Mit einem Hattrick McNeill schießt Selb über den Strich

Christian Dreßel
Einfach nicht zu stoppen: Der formstarke Wölfe-Angreifer Mark McNeill (links), der in Weißwasser drei Tore zum Auswärtssieg der Selber beisteuern konnte. Foto: Thomas Heide

Die Selber stehen nach dem 4:1-Sieg in Weißwasser wieder auf einem sicheren Tabellenplatz der DEL2. Noch formstärker als seine Teamkollegen ist nur McNeill – der Kandier trifft dreifach.

Es war das i-Tüpfelchen auf dem Galaauftritt von Mark McNeill. Es läuft die letzte Spielminute des Abstiegskrachers seiner Selber Wölfe bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2, als der Kanadier die Scheibe sehenswert über alle Gegenspieler hinweg in das leere Tore der Hausherren lupft. Die zahlreichen mitgereisten Fans aus dem Fichtelgebirge setzen zu hallenden „Auswärtssieg, Auswärtssieg“- Gesängen an, die Selber Mannschaftskollegen drehen indes jubelnd zu McNeill ab. Es ist sein drittes Tor an diesem Abend, und der Treffer zum 4:1-Endstand in Weißwasser. Die Wölfe fahren – angeführt von ihrem Knipser – den nächsten wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt ein. Das Team von Sergej Waßmiller springt durch den Sieg beim direkten Rivalen zum ersten Mal seit Anfang Dezember auf Platz zehn. Der wäre am Ende der Spielzeit gleichbedeutend mit dem Ligaverbleib. Der Deutsch-Russe lobte seine Mannschaft hinterher für ein „fast perfektes Auswärtsspiel“. Und Heimcoach Petteri Väkiparta sprach nach dem Spiel ehrfurchtsvoll von einem der härtesten Gegner, auf den seine Füchse in dieser Saison getroffen wären. „Sie haben große Männer und sind kämpferisch sehr stark. Selb hat verdient gewonnen“, zollte der Finne Respekt.

Powerplay sticht wieder

Zu Beginn war es aber noch recht ausgeglichen in Weißwasser: Beide Mannschaften fanden gut in die Partie. Die Hausherren legten mit einer Doppelchance noch in der ersten Spielminute los, doch Selbs Goalie Michel Weidekamp war beide Male zur Stelle. Dessen Vorderleute meldeten erste Torgefahr durch ein tollen Pass von Nick Miglio in den Slot an, aber Nikita Naumann scheiterte mit der Direktabnahme an Heimkeeper Ville Kolppanen (4.). Einen unnötigen Puckverlust der Füchse im Mitteldrittel konnte Miglio kurze Zeit später nicht nutzen, sein Schuss ging knapp über das Gehäuse (7.). Dann übernahm Weißwasser wieder das Zepter und die Wölfe sahen sich gleich drei Großchancen ausgesetzt (9.). Ein gut reagierender Weidekamp und eine aufopferungsvolle Verteidigungsarbeit verhinderten aber den Gegentreffer.

Gleich die erste Gelegenheit eines Powerplays münzten die Wölfe dann in die Führung um: Daniel Schwamberger musste in Überzahl nur noch den Schläger hinhalten. (16.). Das Überzahlspiel der Selber wird zuletzt endlich ein wenig konsequenter. Nach dem 2:1-Siegtreffer beim Spiel am Dienstag in Dresden war es das nächste Powerplaytor für das in dieser Kategorie schwächste Team der Liga. Noch wichtiger: Die Wölfe drückten dem Spiel in der Lausitz weiter ihren Stempel auf. Auch Jakub Kania, der fünf Jahre in Weißwasser gespielt hatte, stellte in der ersten Drittelpause zufrieden fest: „Das war ein großartiger Start für uns.“

Wölfe nur kurz geschockt

Und beinahe hätten die Selber noch einen draufgelegt. Wieder war es Schwamberger – diesmal verfehlte der Angreifer in Überzahl am zweiten Pfosten jedoch die Scheibe – weite Teile von Kolppanens Tores standen da offen (21.). Dann bewies Weißwassers Hunter Garlent, warum er zu den gefährlichsten Spielern der Liga gehört. In der 26. Minute scheiterte der Kanadier nach einem energischen Solo noch an Weidekamp, eine Zeigerumdrehung später war es allerdings passiert. Selb war im zweiten Spielabschnitt hektischer, der bittere Ausgleichstreffer die Folge. Garlent schloss eiskalt an Weidekamp vorbei zum 1:1 ab (27.). Kurz darauf hätte Louis Anders den Verlauf der Partie beinahe völlig auf den Kopf gestellt, nachdem er einen Schuss direkt vor Selbs Goalie abfälschte (30.). Weidekamp parierte allerdings prächtig. Selb dagegen ließ im zweiten Drittel zwar drei Powerplays ungenutzt, schlug dann aber trotzdem zurück – durch den dreifachen McNeill. Der kanadische Knipser strotzt aktuell nur so vor Selbstvertrauen und schickte, nachdem er vor dem Tor etwas glücklich einen Abpraller bekam, Kolppanen wie einen Schuljungen auf den Boden. Bei seinem zweiten Streich erreichte ihn die Scheibe abermals direkt vor dem Tor, diesmal hämmerte der Ex-Teamkollege von Leon Draisaitl den Puck ins Netz (47.). Filigran oder wuchtig – McNeill kann offensichtlich beides.

Der euphorisierte Selber Anhang durfte kurz vor Schluss dann noch den dritten Treffer von Mark McNeill bejubeln. Der Kanadier traf wie eingangs beschrieben spektakulär per Heber ins verwaiste Heimtor. Es waren die Treffer zehn, elf und zwölf für den 29-Jährigen in den vergangenen elf Spielen. Waßmiller freute sich einfach nur, dass seine Wölfe die Tore genau zum richtigen Zeitpunkt gemacht hätten. Wohl dem, der so einen Stürmer wie McNeill in seinen Reihen hat.

Selber Fans attackiert

Abseits des Eises kam es dagegen zu äußerst unschönen Szenen. Selber Fans sollen nach dem Spiel von aufgebrachten Heimanhängern angegangen worden sein. Dem Vernehmen nach schritten dann Lausitzer Unterstützer ein und schützten die Gäste vor weiteren Übergriffen der wütenden Meute.

Selber Wölfe: Weidekamp (Spiewok) – Silbermann, Fern, Naumann, Lavallée, Kania, Noack, Kruminsch, Miglio, Trska, Melnikov, Woltmann, Schwamberger, Reddick, Hammerbauer, Deeg, Gelke, Vantuch, Schaaf, McNeill.

Schiedsrichter: Becker/Steinecke. – Zuschauer: 2443. – Tore: 16. Min. Schwamberger (Noack, Trska; 5-4 ) 0:1, 27. Min. Garlent (Panocha, Zauner)1:1, 33. McNeill (Vantuch, Lavallée) 1:2, 47. Min. McNeill ( Kruminsch) 1:3, 60. Min. McNeill (eng) 1:4. – Strafminuten: Weißwasser 8, Selb 2.

 

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