Nach Kritik „Hof-Mitte“ ist vom Tisch

Christop Plass
Von neun auf 30 Millionen Euro: Die Kosten für den geplanten Bahnhalt „Hof-Mitte“ wären explodiert, die Alternative fand in Hof keinen Anklang. Nun gibt es gar keinen zusätzlichen Bahnhalt. Foto: /cp

Erst hätte er verlegt werden sollen, jetzt zieht München die Reißleine: Der geplante Bahnhalt wird nun gar nicht mehr weiterverfolgt. Dem voraus war deutliche Kritik aus Hof gegangen.

Eigentlich sei man sogar erleichtert, sagt einer, der dabei gewesen ist vergangene Woche. Ein Vertreter des bayerischen Verkehrsministeriums hatte, wie berichtet, neue Pläne für einen Bahnhalt „Hof-Mitte“ vorgelegt im Umwelt- und Planungsausschuss des Hofer Stadtrats. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und sowohl den Räten als auch den Verwaltungsvertretern hätten sie wenig gefallen – was man auch deutlich kundtat. Die Folge – und das erfahren die Hofer Beteiligten wie alle anderen durch diese Zeilen: Das Ministerium hat nun entschieden, auch das Ersatzvorhaben nicht weiterzuverfolgen. Einigen sei das schon länger klar gewesen, sagen sie.

Das Vorhaben: Sieben Jahre lang hatten Bahn und Ministerium an einem Bahnhalt unterhalb der Jahnturnhalle gearbeitet, der eigentlich 2024 hätte in Betrieb gehen sollen. „Der ursprünglich geplante Standort wird nicht weiter verfolgt, weil sich die Kosten dafür laut den Erkenntnissen der Deutschen Bahn schon während der aktuellen Planungen verfünffacht haben“, erklärt das Verkehrsministerium. Statt vier wären nun 20 Millionen Euro für den Haltepunkt angefallen; die Kosten fürs zusätzlich nötige Wendegleis wären von fünf auf zehn Millionen gestiegen – alles noch ohne Berücksichtigung der aktuellen Preisentwicklungen. Außerdem: Da man gemeinhin mit einem deutlichen Anstieg des Güterverkehrs im Land – und auch auf der besagten Strecke – rechne, sei ohnehin davon auszugehen, dass dort deutlich weniger Regionalzüge halten könnten als bisher gedacht. Allerdings fiel der Alternativvorschlag in Hof mit Bausch und Bogen durch.

Durchgefallen: Bahn und Ministerium hatten in Hof angeboten, den Haltepunkt an die Parallelstrecke oberhalb der Jahnturnhalle zu verlegen. Er wäre dort „nach ersten Schätzungen deutlich kostengünstiger zu realisieren gewesen“, erklärt das Ministerium. Die Beteiligten in Hof seien aber nicht überzeugt davon gewesen, wie ausführlich berichtet. In der Sitzung selbst sei nicht darüber gesprochen worden, wie es nun weitergeht, sagen Beteiligte – es habe sich um einen Austausch gegensätzlicher Positionen gehandelt. Die Folge der Diskussion gibt es erst jetzt schwarz auf weiß: „Die angebotene Alternative wird nicht weiter verfolgt, da die Stadt Hof nicht dahinter steht und der Freistaat bei neuen Haltepunkten seit jeher keine Zwangsbeglückung gegen den Willen der Kommunen durchsetzt“, schreibt das Ministerium. Da wehre man sich gegen den Vorwurf, man hätte die Stadt Hof vor vollendete Tatsachen gestellt: „Das Ministerium strebt die Verlegung nicht aus eigenem Interesse an.“ Stattdessen werde man nun prüfen, ob sich andere Wünsche aus Hof erfüllen lassen.

Besser angelegt: Statt viele Millionen Euro in einen Bahnhalt zu stecken, der im besten Fall wenig bringt und im schlechtesten Fall nur den Publikumsverkehr an den bestehenden Bahnhöfen weiter ausdünnt, hat das Ministerium eine ganze Wunschliste aus Hof erhalten, wo Geld aus lokaler Sicht besser angelegt wäre. Zu tun gäbe es vieles.

Ganz oben auf der Liste steht der Hofer Hauptbahnhof: Seit Langem fordern viele Beteiligte, dass sich etwas tun müsse im und am Gebäude, eine Machbarkeitsstudie war zuletzt wegen Personalmangels im Hofer Bauamt nicht in die Spur geschickt worden. Auch die seit fast 30 Jahren geforderte Elektrifizierung der Strecke nach Nürnberg oder verbesserungswürdige Anbindungen an den Fernverkehr hatte die Stadtverwaltung genannt. Im Planungsausschuss seien zudem zwei weitere Punkte aufgekommen – einer davon ist allerdings schon wieder vom Tisch.

Gleis zum Hoftex-Areal: Ein Wunsch sei gewesen, den Bahnhof Neuhof zu ertüchtigen, erzählen Beteiligte. Ein anderer ist gleich abgelehnt worden: eine Gleisanbindung des geplanten Innenstadtquartiers auf dem Hoftex-Gelände. Das sei – obwohl ein stillgelegtes Industriegleis auf dem Gelände liegt – aufgrund von Höhenunterschieden nicht möglich, habe es in der Sitzung aus dem Ministerium geheißen.

Am Mittwoch meldet sich auch Landtagsabgeordneter Klaus Adelt (SPD) zum Dilemma: „Sieben Jahre sind seit der vollmundigen Ankündigung vergangen: sieben Jahre, in denen nichts passiert ist. Das ist ein einziges Trauerspiel.“ Er halte es für gut, dass die Stadt dem faulen Kompromiss nicht zugestimmt hat. Er betont, dass man die Bahn und den Freistaat nun nicht aus der Verantwortung lassen dürfe. Adelt: „Hof hat in Sachen Bahn schon genug Kröten schlucken müssen.“

 

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