Mit Harry Tröger Ein Shanty für die Wärschtlamänner

Fürs Youtube-Video hat das Wärschtlamo-Shanty Bilder im Comic-Stil verpasst bekommen. Foto: Screenshot

Der Hofer Stadtheimatpfleger Leo Reichel hat den Wärschtlamännern ein Lied geschrieben. Die Umsetzung übernahm Harry Tröger von der Kultband Waldschrat.

Hof - Ein Loblied haben sie wahrlich verdient, die unerschütterlichen Gesellen, die in der Hofer Altstadt hinter ihren Messingkesseln dem Unbill des Hofer Wetters trotzen. Sie stehen bereit, um bei Bedarf Wiener, Knacker, Debreziner und mehr aus dem heißen Wurstwasser zu angeln, auf dass sie die knurrenden Mägen der Vorbeigehenden füllen mögen. Weil ihresgleichen das seit 150 Jahren tut, haben sie die Hymne, die ihnen zusteht, nun tatsächlich bekommen, die Wärschtlamänner. Anlässlich des von der Stadt Hof ausgerufenen Jubiläumsjahrs hat Leo Reichel, Stadtheimatpfleger und einstiger langjähriger Leiter des Hauptamts, dafür Sorge getragen, indem er – „als alter Musik-Freund“, wie er sagt – selbst eine verfasst: das Wärschtlamo-Shanty, das seit Freitag auf Youtube zu hören ist. Eingespielt hat es ein echtes Urgestein der oberfränkischen Mundart-Musikszene: Harry Tröger, bekannt als Sänger und Schlagzeuger von Waldschrat und den Frankorigines, zusammen mit Gitarrist Ralf Wunschelmeier.

Zum Selbstzweck ist das humorige Liedchen nicht entstanden. „Die Wärschtlamänner sind ein Alleinstellungsmerkmal, um das uns andere Städte beneiden, ein Werbefaktor“, sagt Reichel im Gespräch mit unserer Zeitung. „Warum sollte man das nicht nach außen darstellen?“ Und doch hat der Stadtheimatpfleger mit seinem humorigen Liedchen mehr im Sinn als nur eine Imagekampagne.

Es soll die Hofer und Ex-Hofer ansprechen, für die die Wärschtlamänner „ein Stück Heimat“ sind. „Meine Freunde, die Ex-Hofer sind, kaufen sich immer, wenn sie nach Hof kommen, ein der Altstadt ein paar Bauernwärscht“, berichtet er. Dass der eingängige Zweieinhalbminüter – „hätte ich alle Strophen verwendet, wären es bestimmt zehn Minuten geworden“, sagt Reichel – bei Einwohnern wie Weggezogenen gleichermaßen gut ankomme, zeige auch die Klickzahl: Sie liegt bereits bei über 1600. „Für ein regionales Lied im Hofer Dialekt ist das gigantisch“, findet sein Schöpfer. „Ein Hamburger hört sich das ja nicht an.“

Langfristig hofft Reichel, dass sich sein Song zu einem echten Traditionslied mausert – das künftig auch bei Volksfesten, beim Schlappentag und sonstigen geselligen Anlässen, „zum Beispiel beim Polterabend mit der Quetschkommode“, gespielt wird. Wer es haben wolle, könne es haben. „Ich habe die Rechte daran“, erklärt der Urheber.

Eine Hofer Brauerei habe schon Interesse daran bekundet, es auf der firmeneigene Internetseite einzubinden. Auch Alleinunterhalter möchten es bereits haben und spielen. Geld nimmt der Stadtheimatpfleger dafür nicht. Auch auf CD wird der Song nicht zu haben sein, denn: „Da steckt nicht Gewerbsmäßiges dahinter.“

Da Leo Reichel, selbst kein Musiker, Waldschrat-Fan ist „und es ja auch musikalisch irgendwie zusammenpassen muss“ lag es nahe, die Umsetzung seines Mundartliedes samt Gesang in die Hände Harry Trögers zu legen, der im Text seines Kult-Songs „Neigschbeit“ einst einen Münchberger Wärschtlamo sich in seinen Kessel übergeben ließ. Wie auch Gitarrist Ralf Wunschelmeier sei Tröger sofort offen dafür gewesen, das lokale Projekt zu unterstützen. Das Ergebnis bewegt sich mit seinen eingängigen, beherzt gespielten Gitarrenlinien, seinem noch eingängigeren Refrain, seinem schunkelnden Schlagzeug-Groove und Trögers typisch nonchalanter Intonation zwischen sachtem Bierzelt-Rock und leichtfüßigem Folk, wie er im Pub nicht fehl am Platze wäre.

Letzteres verwundert keinesfalls: Musikalisch liegt das aus dem 19. Jahrhundert stammende neuseeländische Walfängerlied „The Wellerman“ zugrunde. Anfang 2021 erfuhr der Song durch Versionen der britischen A-cappella-Gruppe The Longest Johns und des britischen Folksängers Nathan Evans enorme Popularität. Evans landete mit seiner Version einen Nummer-eins-Hit in Deutschland und löste auf der Social-Media-Plattform Tiktok einen Shanty-Hype aus. Auch Leo Reichel hat es die Melodie angetan: „Sie geht gut ins Ohr.“ Da galt es nur noch, das Versmaß des Textes auf sie abzustimmen. Dass sie als alter Folk-Standard nicht urheberrechtlich geschützt ist, kam dem Hofer für seine Adaption zupass.

Ob sich das „Wärschtlamo Shanty“ zum lokalen Hit mausern wird – die Zeit wird es zeigen. „Viele positive Mails“ habe Reichel l schon bekommen, wie er zu berichten weiß: „Alle sagen, das ist ein toller Song, groovy und rockig – da zuckt man richtig mit.“

Gnagger, Weißa, Debreziner,

schmeggn dann uns aa die Wiener,

in a Laabla neigedriggt,

Mensch do wärscht veriggt.

In Hof do gibbds na Wärschtlamo, Wärschtlamo, Wärschtlamo,

in Hof do gibbds na Wärschtlamo,

do semmer alla froh!

Im Messingkessel mit vill Mieh,

in derr eigna Wärschtlabrieh,

sorgn die Wärscht fier Abbedidd,

do singmer olla midd:

In Hof do gibbds na Wärschtlamo, Wärschtlamo, Wärschtlamo,

in Hof do gibbds na Wärschtlamo,

do semmer alla froh!

Dess Hofer Wedder hodd sein Reiz,

im Sommer regnts,

im Friehjohr schneids,

doch aaner, der stedd immer do,

dess iss der Wärschtlamo.

A Ledderjubbn hodder dro,

a weißa Scherzn vorne no,

a Betsch am Nischl schitzt vo ohm,

do missmern scho moll lohm.

Die Bolidigg wärd in der Nacht,

oder bei amm Bier gemacht,

senn olles bloos Schlawiner,

schluggs no midd am Boor Wiener.

Der Pfarrer vo der Kanzl spricht:

„Die Hofer Wärscht senn a Gedicht,

musst nedd auf Galiläa laafn,

in Hof kohst derra kaafn.“

Ob aus Hof oder ganz fern,

olla meeng die Wärschtla gern,

und – do sooch iech kanna Grempf,

am besten schmeggds midd Sempft.

Autor

 

Bilder