Mittelschule Oberkotzau In elf Jahren zur Mittleren Reife

Der Schulleiter der Mittelschule Oberkotzau berichtet von vielen Vorteilen. Die Anmeldung ist bereits angelaufen.

Ein neues Angebot soll ab dem kommenden Schuljahr auch an der Mittelschule Oberkotzau mehr Schülerinnen und Schülern einen mittleren Schulabschluss ermöglichen. Foto: /Schwappacher

In nur einem Jahr vom Quali zur Mittleren Reife – das kann ganz schön stressig sein. Vielen kommt deshalb das Modell „9 + 2“ gelegen. Worum es geht, sagt schon der Name: Nach der neunten Klasse stehen zwei Jahre zur Verfügung statt nur einem, wie es im M-Zug der Fall ist, um zum mittleren Abschluss zu gelangen. Als bislang dritte Schule im Hofer Land möchte auch die Mittelschule Oberkotzau diese Möglichkeit ab dem kommenden Schuljahr bieten – vorausgesetzt es kommt die nötige Anzahl an Schülerinnen und Schülern zusammen, um eine Klasse zu bilden. Wer möchte, kann sich dafür bereits anmelden. Ein „wertvolles Angebot“ sei das, sagt Schulleiter Gerd Kögler im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Es richtet sich vor allem an diejenigen Neuntklässer, die entweder den direkten Einstieg in die M 10 der Mittelschule mit Quali knapp verpasst haben oder Zweifel hegen, die Mittlere Reife in nur einem zehnten Schuljahr zu schaffen. Voraussetzung, um die M 10 besuchen zu dürfen, ist ein Notendurchschnitt im Quali von höchstens 2,33 in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Für die V-Klasse reicht auch ein Schnitt von 2,5 im Gesamtabschluss. Erreich ein Schüler oder eine Schülerin diesen Schnitt nicht, kann auch ein pädagogisches Gutachten der Schule eingereicht werden, das die Eignung bestätigt. Weitere Zugangsvoraussetzungen für „9+2“ sind, so steht es in einem Flyer, den die Mittelschule Oberkotzau zu dem Angebot erstellt hat, ein „Aufnahmegespräch durch die Klassenlehrkraft“, „Leistungsbereitschaft“ und eine „positive Einschätzung der Schule“.

Nicht nur haben die Schülerinnen und Schüler, die diesen Weg wählen, mehr Zeit zum Lernen und können die Inhalte intensiver wiederholen; bei „9 + 2“ gilt darüber hinaus das Klassenlehrerprinzip. Das heißt: Dieselbe Lehrkraft unterrichtet die Klasse in nahezu allen Fächern. Das kann von Vorteil sein, da so während der Vorbereitung auf den Abschluss eine feste Bezugsperson zur Verfügung steht, die ihre Schülerinnen und Schüler gut kennt, wodurch sie individuell auf Probleme eingehen und fördern kann. Schüler, die generell etwas mehr Übung brauchen, aber auch Spätzünder und solche, die erst spät erkannt haben, dass sich ein höherer Abschluss auch im Berufsleben auszahlen kann, können von dem Angebot profitieren. Auch für diejenigen, die im Quali nicht das Fach Englisch gewählt haben, kann es hilfreich sein, die Vorbereitungsklasse, wie „9 + 2“ auch genannt wird, zu belegen. Gute Englischkenntnisse nämlich spielen für die Mittlere Reife eine große Rolle. Haben die Absolventinnen und Absolventen die Mittlere Reife in der Tasche, steht ihnen danach zum Beispiel auch der Weg an die Fachoberschule (FOS) und damit zum Fachabitur offen.

Immer wieder komme es vor, erzählt Rektor Kögler, dass Lehrkräfte der neunten Klassen ihm berichteten: „Es gibt Schüler, die würden die Mittlere Reife schaffen, wenn es nur nicht in einem Jahr sein müsste.“ Auch im Hinblick auf die Corona-Situation, die zeitweise Distanzunterricht erforderte und noch immer viele Unterrichtsausfälle mit sich bringt, könne das zusätzliche Jahr sinnvoll sein. Doch der Schulleiter stellt mit Blick auf „9 + 2“ auch klar: „Wer hier lernt, braucht dennoch Motivation und eine gute Einstellung zum selbst-ständigen Arbeiten, da es eine große Stofffülle zu bearbeiten gibt.“

Bisher bieten im Hofer Land neben der Mittelschule Oberkotzau die Mittelschule Bayerisches Vogtland in Feilitzsch und die Mittelschule Helmbrechts das Modell „9 + 2“ an. „Wir wären also die einzige Schule mitten im Landkreis“, sagt Kögler. Für seine Schule als Standort spreche einiges: eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr etwa, aber auch die den Worten des Schulleiters zufolge gute technische Ausstattung.

Wie „9 + 2“ in Oberkotzau personell funktionieren soll, wo an der Grund- und Mittelschule doch zuletzt zahlreiche Unterrichtsstunden aufgrund von Personalmangel ausfallen mussten? „Ja, das hört sich vielleicht zunächst unglücklich an“, gibt Kögler zu. Doch habe man im vergangenen Schuljahr eine Lehrerin als mobile Reserve abgeordnet, die im nächsten Schuljahr wieder an ihrer Stammschule in Oberkotzau zur Verfügung steht und damit den personellen Mehrbedarf abdeckt.

Bereits jetzt habe man damit begonnen „9 + 2“ zu bewerben, berichtet der Rektor. Eine Lehrkraft sei jüngst an anderen Schulen unterwegs gewesen, um über das Angebot aufzuklären. Die Resonanz? Die sei bislang positiv.