steuerplänen der Regierung zur E-Mobilität kam vom Umweltverband BUND. Verkehrsexperte Jens Hilgenberg sagte, die Bundesregierung unterstütze weiter Fehlentwicklungen der Autobranche. So werde auch weiterhin mit Steuergeld der Kauf großer, schwerer Plug-in-SUV gefördert. Diese verbrauchten im Realbetrieb aber oft ein Vielfaches der offiziellen Angaben. Stattdessen müsse vor allem die Entwicklung leichter und sparsamer E-Autos gefördert werden.
Die Grünen-Finanzpolitikerin Lisa Paus sprach von einer "Sackgasse". Die Förderung von umweltschädlichen Hybrid-Dienstwagen solle weiterlaufen. "Das ist industriepolitischer Irrsinn." Angesichts der enormen Herausforderungen im Verkehrssektor im Bereich des Klimaschutzes sei eine radikale Kehrtwende notwendig mit einer grundlegenden ökologischen Reform der Dienstwagenbesteuerung. Nur komplett emissionsfreie Autos sollten in den Genuss der 0,5-Prozent-Regel kommen. Für alle anderen Fahrzeuge sollte die Besteuerung am CO2-Ausstoß ausgerichtet werden.
FDP-Fraktionsvize Christian Dürr sagte, Scholz liefere kein nachhaltiges Konzept: "Allein die benötigten Ladestationen sind in Deutschland nicht ansatzweise ausreichend und werden bei seinem Vorschlag nicht genügend berücksichtigt."
Der Chef des Energieverbandes BDEW, Stefan Kapferer, sagte, es sei ein gutes Zeichen, dass die Bundesregierung den Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität auch durch steuerliche Anreize beschleunige. Es müssten aber endlich rechtliche Hürden abgebaut werden, um die Installation von Ladesäulen am Arbeitsplatz, in Gewerbegebieten und in Mehrfamilienhäusern überhaupt zu ermöglichen.
Auch die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen, Katherina Reiche, forderte Regelungen für den Aufbau privater Ladepunkte im Wohnungsbau sowie die Förderung privater Ladeinfrastruktur. "Hier besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf."