30 Tage Verzicht
„Dieses Jahr tut’s noch mehr weh als 2020 – weil wir alle so darauf gehofft hatten, dass es im Ramazan heuer keine Probleme mehr mit Corona gibt.“ Das sagt Berrak Bülbül. Die 48-Jährige betreibt einen Friseursalon und leidet nicht nur unter den beruflichen Einschränkungen des Dauer-Lockdowns. Bereits zum zweiten Mal sei es nicht möglich, den Fastenmonat in Gemeinschaft zu erleben, ein schmerzlicher Einschnitt. 30 Tage lang sind gläubige Muslime gehalten, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Rauchen zu verzichten. Das „Fastenbrechen“ jeden Abend ist traditionell eine große gemeinsame Sache von Familie und Freunden, ganz zu schweigen vom Abschluss des Fastenmonats, dem sogenannten Zuckerfest. Dabei gehe es nicht nur um die Pflege von sozialen Kontakten: „Im Ramazan erinnern wir uns an den Zeitraum, in dem der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed den Koran offenbarte. Das heißt, wir lesen ihn in den 30 Tagen intensiv, und wenn möglich in Gemeinschaft.“ Auch der spirituelle Aspekt ist demnach durch die Pandemie stark eingeschränkt, auch wenn es mittlerweile viele Online-Angebote gebe, wie Bülbül anmerkt.