Spritzen hinterm Werktor Minister Holetschek besucht Firmen-Impfzentrum

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek lässt sich das Impfzentrum der Firma Sandler zeigen. Schon im Juni soll aus dem Pilotprojekt bayrischer Impfalltag werden.

Schwarzenbach an der Saale - Man kann ja manchmal nur spekulieren. Politiker sagen gerne Sätze, die interpretationsintensiv sind. „Bär“, sagt Klaus Holetschek und wedelt mit dem Finger in Richtung des Hofer Landrats, „hat alle Gelegenheiten genutzt.“ Damit sagt er: a) der Schlawiner (was bayerischer wäre) oder b) der mit dem Chancen-Riecher (Jargon unter Sportsmännern).

Der Fakt, die der bayerische Gesundheitsminister anspricht: Das Hofer Land ist schneller in der Pandemie, wenngleich gebeutelt. Die Hausärzte impfen seit Wochen, und die ersten Firmen öffnen eigene Impfstationen – bevor sich München bewegt hat. Daher war es schon der Höflichkeit geschuldet, dass Holetschek die Firma Sandler in Schwarzenbach an der Saale (Landkreis Hof) besucht, wo am Mittwoch die Spritzen gezückt wurden.

Politiker reisen nie an, nur um ein konkretes Beispiel zu beklatschen, sondern um Größeres zu verkünden. 50.000 Impfdosen will der Freistaat in Firmen verteilen lassen. Zehn sind schon ausgesucht, 14 weitere sollen folgen. Ein „Meilenstein“ setze der Freistaat, ein Stein mit Perspektive. Im Juni sollen Betriebsärzte voll eingebettet sein in die Corona-Strategie – zumal sich im Mai die Priorisierungen in Bayern auflösen sollen. Im Bund kommt das alles erst später, das sagt Holetschek zwar nicht, aber er denkt es einem ins Gesicht.

Hilfe für Hotspots

Bei der Firma Sandler steht Holetschek nicht zufällig in der Sonne und teilt sich mit. „Wir haben Vliesstoff für eine Milliarde Masken produziert“, erklärt Firmenchef Christian Heinrich Sandler. Die Firma ist also eingebettet im Kampf gegen die Pandemie und sie steht in einer Region, die lange Rankink-Liste der deutschen Hotspots angeführt hat, die der Minister für baren Unsinn hält. Und diese Region hat wiederholt Sonderposten Impfstoff bekommen, um der hohen Inzidenz beizukommen, die Stadt Hof lag bei 560. Vorzupreschen tat Not.

So befürwortet der Minister, das Impfzentrum in Hof, wo alle Fäden zusammenlaufen, besser aufzustellen und die Bundeswehr hinzuzuziehen. „Vor allem in hochbelasteten Grenzgebieten ist es wichtig, die Bevölkerung und die Belegschaft von Unternehmen so schnell wie möglich zu impfen“, sagt Holetschek. Landrat Oliver Bär vergisst nicht herauszustellen, dass das gelinge. 36,3 Prozent der Menschen im Hofer Land hätten ihre Erstimpfung erhalten. Bezieht man nur die Altersklasse ab 16 ein, die geimpft werden kann, komme Hof auf 41,7 Prozent.

Warnungen und neue Freiheiten

In Schwarzenbach geht man es martialisch an. Firmenchef Sandler sieht uns im „Krieg gegen die Pandemie“, eine Pandemie, die man „überwältigen“ müsse. Betriebsärztin Dr. Martina Presch – Sandlers Schwester – sieht sich wegen der Bürokratie in den „Verwaltungskrieg“ verstrickt, aber nun stehe man ja „Gewehr bei Fuß“ – während Oberfeldarzt Michael Gebhardt in Flecktarn impft und General Thomas Hambach lieber von Pragmatismus und Schnelligkeit redet.

Holetschek, den Markus Söder im Januar wegen seiner ihm zugeschriebenen Macherqualitäten auf den Ministersessel gesetzt hat, redet in Schwarzenbach vom richtigen Weg des Freistaates. Fragt man ihn nach widersprüchlichen Signalen mit eindringlichen Warnungen vor Mutanten und vollen Intensivstationen einerseits und Freiheitsversprechen für Geimpfte und offenen Blumenläden und Fotostudios andererseits, überlegt Holetschek nicht lange. So, als ob er die Frage nicht recht verstanden habe, spricht er vom strengen Bayern, in dem keiner nach 22 Uhr joggen darf und Schüler nicht schon unter einer Inzidenz von 165 wieder ein Schulportal durchschreiten dürfen. „Ansonsten haben wir ja Bundesrecht adaptiert.“

Allianz der Firmen

Froh stimmt ihn das Engagement der Firmen. Der Staat liefere den Impfstoff, den Firmen nicht kaufen können, logistisch seien schon jetzt viele Firmen auf zack – schon aus Eigeninteresse. Das ist das Stichwort für Unternehmer Christian Heinrich Sandler. In der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft hätten sich schon 450 Betriebe zu einer Impfallianz zusammengefunden. Und er, Sandler, lade kleinere Firmen der Region, die die Impflogistik nicht stemmen können, zu sich ein. Holetschek mahnt zu Tempo: „Gerade wenn wir uns die Belegung der Intensivbetten anschauen, stellen wir fest, dass immer mehr jüngere Menschen, die im Arbeitsleben stehen, schwer an Covid-19 erkranken.“

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