Mundart aus Arzberg Richtschnöierl fürs Le(b)m im Poesiealbum

Christl Schemm
Schneewittchen und die sie(b)m Zwerch aafm Poesiealbum: Innadrin spült aa die Mundart a Rolln. Foto: /Christl Schemm

Manchmal sen bunte Büldala und Mundart wichtiger wöi schlaue Sprüch. Wos ma als Kind scha vastäiht und wos nu niat.

Döi Taach is ma amal wieder maa alts Poesiealbum unter die Finger kumma. Es is vöiaeckert, ungefähr fuffzeah Zentimeter im Quadrat und in olwer gräins Kunstleder aabundn. Vorn draaf siaht ma, farwi, as Schneewittchen und ihre sie(b)m Zwerch zwischa Blemlan, Schwamma, Föichtn und Berch. Aasschaua tout des kloine Böichl nu wöi nei. Koa Seitn is zrissn, da Aaband einwandfrei in Ordnung.

Döi Sprüchla und Weisheiten, waou maa meine Schöllfreindinnen und maa Famüli in des Album eigschrie(b)m hom, sen va 1964 und 1965. Also wari za dera Zeit nei, zeah Gaouher olt. Wahrscheinli howi niat amal die Hölft vo dean vastandn, wos daou zwischer Hochglanzbüldlan mit Blammakörb und tanzatn Elfnan za lesn is. Koast du als nei- oder zeahgaahrichs Moidl wos damit oafanga, wenn daou zan Beispül stäiht: „Verhalte dich immer so, dass du vor deinem eigenen Urteil bestehen kannst“ oder „Im Schaffen liegt der Wert des Lebens. Du suchst ihn im Besitz vergebens“? Ich koa mi jedenfalls niat droa erinnern, daass mich solche Erkenntnisse damals irgendwöi beeindruckt häin. Wos des alles bedeit, is ma äijerscht deitli spaater aafganger. Vül wichtiger warn in dera Zeit döia schäin Büldala, waou newa döi Sinnsprüch in des Album eipicht worn sen.

Maa Mutter haout nix picht, döi haout wos gmalt. Und meine Schwestern, damals um die 20 Gaouher olt, hom sich koa kitschichs Blemlbüldl aasgsoucht, sondern a Aafnahm aasaran Fotoautomaten, aaf deara waou´s ma die Zunga aassastreckn. Gschriem haout ma Famüli selbstverständli in Mundart. Mir hom ja dahoim nix anners gredt, und des waa scha aweng peinli gwesn, wenn se mich im Poesiealbum in Haouchdeitsch oagredt häin. Also stäiht daou: „Nea niat naouge(b)m“ und „Haoust wos, naou bist nu lang nix! Äijerscht wennst as Richtige toust, koa´s saa, daass wos wird aas dir.“

Geschriem haout des ma Vatter. Und ich glaab, daass ich damals vastandn ho(b), wos des bedeit. Und daass mir döi Saatz für maa Le(b)n scha aweng a Richtschnöierl ge(b)m hom. Ma redt ja heintzatoch gern und vül va „Resilienz“, also va Widerstandskraft und da Fähichkeit, schwaare Situationen im Le(b)m ohne graoußn Scho(d)n aaszanhaltn. Des hoißt für mich nix anners wöi: „Nea niat naouge(b)m.“ Und daass ma nu lang nix is, wemma an Haafm Göld, Haiser oder a Segelyacht haout, vastäiht se va selwer. Daou braucht ma niat äijerscht aaf Leit wöi an Putin und seine Oligarchen schaua. Döi sölltn amal lerna, as Richtige za tou. Naou waan´s am End aa wer.

 

Bilder