Merz hat sich am Montag zur Verwunderung vieler auch in der eigenen Partei in die Auseinandersetzung eingeschaltet und Müller für seinen Vorstoß gegen die Schulze-Linie gerügt. Er prangerte den 37-Jährigen in den Spitzengremien der CDU und anschließend in einer Pressekonferenz öffentlich an.
Niemand in der Parteiführung habe verstanden, "dass wenige Tage vor dem Wahltermin ein stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion dem eigenen Spitzenkandidaten so in den Rücken fällt, wie das drei Tage vor der Wahl bis zum gestrigen Tag anhaltend geschehen ist", sagte Merz.
Müller zeigt sich unbeeindruckt
Müller lässt sich dadurch aber nicht ruhigstellen. Vieles spricht dafür, dass er sich als Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen-Anhalt im Bundestag nun erst recht zu Wort melden wird. Seine Kandidatur für den Landesvorsitz erklärte er völlig unbeeindruckt kurz nach dem Kanzler-Rüffel. Er weiß um die schwindende Autorität des Partei- und Regierungschefs. Eine Wahl Müllers ist nun auch ein Votum gegen Merz.
Am Dienstag überraschte der rebellische Parlamentarier den Kanzler im Plenum des Bundestags übrigens damit, dass er auf ihn zuging und ihm lächelnd die Hand reichte. Merz wirkte überrascht, blieb auf dem Sessel seiner Regierungsbank sitzen, sah den deutlich jüngeren Abgeordneten skeptisch an – und gab ihm dann höflich auch die Hand. Worte wechselten die beiden nicht.