Muslime im Fichtelgebirge Ramadan mit schmerzlichen Einschnitten

Celal Öztürk, dem Vorsitzenden des islamischen Kulturvereins in Marktredwitz, sind die Hände gebunden: Corona verbietet das gemeinsame Fastenbrechen. Foto:  

Wieder müssen Muslime im Fastenmonat ohne Gesellschaft auskommen. Aber es ist möglich kleine Zeichen zu setzen.

Marktredwitz - Die aktuellen Corona-Einschränkungen machen vor niemandem Halt, auch nicht vor den Glaubensgemeinschaften. Christen haben das sowohl Weihnachten als auch Ostern erfahren müssen. Wie geht es dabei eigentlich den muslimischen Mitbürgern, deren Fastenmonat gerade begonnen hat, eine Zeit, in dem vor allem das gemeinsame Fastenbrechen am Abend fest dazugehört? Die Frankenpost sprach mit zwei Mitgliedern der muslimischen Gemeinde, Berrak Bülbül vom Interkulturellen Frauenkreis und Celal Öztürk, dem Vorsitzenden des Islamischen Kulturvereins.

30 Tage Verzicht

„Dieses Jahr tut’s noch mehr weh als 2020 – weil wir alle so darauf gehofft hatten, dass es im Ramazan heuer keine Probleme mehr mit Corona gibt.“ Das sagt Berrak Bülbül. Die 48-Jährige betreibt einen Friseursalon und leidet nicht nur unter den beruflichen Einschränkungen des Dauer-Lockdowns. Bereits zum zweiten Mal sei es nicht möglich, den Fastenmonat in Gemeinschaft zu erleben, ein schmerzlicher Einschnitt. 30 Tage lang sind gläubige Muslime gehalten, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Rauchen zu verzichten. Das „Fastenbrechen“ jeden Abend ist traditionell eine große gemeinsame Sache von Familie und Freunden, ganz zu schweigen vom Abschluss des Fastenmonats, dem sogenannten Zuckerfest. Dabei gehe es nicht nur um die Pflege von sozialen Kontakten: „Im Ramazan erinnern wir uns an den Zeitraum, in dem der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed den Koran offenbarte. Das heißt, wir lesen ihn in den 30 Tagen intensiv, und wenn möglich in Gemeinschaft.“ Auch der spirituelle Aspekt ist demnach durch die Pandemie stark eingeschränkt, auch wenn es mittlerweile viele Online-Angebote gebe, wie Bülbül anmerkt.

Kein virtuelles Gebet

Was für Predigten und Koran-Lesungen möglich ist, gilt jedoch nicht für das gemeinsame Gebet: „Miteinander zu beten, das geht virtuell leider nicht“, sagt Celal Öztürk, dem wie allen anderen die Hände gebunden sind: In der Moschee seien mit dem strengen Hygienekonzept gerade einmal 100 Gläubige erlaubt, wo vor Corona zum mittäglichen Freitagsgebet 300 kommen konnten. Und die Ausgangssperre macht ein gemeinsames Fastenbrechen am Abend in den Räumen des Islamischen Kulturzentrums an der Kraußoldstraße ohnehin unmöglich. „Es kann auch in diesem Jahr leider gar nichts stattfinden.“ Öztürk ist weit davon entfernt, sich wegen der Einschränkungen zu beschweren: „Den Kirchen geht es ja genauso. Viele Menschen haben auch Angst, sich anzustecken und würden ohnehin nicht kommen.“

Essen fällt weniger üppig aus

Kleine Zeichen der Gemeinschaft zu setzen, das sei aber auch „coronakonform“ möglich, meint Berrak Bülbül: Sie will in diesem Ramazan für ihre besten Freundinnen jeweils deren Lieblingsspeisen zubereiten und diese einzeln „anliefern“. „Wenn man schon nicht zusammen essen darf, kann man so wenigstens aneinander denken.“ Einen einzigen Vorteil hätten die Corona-Beschränkungen, meint Berrak Bülbül mit einem Augenzwinkern: Zum großen Teil seien es eben doch die Frauen, die in normalen Zeiten das üppige Essen für das abendliche Fastenbrechen mit Familie und Freunden kochen. „Da ist die Vorbereitung diesmal schon sehr viel weniger aufwendig.“

Arabisch oder Türkisch
„Ramazan“ oder „Ramadan“? Den meisten hierzulande ist der Begriff „Ramadan“ geläufig. Dies ist allerdings die arabische Lesart; im Türkischen heißt es korrekt „Ramazan“. Beides bezeichnet den muslimischen Fastenmonat, der in diesem Jahr von 13. April bis zum 12. Mai dauert. Der Islam orientiert sich am Mondkalender, nicht nach der Sonne und dem Gregorianischen Kalender. Deshalb hat das islamische Festjahr 354 statt 365 Tage, wodurch sich der Ramazan jedes Jahr nach vorn verschiebt und so allmählich alle Jahreszeiten durchläuft. Das Fasten im Ramazan ist eine der „fünf Säulen“ des Islams (neben Glaubensbekenntnis, Gebet, sozialer Pflichtabgabe und Pilgerfahrt nach Mekka). Ziel ist es, Körper und Seele zu reinigen und Solidarität mit den Armen und Schwachen zu zeigen.
 

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