Münchberg Neubauten ersetzen Nachkriegshäuser

Das erste städtische Mehrfamilienhaus seit 20 Jahren entsteht in der Bayreuther Straße. Unser Bild zeigt (von links): Bürgermeister Christian Zuber, Architekt Harald Knopf, Ralf Sprenger, Geschäftsführer der Sprenger GmbH, Tragwerksplaner Wolfgang Metzner, KWM-Leiter Michael Dietel und Liegenschaftsverwalter Heinrich Henniger Foto: /cs

In Münchberg verwaltet und saniert die KWM seit zehn Jahren städtische Gebäude. Jetzt errichtet sie ein erstes Haus für neun Familien in der Bayreuther Straße.

Münchberg - Für den Bürgermeister ist es der zweite Baustart hintereinander: Am Dienstag der Festakt für das gigantische 100 Millionen Euro teure Klinik-Projekt, am Mittwoch der Spatenstich für eine ebenfalls bedeutsame Baustelle: In der Bayreuther Straße entsteht ein Neubau mit neun Wohnungen. Zwar liegen die Kosten dafür mit 1,7 Millionen Euro deutlich niedriger, trotzdem markiert auch dieses Projekt einen Wendepunkt. Zum ersten Mal nach zwanzig Jahren baut die Stadt wieder ein Mehrfamilienhaus, und zwar über ihren Eigenbetrieb, die Kommunale Wohnungswirtschaft Münchberg, kurz KWM. Sie verwaltet die knapp 240 städtischen Wohnungen, verteilt auf 40 Gebäude.

Zeitpunkt passt

Bislang hat die KWM ihre Häuser „nur“ saniert – jetzt wagt sie sich an einen Neubau. „Der Zeitpunkt passt sehr gut“, findet Stadtwerke-Leiter Michael Dietel. Denn große Sanierungen, wie etwa in der Brunnengasse, seien abgeschlossen, nun habe man freie Kapazitäten für den Neubau. Und der entsteht auch nach Meinung von Bürgermeister Christian Zuber zur richtigen Zeit, weil im nächsten Jahr die Bayreuther Straße neu gestaltet wird. Da sie keine Bundesstraße mehr ist, ändert sich ihr Zuschnitt als Ortsstraße, sie wird schmaler, Gehwege und Parkflächen fallen nach der geplanten Sanierung großzügiger aus. Also weniger Durchgangsverkehr, dafür mehr Grün, auch neue Bäume sollen die Gehwege verschönern. Der Bedarf an hochwertigem Wohnraum sei da, bestätigen Zuber und Dietel.

Sie sehen das Projekt daher nicht als Konkurrenz zu dem Neubau, der auf dem Götz-Areal geplant ist. Auch hier führt die KWM Regie, angedacht sind Wohnungen im ersten Stock. Für die Erdgeschossflächen sucht die Stadt noch nach Lösungen, etwa für eine öffentliche Nutzung. Zuber ist sich jedoch sicher, dass die Nachfrage nach Wohnraum auf dem Götz-Areal trotz der neuen Wohnungen in der Bayreuther Straße bestehen bleibt.

Sozial verträglich

Die Baumaschinen rückten im Frühling in der Bayreuther Straße an und rissen die Gebäude mit den Hausnummern 47 bis 49 ab. Darin befanden sich zwölf Wohnungen. Den Wechsel für die Mieter gestaltete die KWM laut Dietel sozial verträglich, kümmerte sich um Ersatzwohnungen und half beim Umzug mit. Eine Sanierung der Gebäude aus den 50er-Jahren hätte keinen Sinn gemacht, erklärt der Leiter, die Substanz sei zu marode gewesen. Sobald die Baugenehmigung aus dem Landratsamt vorliegt, beginnen die Arbeiten. Architekt Harald Knopf rechnet in der nächsten Woche damit. Bis zum Winter soll der Rohbau stehen, eventuell kann sogar während der kalten Monate innen weitergearbeitet werden. Als Termin für die Fertigstellung hofft Dietel auf Herbst 2022.

Der Neubau besteht aus drei Etagen und bietet auf 840 Quadratmetern Platz für neun Wohnungen. Davon will die KWM drei verkaufen und sechs vermieten. Die Größen reichen von 75 bis 106 Quadratmeter.

Doch das ist nicht alles. In direkter Nachbarschaft befinden sich die Gebäude mit den Hausnummern 41 bis 45. Auch diese Nachkriegshäuser will die KWM abreißen. Wie der Architekt erklärt, wäre dort der gleiche Neubau möglich, ebenfalls für neun Wohnungen. Allerdings weiß die KWM noch nicht, wann sie diesen zweiten Bauabschnitt angeht. Zunächst möchte man laut Dietel den ersten fertigstellen. Anfragen für die Wohnungen gibt es bereits.

Für den Neubau sind Wärmepumpe und dreifach verglaste Fenster nach neuesten Standards vorgesehen. Auch durch die Barrierefreiheit will man als Bauherr Vorreiter sein.

Der Bürgermeister sieht die Kommunale Wohnungswirtschaft als Erfolgsmodell. Vor zehn Jahren entstand sie als Eigenbetrieb der Stadt. Vorausgegangen war der bislang einzige Bürgerentscheid in Münchberg. 2009 verhinderten die Bürger, dass die 200 städtischen Wohnungen an einen privaten Investor gingen. Um sie zu verwalten, hat die Stadt zwei Jahre später den Eigenbetrieb KWM gegründet.

Ihr Chef, der Stadtwerke-Leiter Michael Dietel, kümmert sich zusammen mit Verwalter Heinrich Henniger um die Immobilien. Die KWM kommt ohne Fremdmittel aus. Die Mieteinnahmen fließen in Sanierungen oder wie jetzt im Jubiläumsjahr in den Neubau an der Bayreuther Straße.

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