Mister Olympia aus Wunsiedel Walther Tröger begann als Handballer

Die zweite Feldhandball-Mannschaft des VfL Wunsiedel im Jahr 1947. Mit dabei waren (von links): Erich Putz, Günther Hohenberger, Wolfgang Böttler, Walther Tröger, Wolfgang Hille, Herbert Taubald, Bernhard Unglaub und Hans Köstler sowie (knieend von links) Georg Mergner, Hans Müller und Fritz Hübner. Foto:  

Der jüngst verstorbene Sportfunktionär stammt nicht nur aus Wunsiedel, sondern war dort auch beim VfL aktiv. Nach seinem Abitur ging er zum Studium nach Nürnberg.

Wunsiedel - Kurz vor dem Jahreswechsel, am 30. Dezember, ist mit Walther Tröger einer der bekanntesten Wunsiedler der jüngeren Geschichte in seinem Wohnort Frankfurt gestorben. In der Geburtsstadt des bekannten Sportfunktionärs (die Frankenpost berichtete) ist nur wenig über seine Zeit in Wunsiedel überliefert. Handball-Urgestein Roland Schöffel hat deshalb tief in seinem Archiv gestöbert und zumindest ein Foto von 1947 gefunden. Darauf ist auch Walther Tröger als Mitglied der zweiten Feldhandball-Mannschaft des VfL Wunsiedel zu sehen.

„Ich habe noch von meinem Vater gewusst, dass ein Foto mit Walther Tröger existiert“, sagt Roland Schöffel, der am Wochenende seine Unterlagen durchforstete. Allerdings sei das Originalfoto im Besitz von Thomas Böttler, der es wiederum von seinem Vater Wolfgang hat, der ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist. Abgedruckt wurde das Zeitzeugnis erstmals in einer Jubiläumsmappe „50 Jahre Handball in Wunsiedel“. Und daraus hat Schöffel das Bild abfotografiert und an die Redaktion geschickt.

„Leider gibt es kaum mehr Zeitzeugen“, bedauert der ehemalige Erfolgstrainer des VfL Wunsiedel. Und so hat auch er nur wenige Informationen zur Geschichte des Mannschaftsfotos aus den Aufzeichnungen seines Vaters. Bekannt ist demnach, dass der VfL Wunsiedel 1947 in die Bayerische Feldhandball-Oberliga aufstieg. Die Aufnahme entstand jedoch bei einem Freundschaftsspiel, als Lokomotive Chemnitz aus der damaligen russischen Besatzungszone zu einer deutsch-deutschen Begegnung in Wunsiedel zu Gast war. Gegen wen die abgebildete zweite Mannschaft spielte, ist hingegen ungewiss.

Über Walther Trögers Biografie aus der Kriegs-und Nachkriegszeit ist bekannt, dass er am 4. Februar 1929 in Wunsiedel das Licht der Welt erblickte und in Breslau als Sohn eines Regierungsrats aufwuchs. Tröger besuchte das Elisabet-Gymnasium in Breslau, nach Flucht und Kriegsende machte er sein Abitur in Wunsiedel und studierte danach von 1947 bis 1951 Jura an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Das Foto entstand also genau in dem Jahr, als Tröger zu studieren begann und seine Heimatstadt verließ. Während seiner Studienzeit war er auch aktiv beim 1. FC Nürnberg und beim TV Erlangen.

Als Student entdeckte Tröger den Basketball-Sport für sich, spielte für die Universität Erlangen in der Hochschulmannschaft und übernahm den Posten als Basketball-Obmann. Dies war der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere als Sportfunktionär.

Schon 1954 war er für die Ausrichtung des ersten Länderspiels der bundesdeutschen Studentennationalmannschaft zuständig, in dem das Team in Darmstadt auf Frankreich traf. Von 1964 bis 2002 war Walther Tröger als Mannschaftsleiter in verschiedenen Funktionen – unter anderem war er achtmal Chef de Mission – bei Olympischen Winter- und Sommerspielen für Deutschland dabei. Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi waren altersbedingt die letzten für ihn. 27-mal war Tröger in leitender Position bei Olympischen Spielen im Einsatz, dies brachte ihm auch den Ehrentitel „Mr. Olympia“ ein und bedeutet bis heute olympischen Rekord. In seiner langen Laufbahn als Sportfunktionär, unter anderem war er auch von 1976 bis 2006 Vizepräsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB), nahm Tröger zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen für seine Verdienste entgegen, so etwa das Verdienstkreuzes Erster Klasse (1984), das Große Bundesverdienstkreuz (1994) und die Ernennung zum Ritter des Verdienstordens der Französischen Republik sowie Landesehrungen durch die Bundesländer Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

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